Englands Fiasko: 307 Millionen Euro für Nichts
Von Tom Vaagt
München/London - Robin van Persie und Eden Hazard und Lukas Podolski und, und, und.
307 Millionen Euro investierten die vier englischen Champions-League-Teilnehmer vor der Saison in neue Stars. Gebracht hat es nichts, zumindest nicht international. Im FC Arsenal verabschiedete sich am Mittwochabend auch der letzte britische Vertreter aus der Königsklasse.
Erstmals seit 17 Jahren findet das Viertelfinale ohne einen Klub aus der Premier League statt. Ein Fiasko für die Liga, die sich selbst gern als beste der Welt rühmt.
Doch das Ende dieser Ära scheint sich abzuzeichenen. ( DATENCENTER: Die Champions League)
"Ein gewaltiger Warnschuss"
Noch am Mittwochabend brachte ein Franzose Englands Debakel auf den Punkt.
"Das ist eine extreme Enttäuschung und ein gewaltiger Warnschuss für den englischen Fußball", sagte Arsenals Teammanager Arsene Wenger nach dem am Ende wertlosen 2:0 beim FC Bayern: "Der Rest Europas hat aufgeholt, das müssen wir ganz klar feststellen."
Eine Erkenntnis, die inzwischen viele Experten teilen. "Ich bin schon länger der Meinung, dass die Bundesliga stärker als die Premier League ist. Zumindest, was die Breite betrifft", sagte LIGA total!-Experte Felix Magath im Gespräch mit SPORT1.
ManCity mit peinlichem Aus
Doch auch in der Spitze sind Englands Vereine nicht mehr das, was sie einst waren. Der FC Chelsea scheiterte in der laufenden Champions-League-Saison als erster Titelverteidiger überhaupt bereits in der Vorrunde. Als Tabellendritter ging es für die Londoner zumindest in der Europa League weiter.
Davon konnte Manchester City nur träumen. Der englische Meister wurde in der Gruppe um Borussia Dortmund lediglich Letzter. Manchester United und Arsenal verabschiedeten sich im Achtelfinale.
Wäre der Satz nicht so gruselig, müsste man nun behaupten: Geld schießt keine Tore. Doch die eigentliche Krux: Es verhinderte auch keine Tore.
Besonders defensiv hakt es
Besonders defensiv steht man auf der Insel nicht mehr so sicher wie in den vergangenen Jahren. Nach einer Statistik des britischen Internetportals "SkySports" kassierten die drei topplatzierten Vereine der Premier League in der laufenden Saison durchschnittlich 1,07 Gegentore pro Partie. 2006/2007 waren es noch 0,68 Treffer.
Carlie Wyett, Arsenal-Reporter der britischen Tageszeitung "The Sun", schreibt in einer Gast-Kolumne bei SPORT1 ( zur Gast-Kolumne): "Die Krise der Premier League bezieht sich aus meiner Sicht nicht nur auf das Abschneiden in der Champions League. Ich sehe wirklich viele Liga-Spiele und muss zugeben, da waren grausame Partien dabei."
Auch der Journalist sieht vor allem in der schwachen Defensivarbeit und der Verschwendungssucht der Vereine die Gründe für den Abwärtstrend. Schon der Triumph des FC Chelsea in der vergangenen Saison sei "totales Glück" gewesen.
Beckham als letzte Hoffnung
Doch finanzieller Größenwahn ist in England schon seit Jahren an der Tagesordnung und hinderte die Klubs dennoch nicht daran, die Champions League zu beherrschen.
In sieben der vergangenen acht Endspielen stand immer mindestens eine englische Mannschaft. Zwischen 2007 bis 2009 erreichten in jeder Saison jeweils drei Klubs aus der Premier League das Halbfinale.
Kein Wunder also, dass der "Telegraph" angesichts der nun zunehmend verblassenden Erfolge ein wenig belämmert konstatierte: "Die große europäische Party geht ohne die Engländer weiter." So etwas kennt man auf der Insel eigentlich nur von der eigenen Nationalmannschaft.
Wobei: Es gibt ja noch David Beckham. Englands Altstar steht seit dem Winter bei Paris Saint-Germain unter Vertrag - und die Franzosen haben bekanntlich das Viertelfinale erreicht.
Der 37-Jährige ist damit der einzige verbliebene Engländer, der beim Königsklassen-Finale am 25. Mai in Wembley auf ein Heimspiel hoffen kann. Immerhin.

