Barca ist heiß - Leverkusen nur zweitranging
Aus Leverkusen berichtet Thorsten Mesch
Leverkusen - Der Andrang ist riesig, der Presseraum prall gefüllt:
In Leverkusen haben sich die Journalisten um die besten Plätze gerissen, um Barca-Trainer Pep Guardiola Aussagen vor dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Bayer (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) zu entlocken.
Die Fragen der spanischen Journalisten bezogen sich aber zu Beginn nur auf die Situation in der Primera Division.
Verteidiger Dani Alves wurde sogar nach dem spanischen Pokalfinale gegen Athletic Bilbao gefragt, das im Stadion des Erzrivalen Real Madrid stattfinden soll.
Leverkusen ist für die spanische Presse wohl nur eine Randnotiz und Zwischenstation auf dem Weg ins Viertelfinale.
Schließlich kam doch der aktuelle Gegner zur Sprache. Und der Coach stellte gleich zu Beginn klar. "Es gibt kein Spiel, das wichtiger ist als ein anderes, keinen Wettbewerb, der wichtiger ist". Die Partie in Leverkusen geht die Weltauswahl mit voller Konzentration an.
Kampfansage von Guardiola
"Wir werden das Beste versuchen, ein gutes Spiel zu machen und das Viertelfinale zu erreichen. Tore zu schießen ist essentiell", betonte Guardiola.
Er baut besonders auf die erfolgreiche Vergangenheit seiner Mannschaft. "Wir waren in den vergangenen Jahren das stärkste Team Europas und wollen den Titel verteidigen", erklärte der 41-Jährige.
Als Beispiel soll der AC Mailand herhalten. "Als Milan den Titel verteidigt hat, gab es die Champions League noch nicht. Das zeigt, wie schwer es ist. Sie haben es damals geschafft. Wir werden es morgen versuchen - bis zum Finale", sagte Guardiola.
Vor Leverkusen hat er großen Respekt: "Ich denke, dass Bayer Leverkusen eine gute Mannschaft hat. Sie ist stark bei Standards, hat gefährliche Spieler wie Kießling und sie spielen einen guten Fußball."
Barca-Stars im Schneeregen
Auch Alves warnt vor Bayer: "Wir treffen auf einen starken Gegner und müssen sehr aufmerksam sein, damit wir keine Überraschung erleben."
Mit den eisigen Temperaturen machte das Team um Superstar Lionel Messi bereits beim anschließenden Training bei Schneeregen Bekanntschaft.
Kapitän Carles Puyol, Xavi, Dani Alves und Eric Abidal trotzten der Kälte und liefen in kurzen Hosen auf. Der Rest der Mannschaft entschied sich für lange Klamotten.
Pique baut Unfall
Am Montagmorgen vor dem Abflug nach Leverkusen gab es allerdings Probleme. Barca-Profi Gerard Pique stieß mit seinem Auto auf dem Weg zum Treffen am Estadio Camp Nou mit seinem Auto mit einem Bus zusammen.
Nach Informationen des Senders "Ona FM" blieb der Innenverteidiger unverletzt, kam aber mit seiner Mannschaft mit etwas Verspätung am Flughafen "El Prat" an.
Um 10.30 Uhr hob die Sondermaschine in Richtung Flughafen Köln/Bonn ab. Mit Pique, mit seinem zuletzt verletzten Weltmeister-Kollegen Sergio Busquets und mit allen Superstars des Titelverteidigers.
Frost macht Barca zu schaffen
Im Rheinland erwarten die Supertechniker aus Katalonien ähnlich frostige Bedingungen wie am Samstag in Pamplona, als der spanische Meister durch ein 2:3 bei CA Osasuna bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt seine Chancen auf die Titelverteidigung wohl endgültig verspielte.
"Barca friert in Pamplona ein", hatte die Sportzeitung "El Mundo Deportivo" geschrieben. "Es ist bitter zu sehen, wie dir der Titel durch die Finger gleitet", so die Worte von Pique, der am Montag mit dem Schrecken davon kam.
Fokus auf Champions League
Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf den Erzrivalen Real Madrid, der am Sonntagabend beim 4:2 gegen UD Levante kein Blöße zeigte.
"Die Meisterschaft zu verteidigen wird nun ziemlich schwierig", erklärte Barcelonas Sportdirektor Andoni Zubizarreta. Sollte Real seinen "Rhythmus beibehalten, werden die die Meisterschaft gewinnen", ergänzte der ehemalige spanische Nationaltorwart.
Er ist aber "sicher, dass Barca in der Lage ist, den Chip auszutauschen und in der Champions League angreifen" wird (DATENCENTER: Champions League).
"Die Meisterschaft hat keine Auswirkungen auf die Champions League", zudem habe Barcelona in Pamplona trotz der Niederlage "gut gekämpft, ich sage nich gut gespielt", so Zubizarreta.
Guardiola schonte einige Stars
Einen Großteil der spielerischen Qualität hatte Barca-Trainer Pep Guardiola am Samstag gar nicht eingesetzt. Xavi, Andres Iniesta und Cesc Fabregas saßen beim Anpfiff auf der Bank.
Fabregas wurde zwar eingewechselt, konnte das Ruder aber auch nicht mehr herumreißen.
Dutt erwartet anderes Barcelona
Dass Barca in Leverkusen anders auftreten wird, davon ist auch Robin Dutt überzeugt.
Man müsse das Spiel zwar "losgelöst von der Liga betrachten", sagte Leverkusens Trainer auf der Pressekonferenz am Montagmittag, "aber dass sie jetzt in der Meisterschaft zehn Punkte Rückstand haben, würde ich nicht als positives Zeichen sehen."
Die Chance, gegen Barcelona zu gewinnen, sei "höher, wenn Iniesta, Xavi, Fabregas oder Sergio Busquets nicht spielen", stellte Dutt fest und ergänzte: "Wir konnten uns in Dortmund leider nicht erlauben, eine B-Mannschaft spielen zu lassen."
Zubizarreta warnt vor Bayer
Barca ist klarer Favorit, hat aber Respekt vor Bayer.
"Leverkusen hat sehr gute Spieler, einen exzellenten Trainer und wird ein schwieriger Gegner", sagte Zubizarreta zu SPORT1.
"Deutsche Mannschaften geben niemals auf. Das Los entscheidet nicht über Favoriten. Fußball wir auf dem Platz entschieden."
Und dort will Barca am Dienstag wieder seine Klasse zeigen. Trotz der Kälte in Deutschland und trotz Piques Missgeschicks.

