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Der offizielle Ball des Confederations Cup hört auf den Namen "Kopanya" © getty

Die "Taxi-Mafia" stoppt das neue Bussystem und eine Sicherheitsfirma springt ab - in Südafrika regiert vor dem Confed Cup das Chaos.

München/Johannesburg - Die Busse fahren nicht, die Fernsehtechniker wollen streiken, und die wichtigste Sicherheitsfirma sagte kurzfristig ab:

Wenige Tage vor dem Confed Cup produziert Südafrika vor allem Negativ-Schlagzeilen (DATENCENTER: Spielplan Confed-Cup).

Bei der Generalprobe für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010, die am Sonntag (ab 16 Uhr LIVESCORES ) in Johannesburg mit dem Spiel der Gastgeber gegen den Irak beginnt, drohen teilweise chaotische Verhältnisse.

Das neue Schnellbus-System, das in einem Jahr Tausende Fans aus aller Welt in der Vier-Millionen-Metropole transportieren soll, wurde gestoppt. Offiziell wegen Verzögerungen beim Bau, vor allem jedoch auf Druck der mächtigen Taxi-Branche.

Die drohte unverhohlen mit "Taxi-Kriegen" und "Blutvergießen", wenn neue Busse auf bislang für Sammeltaxis vorbehaltenen Routen verkehren würden.

Präsident unterstützt "Taxi-Mafia"

Einen Vorgeschmack darauf gab es im März, als Taxifahrer die Straßen verbarrikadierten, den kompletten Verkehr lahm legten und die Polizei mit Gummigeschossen einschritt.

Der neue Präsident Jacob Zuma gab dem Druck der Straße nach und unterstützte die Forderung der Taxi-Unternehmen, die massive Arbeitsplatzverluste befürchten.

Nun soll das neue Bussystem BRT erst im September starten. Bis dahin fahren weiter Minibusse, ein Relikt aus Apartheid-Zeiten, die häufig nicht mehr verkehrstüchtig sind.

Die Taxi-Firmen, die mitunter mit Waffengewalt um ihre Routen kämpfen, wehren sich gegen jegliche Reglementierung.

"Das ist eine Mafia", sagt Wirtschaftswissenschaftler Frank Beeton.

Fernsehtechniker drohen mit Streik

Noch größeren Einfluss auf den Confed Cup, der in Johannesburg, Tshwane/Pretoria, Rustenburg und Mangaung/Bloemfontein ausgetragen wird, könnte der angedrohte Streik der Fernsehtechniker haben.

Die Gewerkschaft CWU brach die Verhandlungen mit der südafrikanischen Radio- und Fernsehanstalt SABC in der vergangenen Woche ab, weil statt der geforderten zwölf nur sieben Prozent Lohnerhöhung angeboten wurden.

Am Montag kommt der Fall vor die Schiedskommission CCMA. Gibt es keine Einigung, will die CWU streiken.

Sicherheit nicht bedroht

Für viel Wirbel sorgte auch die kurzfristige Absage eines schwedisch-südafrikanischen Konsortiums, das VIPs, Hotels, Stadien und Trainingsplätze schützen sollte.

Die Zeitung "Mail and Guardian" grub die Geschichte am vergangenen Wochenende aus. Danach verzichteten die schwedische Securitas und die südafrikanische Stallion Security auf den millionenschweren Auftrag, weil das Organisationskomitee "keine angemessenen Gehälter" zahlen wollte.

Kurzfristig musste ein relativ unbekanntes Unternehmen aus Kapstadt einspringen.

"Die Sicherheit beim Confed Cup ist nicht bedroht", sagte OK-Sprecher Rich Mkhondo und erklärte, lediglich zehn Prozent der 8000 Sicherheitskräfte seien von dem Vorgang betroffen.

Das Thema ist sensibel, denn in einem Land mit durchschnittlich 50 Morden und 100 Vergewaltigungen am Tag ist die Kriminalität eines der größten Probleme.

Flughafen-Verbindung noch im Bau

Auch am Flughafen von Johannesburg. Zwar sind alle Umbauarbeiten am OR Tambo International Airport rechtzeitig zur WM-Generalprobe abgeschlossen, doch weiterhin ist die Diebstahlquote hoch.

Die nationale Flughafengesellschaft ACSA verpflichtete bereits 400 zusätzliche private Sicherheitskräfte, die die 1000 Polizisten unterstützen sollen.

Auch hier bereitet der Transport Probleme. Der neue Nahverkehrszug Gautrain, der den Flughafen mit dem Vorort Sandton mit seinen zahlreichen Hotels verbinden soll, wird noch gebaut - und möglicherweise nicht mal bis zur WM fertig. "Ende Juni werden wir wissen, ob wir rechtzeitig fertig werden oder nicht", sagte Gautrain-Sprecherin Ingrid Jensen.

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