"Wie gemalt": Reus lässt Gladbach träumen
Von Björn Seitner
München/Mönchengladbach - Marco Reus war völlig gelassen und wollte gar nicht nachtreten.
Auf die Frage, ob ihm Jermaine Jones in der 6. Minuten mit voller Absicht auf den gebrochenen Zeh stieg, sagte der 22-jährige Gladbacher in der "ARD": "So was gehört sich nicht. Ich weiß nicht, warum er das macht, aber mir soll es jetzt auch egal sein."
Reus wollte lieber zu seinen Teamkollegen in die Kurve - den 3:1-Sieg im Pokal über Titelverteidiger Schalke 04 ( Bericht) und die erfolgreichste Hinrunde seit 35 Jahren feiern.
"Die Pause brauchen wir jetzt wirklich. Wir haben sie uns auch verdient", schob der Tempodribbler mit Blick auf die freie Weihnachtszeit noch hinterher und verschwand in der hüpfenden Menge (DIASHOW: Das Achtelfinale).
"Fohlen" krönen "aufregendes Jahr"
Reus war trotz Zehenbruch und lädiertem Knie wieder einmal der Matchwinner.
Das 1:0 von Juan Arango (18. Minute) legte er von der rechten Seite auf, beim 2:0 verlud er Schalke-Keeper Lars Unnerstall (56.) und beim entscheidenden 3:0 kurz vor Schluss ließ sich der Gladbach-Star sogar noch zu einem Trick vor der Torlinie hinreißen - weil Unnerstall zuvor 20 Meter vor dem Kasten am Ball vorbeirutschte und Reus locker einschieben konnte.
Die "Fohlen" krönten "ein sehr aufregendes Jahr", wie Sportdirektor Max Eberl den unglaublichen Aufstieg vom Fast-Absteiger zum Europapokal-Kandidaten beschrieb: (DATENCENTER: Der DFB-Pokal)
"Einen schöneres Jahresende kann man nicht haben. Der Abschluss ist wie gemalt."
Zusammenhalt beeindruckt Stranzl
"In den vergangenen Wochen und Monaten sind wir immer näher zusammengerückt", analysierte Verteidiger Martin Stranzl: "Der starke Zusammenhalt beeindruckt mich sehr."
Trotz der tollen Serie sei das Team aber "noch nicht da, wo wir hin wollen", ergänzte der Österreicher.
Auch Torhüter Marc-Andre ter Stegen, der mit einem Abpraller Julian Draxlers Anschlusstreffer (70. Minute) begünstigte, richtete den Blick schon aufs kommende Jahr: "Wenn wir auch weiterhin so konzentriert spielen, können wir im Pokal natürlich noch weit kommen."
Ob sich Geschichte auch zum dritten Mal wiederholt? Zweimal gewann Gladbach bislang ein Pokalspiel gegen Schalke, sowohl 1973 als auch 1995 folgte der Titel.
Schalke schwächt sich selbst
In diesem Jahr waren es allerdings die Schalker selbst, die sich mit zwei Platzverweisen um größere Chancen brachten.
Torjäger Klaas-Jan Huntelaar erwies seiner Mannschaft einen Bärendienst, als er in der 47. Minute dem Schiedsrichter-Assistenten, der seine Hereingabe im Toraus sah, den Vogel zeigte.
Nach der gelben Karte von Referee Wolfgang Stark applaudierte der Niederländer hämisch und flog mit Gelb-Rot vom Platz.
Sperre für Jones?
Auch Jones, der kurz nach seiner Aktion gegen Reus für ein Foul an Patrick Herrmann verwarnt wurde, konnte sich kurz vor Abpfiff nicht zusammenreißen und sah seine zweite Gelbe Karte nachdem er mit Igor de Camargo aneinandergeriet.
Der Tritt gegen Reus hat nun sogar ein Nachspiel: Der DFB-Kontrollausschuss hat gegen Jones ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.
"Der Spieler steht unter Verdacht, sich einer Tätlichkeit gegen den Gegner in der Form des krass sportwidrigen Verhaltens schuldig gemacht zu haben", hieß es in einer Stellungnahme des DFB. Das Gremium habe Jones zu einer Stellungnahme aufgefordert.
Dem 30-Jährigen droht unter anderem eine Sperre im DFB-Pokal.
Auch aus den eigenen Reihen kam Kritik. "So etwas hat auf dem Platz absolut nichts zu suchen", ärgerte sich Schalke-Manager Horst Heldt: "Doch ich will in der Emotion nichts sagen. Wir warten ab, was da nun noch kommt."
"Machen uns das Leben schwer"
Verteidiger Benedikt Höwedes konnte vor allem Huntelaar nicht verstehen. "Wir machen uns das Leben damit auch selber schwer. Das hat der Mannschaft nicht geholfen", beschwerte sich der Schalke-Kapitän.
Dabei zeigte Schalke mit zehn Mann sogar die bessere Leistung als mit elf Spielern in Halbzeit eins.
"Wir haben leider grundlos eine erste Halbzeit abgeliefert, die ich lieber nicht gesehen hätte", sagte Co-Trainer Seppo Eichkorn, der erneut Huub Stevens vertrat. Der Niederländer war wegen der schweren Erkrankung seiner Mutter nicht an den Niederrhein gereist.
Überraschung für Favre
Als Schalke nach dem Anschlusstreffer "drauf und dran war, das Spiel zu drehen" (Draxler) beendete Unerstalls Fehler die Partie.
"Ich wollte den Ball nicht einfach auf die Tribüne dreschen, sondern annehmen und im Spiel halten", erklärte der 21-Jährige.
Während sich die "Knappen" mit hängenden Köpfen auf den Heimweg machten, hatte der Abend für Borussen-Coach Lucien Favre noch ein besonderes Ende.
Am 7. Februar muss Favre mit seinem Team im Viertelfinale gegen Ex-Klub Hertha BSC Berlin ran.
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