"Alle wollen die Sensation sehen"
Von Olaf Mehlhose
München - Wenn Holstein Kiel den Deutschen Meister aus Dortmund zum Viertelfinale im DFB-Pokal (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) empfängt, dürfte sich die Aufregung zumindest bei einem Spieler der "Störche" in Grenzen halten.
Kiels Jakob Sachs kennt die Außernseiterrolle nur allzu gut.
Der 26-Jährige sorgte mit dem Siegtreffer in der Verlängerung gegen Mainz bereits 2009 für eine Sensation. Damals noch im Trikot des VfB Lübeck (DATENCENTER: Der DFB-Pokal).
Nun geht der Angreifer mit seinem Team erneut als Underdog gegen einen schweren Brocken ins Rennen (DIASHOW: Die größten Pokalsensationen).
Drei Runden ohne Gegentor
Im SPORT1-Interview spricht Sachs über die Außenseiterchancen der "Störche" im Duell mit der Borussia.
Immerhin sorgte der Viertligist bereits in den ersten drei Runden für faustdicke Überraschungen und avancierte zum Pokal-Schreck der Profi-Klubs.
So wurden die Zweitligisten Energie Cottbus und MSV Duisburg sowie zuletzt Bundesligist FSV Mainz 05 aus dem Wettberwerb gekegelt - allesamt ohne ein einziges Gegentor zu kassieren.
Und obwohl es nun gegen die aktuell beste deutsche Vereinsmannschaft geht, hofft der Viertligist auf eine weitere Pokalsensation.
SPORT1: Herr Sachs, sie gehen als großer Außenseiter in das Viertelfinale. Gastgeschenke wird es für den BVB aber nicht geben?
Jakob Sachs: Nein, wir werden versuchen zu gewinnen und unser Spiel durchzubringen. Das ist uns in den letzten Pokal-Spielen immer ganz gut gelungen. Auch wenn es der amtierende Deutsche Meister ist: Wir haben Respekt, aber keine Angst. Wenn wir einen guten Tag haben und Dortmund einen sehr schlechten, können wir sie auch schlagen.
SPORT1: Sie haben den Respekt angesprochen. Keine Angst, dass die Ehrfurcht vor Dortmund zu groß ist?
Sachs: Das glaube ich nicht. Wir sind alle ganz heiß auf das Spiel, man hat ja nicht jeden Tag die Chance, gegen so eine Spitzenmannschaft zu spielen. Jeder glaubt zwar, dass wir verlieren, aber für uns ist das ein großes Highlight, auch für unsere Zuschauer. Immerhin guckt ganz Deutschland auf uns, und alle wollen die Sensation sehen.
SPORT1: Haben Sie den BVB schon analysiert beziehungsweise Schwächen ausgemacht?
Sachs: Wir sind auf jeden Fall gut gerüstet. Die Stärken sind ja nicht zu übersehen, aber Schwächen haben wir nicht gefunden. Mit Götze und Bender fehlen natürlich zwei wichtige Spieler, aber es wird schwer schon genug, die anderen zu kontrollieren.
SPORT1: Auf welchen Spieler freuen Sie sich besonders?
Sachs: Auf Shinji Kagawa. Das ist ein Spieler, den ich sehr schätze, weil er sehr ruhig ist und nur wenige Fouls begeht. Als Typ mag ich ihn sehr, die Mentalität gefällt mir. Auf Götze hätte ich mich auch gefreut.
SPORT1: Zu Ihrer persönlichen Situation: Sie gehörten zuletzt nicht immer zum Stamm. Rechnen Sie mit einem Einsatz?
Sachs: Natürlich hoffe ich, dass ich von Anfang an spiele. Aber das ist noch nicht entschieden, der Trainer will vorher noch ein paar Sachen ausprobieren. Es kann auch sein, dass Sofien Chahed auf rechts spielt. Ich lasse mich überraschen. Fit bin ich auf jeden Fall.
SPORT1: Für ihre Nominierung spricht, dass Sie 2009 für Lübeck in der Verlängerung den Siegtreffer gegen Bundesligist Mainz erzielt haben. Sind Sie ein Experte dafür, Bundesligisten rauszuwerfen?
Sachs: Nicht für Bundesliga-Klubs, aber ich bin ein Experte für entscheidende Situationen. Da habe ich oft das Glück, an der richtigen Stelle zu stehen und dann auch zu treffen. Das ist mir schon in vielen wichtigen Spielen gelungen. Wenn ich auch diesmal einen Beitrag dazu leisten könnte, dass wir eine Runde weiter kommen, wäre das natürlich traumhaft.


