"Für uns wie das Champions-League-Finale"
Von Ronald Maior
München - Er kennt Lucien Favre und seine Arbeit.
Herthas Fabian Lustenberger erlebte unter dem heutigen Trainer von Borussia Mönchengladbach die überragende Saison 2008/2009, die die Berliner sensationell auf Platz vier beendeten.
Doch der Schweizer erlebte ebenfalls den Abstieg in der folgenden Saison und die Entlassung Favres hautnah mit.
Nun trifft der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler mit der "Alten Dame" im Pokal-Viertelfinale auf die Borussia (Mi., ab 18.45 im LIVE-TICKER) und den Trainer, unter dem er sein Bundesliga-Debüt feierte.
Für Hertha könnte der Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals zum großen Befreiungsschlag werden, das große Finale im eigenen Stadion wäre plötzlich greifbar.
Doch der Druck auf dem in der Rückrunde weiterhin punktlosen Team ist enorm.
Im SPORT1-Interview spricht Lustenberger über die Berliner Krise, die Hoffnung auf neues Selbstvertrauen und Favres Spezialität.
SPORT1: Herr Lustenberger, Hertha BSC ist nach der Winterpause noch immer jeden Zähler. Was stimmt Sie optimistisch, dass die Wende gerade im DFB-Pokal gegen Mönchengladbach gelingt?
Fabian Lustenberger: Wir haben in der zweiten Halbzeit gegen Hamburg und das gesamte Spiel gegen Hannover gezeigt, dass wir konkurrenzfähig sind. Die Spielweise macht mir keine Sorgen und deshalb bin ich positiv gestimmt, dass die Resultate besser werden und die Punkte kommen. Uns fehlen momentan einfach die letzten paar Prozentpunkte im Abschluss.
SPORT1: Sie haben die letzte Abstiegssaison der Hertha miterlebt. Sehen sie Parallelen zur Spielzeit 2009/2010?
Lustenberger: Nein, die Situation ist heute eine ganz andere. Damals waren wir schon mit einigen Punkten Rückstand Tabellenschlusslicht. Jetzt haben wir bereits 20 Punkte und stehen auf Platz 15. Heute stehen wir nicht mit dem Rücken zur Wand, müssen nicht auf die Kontrahenten schauen, sondern haben alles in der Hand.
SPORT1: Nehmen Sie eine negative Stimmung in der Stadt wahr?
Lustenberger: In Berlin ist die Stimmung generell schneller angespannt. Vor allem wenn es nicht läuft, werden oft Geschichten gesucht und ausgeschlachtet. Wir wissen allerdings, wie schnell es auch wieder anders sein kann. Das liegt in unserer Hand.
SPORT1: Welchen Eindruck haben sie von Ihrem neuen Trainer Michael Skibbe und worin unterscheidet sich seine Arbeit von der seines Vorgängers Markus Babbel?
Lustenberger: Michael Skibbe ist natürlich ein ganz anderer Trainertyp, mit einer eigenen Philosophie und mit eigenen Trainingsinhalten. Sowohl Herr Babbel als auch Herr Skibbe sind sehr gute Trainer. Nur wird jeder Trainer an Resultaten gemessen und wir müssen seine Arbeit in den nächsten Wochen wieder besser umsetzen.
SPORT1: Gladbach ist derzeit die Überraschungsmannschaft der Liga. Wie kann man die Borussia stoppen?
Lustenberger: Sie sind super in Form. Aber der Pokal hat bekanntlich seine eigenen Gesetze und es gibt oft Außenseiter-Siege. Ich denke nicht, dass wir Favorit sind.
SPORT1: Könnte ein Sieg einen positiven Impuls für die Bundesliga liefern?
Lustenberger: Wir können ein Ausrufezeichen für die Liga setzen um zu zeigen: "Wir sind noch da". Dennoch wissen wir, dass es schwierig wird.
SPORT1: Lucien Favre trainierte Sie auch einst in Berlin. Erkennen Sie die Handschrift ihres Ex-Trainers bei der Borussia?
Lustenberger: Ich glaube schon, dass man Ähnlichkeiten erkennen kann. Wir haben unter Favre auch viele Spiele eng gewonnen. Auch Gladbach zeichnet diese Saison eine herausragende Defensive aus. Das ist Favres Spezialität.
SPORT1: Zuletzt mehrten sich Gerüchte, dass er sie vielleicht sogar nach Mönchengladbach holen möchte.
Lustenberger: Diese Gerüchte sind normal, aber das beschäftigt mich wirklich nicht. Ich habe in Berlin einen Vertrag bis 2014 und fühle mich hier wohl. Außerdem gab es keinen Kontakt zu Herrn Favre.
SPORT1: Das DFB-Pokal-Finale findet in Berlin statt. Welche Bedeutung hätte es für Sie, im eigenen Stadion ein Finale zu bestreiten?
Lustenberger: Es ist eine Riesensache. Was für Bayern das Champions-League-Finale ist, ist für uns das Pokal-Finale im eigenen Stadion. Es wäre für uns natürlich extrem wichtig, im eigenen Stadion ein Finale zu spielen. Einen Titel zu gewinnen und dann noch im eigenen Stadion, das motiviert jeden zusätzlich.
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