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Giuseppe Rossi spielt seit 2007 beim FC Villarreal in Spanien © getty

Ausgerechnet der in Amerika geborene Giuseppe Rossi trifft beim Sieg der Italiener doppelt. Ägyptens Protest wird abgeschmettert.

Pretoria/Bloemfontein - Der erste Gruß ging in die USA.

"Ich widme die Tore meiner Familie, die das Spiel zu Hause in New Jersey am Fernseher verfolgt hat", sagte Giuseppe Rossi, nachdem er Weltmeister Italien beim Confed-Cup (Ergebnisse) vor einem Fehlstart bewahrt hatte - ausgerechnet gegen sein Geburtsland.

Mit zwei sehenswerten Treffern zum 3:1 (0:1)-Sieg der Azzurri in Pretoria (Italien verhindert Fehlstart) schoss sich der Italo-Amerikaner ins internationale Rampenlicht und löste gemischte Gefühle aus.

Während die "Gazzetta dello Sport" den 22-Jährigen als "Italiens zweiten Rossi" nach dem 82er-Weltmeister Paolo Rossi feierte, hätte US-Coach Bob Bradley den Stürmer lieber in seinem Team gesehen.

Bradley wehmütig

"Er ist ein Junge aus New Jersey, ich kenne seine Familie. Sein Vater hat lange als High-School-Trainer gearbeitet. Wir hatten die Hoffnung, dass er für die USA spielen würde", meinte Bradley.

"Aber er hat seine Entscheidung gefällt. Für ihn war es ein toller Tag, für uns eine große Enttäuschung."

In Wut schlug die Enttäuschung der Ägypter nach der unglücklichen 3:4 (1:3)-Niederlage in Bloemfontein gegen Rekordweltmeister Brasilien um.

Protest der Ägypter abgeschmettert

Weil sie vor dem Siegtor durch Superstar Kaka in der Nachspielzeit durch einen verwandelten Handelfmeter einen unerlaubten Videobeweis gesehen haben wollten, legten die Afrikaner Protest ein, den der Weltverband FIFA umgehend ablehnte.

Matchwinner Kaka, der für 65 Millionen Euro vom AC Mailand zu Real Madrid wechselt, konnte die ganze Aufregung nicht verstehen.

"Es war definitiv ein Elfmeter", meinte der 27-Jährige, nachdem Schiedsrichter Howard Webb ein Handspiel auf der Torlinie erst nach Hinweis des Vierten Offiziellen geahndet hatte. "Es ist gut, wenn der Unparteiische Leute an seiner Seite hat, die ihm helfen."

Video-Beweis nicht zulässig

Die Ägypter unterstellten allerdings, der Assistent habe die Szene auf dem Monitor am Spielfeldrand gesehen und erst dann Webb informiert. Ein Videobeweis ist nicht zulässig.

"Die gründliche Analyse der genannten Dokumente hat ergeben, dass die fragliche Entscheidung in Zusammenarbeit des Schiedsrichters und des ersten Schiedsrichterassistenten Mike Mullarkey zustande kam, der einen ungestörten Blick auf das Geschehen hatte und den Regelverstoß gegenüber dem Schiedsrichter bestätigte", hieß es in einer Stellungnahme der FIFA.

Die Ägypter unterstellten allerdings, der Assistent habe die Szene auf dem Monitor am Spielfeldrand gesehen und erst dann Webb informiert.

DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel hält den Protest der Ägypter für nachvollziehbar.

"Die Vermutung liegt schon sehr nahe, dass es über den Vierten Offiziellen ging durch die Ansicht der Fernsehbilder. Aber ich gehe davon aus, dass es nicht zu beweisen ist", sagte Stigel der "Welt".

Ein Videobeweis ist nicht zulässig. Die Kontroverse erinnerte an die hitzigen Diskussionen nach der Roten Karte gegen Zinedine Zidane im WM-Finale 2006 in Berlin gegen Italien.

"Es ist ein Traum"

Damals hatten die Franzosen moniert, der Platzverweis nach dem Kopfstoß gegen Marco Materazzi sei erst auf Zuruf des Vierten Offiziellen nach Ansicht der Fernsehbilder ausgesprochen worden.

Überglücklich war indes Rossi. "Es ist ein Traum", sagte der 22-Jährige nach seinem Doppelpack (58. und 90.+4).

"Ich spiele für den Weltmeister, und ich hoffe, dass ich nächstes Jahr selbst Weltmeister werde."

Der Sohn italienischer Auswanderer, in Clifton/New Jersey geboren, war mit zwölf Jahren ins Land seiner Vorfahren zurückgekehrt.

Rossis Vater ist stolz

"Die USA bedeuten mir eine Menge, dort wurde ich geboren, und dort lebt meine Familie. Aber ich habe immer davon geträumt, für Italien zu spielen. Das war mir eine Herzensangelegenheit", sagte Rossi.

Dessen Vater Fernando verfolgte daheim in Clifton die Gala seines Sohnes am Fernseher mit gemischten Gefühlen: "Ich bin sehr, sehr stolz auf ihn. Aber es spielen ausgerechnet die beiden Länder gegeneinander, die wir lieben."

Weltmeister-Trainer Marcello Lippi war verständlicherweise "sehr, sehr froh", dass der Stürmer mit zwei Pässen für Italien und nicht für die USA spielte.

Kritik an Lippi

Allerdings musste sich der 61-Jährige nach dem Spiel heftige Kritik anhören. Warum er junge Spieler wie Rossi so selten einsetze, wurde er gefragt.

"Junge Leute muss man nach und nach integrieren", antwortete Lippi gereizt und lieferte sich mit dem Journalisten eine hitzige Auseinandersetzung.

"Rossi ist ein guter Spieler, aber er kann nicht in jedem Spiel dabei sein. "

Dafür kommt ein anderer wieder. Der Mannschaftskapitän Fabio Cannavaro steht nach seiner langwierigen Sprunggelenksverletzung beim Confed Cup wieder zur Verfügung.

Donovan trifft zur Führung

Lippi hatte den Stürmer des FC Villarreal, der über den AC Parma und Manchester United den Weg nach Spanien gefunden hatte, erst 102 Sekunden vor dessen Ausgleichstreffer zum 1:1 eingewechselt.

"Er hat keine Zeit vergeudet", meinte der Coach.

Der frühere Münchner und Leverkusener Bundesliga-Profi Landon Donavan hatte die USA, die nach der harten Roten Karte gegen Ricardo Clark (33.) rund eine Stunde in Unterzahl spielen mussten, mit einem verwandelten Foulelfmeter in Führung gebracht (41.).

Rossi und Daniele De Rossi (72.) sicherten Italien aber noch den Pflichtsieg.

Ein Sieg zum Halbfinale

Mit einem weiteren Erfolg am Donnerstag (ab 20.30 Uhr LIVESCORES und live im DSF) gegen Ägypten könnten die Azzurri in der Gruppe B bereits den Halbfinaleinzug perfekt machen.

Auch Titelverteidiger Brasilien wäre bei einem Sieg am selben Tag (ab 16.00 Uhr LIVESCORES und im DSF) gegen die USA in der Runde der letzen Vier.

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