Bayern plant die Zukunft - Klinsmann will Hochkaräter
Von Daniel Rathjen
München - Die Spiele gegen den FC Barcelona haben dem FC Bayern klar die Grenzen in der Champions League aufgezeigt.
Die 0:4-Schmach vom Camp Nou wird den Bossen noch lange im Gedächtnis bleiben. Da reichte auch das 1:1 im Viertelfinal-Rückspiel (Spielbericht: Das Wunder bleibt aus) nicht zur Rehabilitation.
Präsident Franz Beckenbauer, der sich nun sogar mit Platz zwei im Titelkampf begnügen würde, um wenigstens die erneute Teilnahme an der Champions League zu sichern, sagte im DSF:
"Der FC Bayern war in dieser Saison einfach nicht stark genug, um in das Halbfinale der Champions League einzuziehen."
Trainer Jürgen Klinsmann fordert deshalb Verstärkungen für die Zukunft, auf Nachfrage von Sport1.de wird er konkret (Klinsmann trotzt dem Reizklima).
"Uns fehlt es in der Breite an Qualität. Wir haben jetzt Ivica Olic und Anatolij Timoschtschuk verpflichtet, aber insgesamt ist der Kader in dieser Saison zu dünn gewesen."
Neues Personal
Folgen ließ der 44-Jährige die Forderung nach neuem Personal: "Wir müssen den Kader überprüfen, ihn für die nächste Saison verbessern. Wir müssen nachlegen, wenn wir in der nächsten Saison weiterkommen wollen als bis ins Viertelfinale."
Schließlich wolle man doch dahin kommen, "wo Barcelona jetzt schon ist".
Er ergänzt: "Wir brauchen mit Sicherheit noch zwei bis drei hochkarätige Spieler, die auch bereits Erfahrung auf internationaler Ebene gesammelt haben."
Nach Informationen von Sport1.de laufen die Gespräche mit den potenziellen Kandidaten bereits. Entscheidungen wird es allerdings erst in den nächsten Wochen geben ("Wäre mit Platz zwei zufrieden").
Vorstand ist bereit
Investitionsbereitschaft beim Vorstand sei laut Klinsmann in jedem Fall da. Das Signal sei bereits durch die Verpflichtung von Timoschtschuk gegeben worden, für den die Bayern rund 14 Millionen Euro an Zenit St. Petersburg überweisen.
Außerdem hat das Erreichen des Viertelfinals in der Königsklasse Mehreinnahmen von rund 45 Millionen Euro in die Kasse gespült.
Trotzdem erreichte der FCB wieder nicht die Runde der letzten Vier.
Entsprechend genervt zeigt sich Klinsmann daher vor allem vom Stürmermangel. Mindestens drei qualitativ exzellente Angreifer müsse man haben, "vielleicht sogar vier", forderte er:
Debatte im Winter
"Meine Befürchtungen sind eingetreten. Ich hatte vor dem Barca-Spiel schon Bammel davor, dass Luca Toni etwas passiert. Dann spielen wir ohne Stürmer gegen den FC Barcelona. Das schaut natürlich unmöglich aus."
Bei der Gelegenheit erinnerte "Klinsi" noch einmal an die Stürmerdebatte des Winters, die mit einem klaren "Nein" der Chefs zu Landon Donovan beendet worden war.
Doch nicht nur im Sturm bedarf es gründlicher Auffrischung. Baustellen gibt es in allen Mannschaftsteilen. Sport1.de gibt einen Überblick(Diashow: Bayerns Baustellen) .
Tor:
Michael Rensing wurde demontiert und hat wohl keine Zukunft. Dass Jörg Butt (das Sport1.de-Interview), obwohl er es könnte, auch in der kommenden Saison die Nummer eins ist, ist unwahrscheinlich.
Kandidaten für den Posten im Bayern-Tor gibt es einige: Robert Enke (Hannover 96), Rene Adler (Bayer Leverkusen), Diego Benaglio (VfL Wolfsburg) und Carlos Kameni (Espanyol Barcelona).
Abwehr:
Die Innenverteidigung hält noch eine Saison durch, links ist Philipp Lahm eine feste Größe. Der Schuh drückt auf der rechten Seite, wo weder Christian Lell noch Massimo Oddo (ausgeliehen vom AC Mailand) international überzeugen.
Dort besteht also dringend Handlungsbedarf: Eine echte Verstärkung wäre der Russe Juri Schirkow (ZSKA Moskau), an dem die Bayern trotz einiger Dementis schon länger interessiert sein sollen.
Mittelfeld:
Quantitativ ist das bereits vorzüglich bestückt. Es fehlt jedoch an kreativen Elementen, die beispielsweise ein Rafael van der Vaart (unzufrieden bei Real Madrid), Aleksander Hleb (bei Barca nur zweite Wahl) oder Marko Marin (will von Borussia Mönchengladbach zu einem Spitzenklub) hereinbringen könnten.
Mark van Bommel hat seinen Vertrag verlängert, ebenso wie Bastian Schweinsteiger und wohl auch Ze Roberto.
Dagegen tendiert Edelreservist Tim Borowski nach Informationen von Sport1.de im Falle eines guten Angebots zu einem Abschied nach nur einer Saison.
Angriff:
Luca Toni und Miroslav Klose werden weiterhin gesetzt sein, sind aber verletzungsanfällig. Neben Olic soll jedoch nun doch ein weiterer Stürmer verpflichtet werden. "Die Entscheidung darüber fällt bald", verrät Klinsmann.
Trainer/Manager:
Fraglich ist nach den letzten Rückschlägen, ob Klinsmann seinen Vertrag bis 2010 erfüllen darf. Als Topkandidaten für die Nachfolge werden bereits Armin Veh, Lothar Matthäus, Frank Rijkaard, Martin Jol und Bernd Schuster gehandelt.
Die "Sport-Bild" bringt zudem einen weiteren großen Namen als neuen Manager ins Spiel: Oliver Kahn.
Der "Titan" soll sich mit Uli Hoeneß getroffen, und sein Konzept vorgestellt haben und den Manager beerben. Dann würde Klinsmanns Aus tatsächlich feststehen, denn laut "Sport-Bild" würde Kahn auch einen Trainer und Sportdirektor installieren.
Zum Forum - hier mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite


