vergrößernverkleinern
Torres (re.) und Mata (2. von re.) nutzen eine Trainingspause zum Strandbesuch © getty

Vor dem Confed-Cup-Halbfinale sorgt im spanischen Lager ein angeblicher Party-Skandal für Aufregung. Italiens Balotelli reist ab.

Rio de Janeiro/Fortaleza - Bier, Caipirinha und Strip-Poker - sind das die Zutaten, die Spaniens Welt- und Europameister durch den Confed Cup tragen?

Die brasilianische Zeitung "O Globo" behauptet: ja! Doch während die Geschichte über einen angeblichen Skandal in Recife unter dem reißerischen Titel "Sex, Lügen und Video" zumindest in der spanischen Medienlandschaft für einige Unruhe sorgte, gab sich die Seleccion kühl. Man schenke der Sache "keine Aufmerksamkeit", teilte der Verband mit.

Die volle Konzentration gelte der Neuauflage des EM-Finals von 2012 am Donnerstag (ab 20.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlights, Fr., 19.15 Uhr im TV auf SPORT1) gegen Italien.

Am Abend des 16. Juli, Spanien hatte Uruguay nach einer erneuten Tiki-Taka-Demonstration 2:1 bezwungen, soll sich die vermeintliche Orgie zugetragen haben. (Confed Cup: Ergebnisse und Tabellen)

Prostituierte im Mannschaftshotel?

Einige Spieler sollen sich mit fünf Damen im Mannschaftshotel Golden Tulip vergnügt haben, schrieb "O Globo" unter Berufung auf Augenzeugen, ein Video und Polizeikreise.

Die Behörden ermittelten, allerdings zunächst, weil den Spaniern in dieser Nacht 1000 Euro abhanden kamen.

"Die Ruhe, die die spanische Delegation in Fortaleza genoss, ist gestört", klagte das Sportblatt "Marca" dennoch.

Ramos verärgert

Der spanische Verteidiger Sergio Ramos forderte den Fußball-Weltverband FIFA auf, gegen die Berichte über eine angebliche Party im Teamhotel vorzugehen.

"Wir bitten die FIFA, den Lügner zu entlarven, der sich auf Kosten der Spieler einen Namen zu machen versucht, die in den vergangenen fünf Jahren bewiesen haben, dass sie die besten der Welt sind", sagte der Vize-Kapitän der Seleccion am Dienstag in Fortaleza.

"Man darf mit dem Ruf eines Landes wie Spanien, das ein sehr sauberes Image hat, nicht spielen. Und man darf auch nicht mit unseren Familien, Frauen und Kindern spielen", mahnte Ramos: "All das in Frage zu stellen, in dem man eine solche Story erfindet, ist etwas sehr Ernstes."

Ramos betonte, dass sich die spanische Auswahl von den Berichten nicht ablenken lassen werde.

Del Bosque mit Personalsorgen

Nationaltrainer Vicente del Bosque macht indes vermutlich seine Mannschaftsaufstellung mehr Kopfzerbrechen.

Die Stammspieler Cesc Fabregas und Roberto Soldado sind angeschlagen. Dazu kommt die im Spielort Fortaleza für den Anstoß um 16 Uhr Ortszeit erwartete "fast unmenschliche Hitze", wie Sergio Busquets es nannte.

"Ich war tot", meinte Fernando Torres rückblickend auf das 3:0 gegen Nigeria (Bericht) im abschließenden Gruppenspiel, das auch in Fortaleza stattfand.

Tropische Bedingungen

30 Grad und bis zu 80 Prozent Luftfeuchtigkeit - "bei diesen Bedingungen ist es unmöglich, das Tempo 90 Minuten hochzuhalten", sagte Andres Iniesta.

Und doch: Gegen Nigeria ist es Spanien nahezu über die volle Distanz gelungen. Kein Wunder, dass Brasilien vor dem Halbfinale gegen Uruguay (Highlights, Mi., 19.30 Uhr im TV auf SPORT1) schon vom Traumfinale gegen den Weltmeister am Sonntag in Rio de Janeiro spricht.

"Das ist das Spiel, auf das die ganze Welt wartet", sagte Torres: "Aber es wird nicht einfach. Wir haben vor niemandem Angst, aber Italien hat uns das Leben schon immer schwer gemacht."

Balotelli verletzt abgereist

Auch diesmal? Ohne den wegen seiner Muskelverletzung im linken Oberschenkel bereits abgereisten Mario Balotelli?

"Spanien ist die beste Mannschaft der Welt. Sie zu schlagen, ist fast unmöglich. Aber ich bin sicher, dass wir ihnen Probleme bereiten können", sagte der italienische Nationalcoach Cesare Prandelli.

Balotellis Verlust ist für die Azzurri allerdings kaum aufzufangen. Er fühle sich "wie ein Verlierer", teilte der Stürmer mit, ehe er in die Heimat flog.

Italien mit Systemumstellung

Ohne Balotelli käme es "noch mehr aufs Kollektiv, den Teamgeist und den Spielaufbau" an, meinte Prandelli, der von 4-5-1 auf 3-5-2 umstellen dürfte.

Gegen die "Phänomene" Iniesta und Xavi müsse sein Team vor allem darauf vorbereitet sein, "dass es ein Spiel wird, in dem wir viel Leidensfähigkeit an den Tag legen müssen, dass sie den Ball öfter haben werden als wir und sich aus jeder Falle, die wir ihnen stellen, herauswinden werden".

Mit derselben Courage wie in der zweiten Halbzeit gegen Brasilien habe Italien aber Chancen.

Montolivo fit, Pirlo hofft

Zumal es aus dem "Lazarett" auch positive Meldungen gab. Riccardo Montolivo, der beim 2:4 gegen Brasilien eine Gehirnerschütterung erlitten hatte, dürfte mitwirken können.

Auch bei Andrea Pirlo sehe es gut aus, teilte die medizinische Abteilung mit, wenngleich um den Regisseur "bis zur letzten Minute" gekämpft werden müsse.

Dass die Italiener überhaupt so viele Blessuren zu beklagen haben, führte Prandelli auch auf die zu hohe Belastung zurück. Drei Spiele binnen sechs Tagen wie in der Vorrunde fand er "absurd".

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel