Sporting: "Harter Brocken" statt Glückslos
Aus Lissabon berichtet Daniel Rathjen
Lissabon - Vor dem großen Duell strotzt Sporting Lissabon nur so vor Selbstvertrauen.
Aus dem großen Derby am Wochenende gegen den Erzrivalen Benfica ging die Mannschaft von Trainer Paulo Bento mit 3:2 als Sieger hervor.
Seine mit Talenten gespickte Crew brennt nun darauf, dem großen FC Bayern im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) das Fürchten zu lehren.
"Wir wollen ein gutes Resultat erzielen", sagt Bento. "Und das heißt: gewinnen."
Dass das nicht unmöglich ist, weiß Jürgen Klinsmann. "Wir haben großen Respekt vor dieser Mannschaft", stellt Münchens Trainer klar.
Der Trainer ist der Star
Die Favoritenrolle weist er von sich: "Sporting ist ein Top-Team, das wird ein harter Brocken. Ich sehe uns auf einer Ebene."
Vom vermeintlichen "Losglück" spricht niemand mehr, obwohl große Namen beim Gegner fehlen.
Als Star geht allenfalls noch der 39-jährige Trainer Bento durch, der 35 Länderspiele für Portugal bestritt und WM-Teilnehmer 2002 und EM-Spieler 2000 war.
Schwarze Serie gegen
deutsche Teams
Doch was macht Sporting, das in Portugal noch immer im Schatten des populären Klubs Benfica steht, dann so gefährlich?
Aktuell sind die "Löwen", wie sie in ihrer Heimat genannt werden, nur Dritter in der Liga (zur Tabelle) und haben zudem eine schwarze Serie gegen Mannschaften aus Deutschland: In 14 Europapokalspielen gelang ihnen kein einziger Sieg.
Anders als Benfica oder Bayern hat Sporting international nicht viel erreicht. Die größten Erfolge waren 1964 der Europacupsieg der Pokalsieger und der Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2005.
Figo und Ronaldo ausgebildet
Das Geheimnis liegt in der Nachwuchsarbeit, die seinesgleichen sucht.
Superstars wie Cristiano Ronaldo und Luis Figo sind bei Sporting groß geworden und lernten dort vor allem sich durchzubeißen.
Spieler wie Paulo Futre, Aldo Duscher, Ricardo Quaresma, Simao Sabrosa und Hugo Viana stamen ebenfalls aus der Sporting-Schule.
Heute zeichnet sich der Verein immer noch durch seine intensive Jugendförderung aus. Es gab bereits Spiele, in denen bis zu acht Profis aus der eigenen Jugend mitmischten.
Rummenigge: "Ein gut geführter Klub"
Der ehemalige Jugendtrainer Bento, der vor zwei Jahren Jose Peseiro als Chefcoach ablöste, besitzt im aktuellen Kader in Joao Moutinho und Miguel Veloso die größten Talente.
"Sporting ist ein gut geführter Klub, der viele Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach oben geführt hat", zollt FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge Respekt.
Er warnt: "Wir brauchen zwei konzentrierte Spiele, um unser großes Ziel, die nächste Runde, zu erreichen."
Butt warnt vor Liedson
Jörg Butt, Bayerns zweiter Keeper und in der vergangenen Saison noch bei Benfica unter Vertrag, warnt ebenso vor Sporting, obwohl dort vier Stammspieler fehlen (Nationalstürmer Helder Postiga sowie Miguel Veloso und Adrien Silva und Keeper Rui Patricio).
"Trotz ihres jungen Alters sind einige Spieler schon sehr erfahren, zum Beispiel Moutinho. Vorne ist Liedson ein sehr gefährlicher Mann", lobt er vor allem den treffsicheren Mittelstürmer.
Die "Löwen" fühlen sich als Außenseiter. Sie schieben die Favoritenbürde in Richtung der zuletzt schwächelnden Münchner.
"Die Deutschen sind zweifellos Favoriten", betonte Sportdirektor Pedro Barbosa. Bento glaubt sogar: "Titelanwärter sind die".
Sporting erstmals im Achtelfinale
Selbst die portugiesischen Medien stimmten in den Chor ein: "Die Münchner tragen die ganze Favoriten-Last", befand das Sportblatt "O Jogo".
Bayern sei "ein Koloss", schrieb "Jornal de Noticias". Sporting kämpfe "nicht nur gegen die Bayern, sondern auch gegen die eigene Geschichte".
Denn der Traditionsklub aus Lissabons Norden ist in diesem Jahr erstmals in die Runde der Top-16 der Champions League eingezogen.
Das beste Ergebnis gab es international ausgerechnet gegen die Bayern in München: Ein 0:0 in der Champions-League-Gruppenphase der Saison 2006/2007. Das reichte nicht, denn Bastian Schweinsteigers Tor versetzte in Lissabon Sporting den Knockout.
In Portugal stehen immerhin 18 Landesmeister-Titel und 15 Landespokale zu Buche.
Klinsmanns Schützlingen soll in jedem Fall ein heißer Empfang bereitet werden. Das moderne Jose-Alvalade-Stadion wird mit 52.000 Fans ausverkauft sein.
Original Trikot des FCB mit Unterschriften gibt es hier
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