Trotz Krampf: Keine Bauchschmerzen bei Bayern
Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen
Köln/München - Am Tag danach war die Welt schon wieder in Ordnung.
Thomas Müller frühstückte an der Säbener Straße eine Leberkässemmel und trank eine Apfelschorle dazu.
"Es war nicht schön. Aber wir haben gewonnen", sagte der Offensivakteur des FC Bayern am Dienstagmorgen zum 4:0 (2:0) bei Germania Windeck zu SPORT1 (DIASHOW: Die 1. Runde).
"Unser Selbstvertrauen hat nicht gelitten."
Die ganze Konzentration wird schon jetzt voll auf den Saisonstart gegen den VfL Wolfsburg am Freitag gerichtet.
Dass die Münchner ohne Glanz in die zweite Runde des DFB-Pokals einzogen, wird bis dahin vergessen sein.
Vier starke Minuten
Tatsächlich reichten dem Double-Sieger gegen den Fünftligisten vier starke Minuten. (DATENCENTER: Die 1. Runde)
Kritik werden sich die Bayern allenfalls nochmal in der obligatorischen Nachbesprechung anhören müssen.
Dabei war den Spielern schon nach dem Abpfiff klar, dass sie sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatten.
"Wir haben schlecht gespielt und Laufbereitschaft vermissen lassen", moserte Miroslav Klose.
"Schlechteste Spiel der gesamten Vorbereitung"
Sein Trainer Louis van Gaal gab ihm Recht und sprach vom "schlechtesten Spiel der gesamten Vorbereitung".
Müller stellt jedoch klar: "Bei uns stimmen die Mechanismen. Wir wissen das und werden dementsprechend in das Spiel gegen Wolfsburg gehen."
Die Motivation wird gegen den direkten Konkurrenten um die Meisterschaft sicher höher sein als gegen Windeck.
Da haben es die Münchner nicht geschafft, "scharf zu sein", wie van Gaal bemängelte.
Ribery schwach
Ein Paradebeispiel dafür war Franck Ribery, der auf seiner linken Seite nur das Nötigste tat und oft die Defensivarbeit vernachlässigte, so dass Diego Contento hinten Probleme bekam.
Und im zentralen Mittelfeld, dem Herzstück der Vorsaison, schien Kapitän Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger das "WM-Loch" erwischt zu haben. Ihnen mangelte es deutlich an Frische.
Dem sonst so wortgewandten Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer blieb nach der enttäuschenden ersten Halbzeit nur noch die Flucht in die Ironie.
Ironischer "Kaiser"
"Hochüberlegen" seien seine Bayern gewesen, spottete der Kaiser auf einer "sky"-Veranstaltung: "Die haben sie ja richtig an die Wand gespielt."
Genau das Gegenteil war jedoch der Fall gewesen. Die Teilzeit-Fußballer um einen Flughafen-Angestellten und einen Trikotverkäufer waren lange Zeit gleichwertig und hatten sogar die Führung auf dem Fuß.
Und so kamen im Lager der Bayern die zuletzt verstummten Klagen nach der schweren Vorbereitung wieder hoch.
Dass es holprig gewesen sei, sei "normal zu diesem Zeitpunkt der Saison", meinte Beckenbauer, diesmal ernsthaft.
Und obwohl er einerseits die Wiederholung des Doubles und sogar den Gewinn der Champions League für möglich hält, warnte er auch:
Doch ein Holperstart?
"Hochmut kommt vor dem Fall, das Jahr wird kein Selbstläufer", erklärte er: "Für van Gaal war die Vorbereitung schwierig. Da wird es am Anfang der Saison ein bisserl holpern und stolpern."
Die Leistung sei das Ergebnis des "ganzheitlichen Prinzips" philosophierte dagegen der Trainer und erklärte, gleichsam kritisch wie aufmunternd, dass "ein großer Teil der Leistung durch das Denken beeinflusst" werde.
Nerlinger warnt
Sportdirektor Christian Nerlinger beklagte derweil, ganz im Stile seines Vorgängers Uli Hoeneß, das Anspruchsdenken der Öffentlichkeit.
"Wir müssen aufpassen, dass die Erwartungen nach der letzten Saison nicht durch die Decke schießen", meinte er zu kritischen Nachfragen zur Leistung bei den Amateuren:
"Mittlerweile erwartet jeder ein Fußball-Feuerwerk vom FC Bayern. Aber wir müssen in erster Linie schauen, dass wir Ergebnisse einfahren."
Dies gelang dank der beiden Doppelschläge von Miroslav Klose und Ribery (44./45.) sowie Toni Kroos und Mario Gomez (84./85.), so dass der Rekordsieger am Ende problemlos zum 16. Mal in Folge die erste Pokalrunde überstand.
Zum Forum - hier mitdiskutieren!
Zurück zur Startseite


