"Ibisevic macht bald sein erstes Tor"
Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz
Stuttgart - Trotz zweistelliger Minusgrade ist Fredi Bobic heiß. Heiß auf das Duell mit dem FC Bayern im DFB-Pokal-Viertelfinale (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).
Dass der Sportchef des VfB Stuttgart gegen den Rekordmeister in der heimischen Mercedes-Benz-Arena zuletzt mehrfach hohe Niederlagen erlebte, lässt den 40-Jährigen recht kühl.
Weil die Gäste aktuell kriseln, fühlt sich Bobic mit den Schwaben vielmehr zum Pokal-Coup berufen: "Mit der richtigen Leidenschaft sind auch die Bayern zu knacken. Sie laufen ihren Ansprüchen hinterher." (DATENCENTER: Der DFB-Pokal)
Im SPORT1-Interview spricht Fredi Bobic auch über seine Hoffnung auf Neustürmer Vedad Ibisevic, das Resultat einer teaminternen Krisensitzung - und die Situation von Liga-Rot-Sünder Cristian Molinaro. (DIASHOW: Die größten Pokalsensationen)
SPORT1: Herr Bobic, sind Sie erleichtert, dass der VfB vor dem Pokal-Knaller gegen die Bayern in der Liga nicht wieder Schiffbruch erlitten hat und sich in Leverkusen mit dem späten Ausgleich in Unterzahl zumindest ein bisschen als moralischer Sieger fühlen darf?
Fredi Bobic: Das war schon wichtig für den Kopf. Wir sind gegen einen starken Gegner gut aufgetreten, hätten sogar noch mehr mitnehmen können als einen Punkt. Es war insgesamt eine gute Basis für die nächsten Spiele.
SPORT1: Hängt dieser Neubeginn womöglich auch damit zusammen, dass sich die Mannschaft vorher intern ohne Trainer und andere Klub-Verantwortliche zusammengesetzt und all die Dinge auf den Tisch gebracht hat, die im Argen liegen?
Bobic: Die Jungs waren ja auch auf sich selbst sauer, dass sie die ersten beiden Spiele der Rückrunde unnötig verpasst und verloren haben. Nun aber hat da ein Prozess in der Mannschaft stattgefunden.
SPORT1: Ein Prozess inwiefern?
Bobic: Es ist gut, dass die Spieler die Dinge mal selbst in die Hand genommen haben - das fördern wir auch als Klub-Verantwortliche. Die sportliche Leitung kann zwar viele Impulse geben und Gespräche führen: Ohne Eigenverantwortung geht es auf Dauer aber nicht. Kapitän Serdar Tasci und Christian Gentner als Führungsspieler haben das nun initiiert. Die Jungs haben gemerkt, dass sie etwas ändern müssen. Es ist schön in so einer Umbruchsituation zu sehen, dass sich der ein oder andere Spieler stärker positioniert und Verantwortung übernimmt.
SPORT1: Verantwortung wird auf dem Platz nun gegen die Bayern mehr denn je vonnöten sein…
Bobic: Gegen die Bayern gehen wir natürlich als Außenseiter in die Partie. Aber wir spielen daheim und vor einem fast vollen Haus. Und bei einem Pokalspiel geht es immer nur ums einmalige Weiterkommen - dementsprechend motiviert werden wir auftreten. Wir sind auch nicht mehr allzu weit vom Pokal-Finale entfernt, diese Gelegenheit wollen wir nutzen. Die Außenseiter-Position ist dabei nicht so schlecht: Mit der richtigen Leidenschaft sind in einem Spiel auch die Bayern zu knacken.
SPORT1: Bedeutet es für VfB aber nicht ebenso einen enormen Druck, weil es womöglich nur noch im Pokal die Chance gibt, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren?
Bobic: Nein. Gegen die Bayern hast du nichts zu verlieren - da kannst du nur gewinnen. Und wir denken aktuell bestimmt auch nicht über die europäischen Plätze nach. Natürlich: Das Spiel gegen die Bayern ist jetzt wie ein Finale - so gehen wir es an. Aber das Spiel drei Tage später in der Bundesliga gegen Hertha ist mindestens genauso wichtig.
SPORT1: Ist es von Vorteil, dass es bei den Bayern nicht läuft? Kämen sie mit einer Siegesserie im Rücken, würden sie den VfB vielleicht eher unterschätzen…
Bobic: Unterschätzen werden sie uns sicherlich nicht, weil dieser Süd-Schlager immer Brisanz hat. Dass die Bayern ihren Ansprüchen momentan etwas hinterherlaufen, sehe ich sogar eher positiv für uns.
SPORT1: Worauf wird es ankommen gegen die Bayern?
Bobic: Entscheidend ist, dass wir ihre starken Individualisten nicht zur Entfaltung kommen lassen und auch Druck auf ihre Defensive ausüben. Unser Hauptaugenmerk gilt dabei auch Franck Ribery und Arjen Robben - und natürlich Mario Gomez, der in Stuttgart normalerweise immer gut drauf ist (5 Tore in den drei jüngsten Bayern-Spielen beim VfB, Anm. d. Red.).
SPORT1: Welche Erwartungen haben Sie wiederum an Ihren neuen Stürmer Vedad Ibisevic? Mit Hoffenheim hat er gegen die Bayern in den vergangenen Jahren immer gut ausgesehen und auch mehrfach getroffen…
Bobic: Für mich hat er schon gegen Leverkusen viele gute Dinge gezeigt und damit angedeutet, warum der VfB ihn geholt hat. Er hat eine große Präsenz im Sturmzentrum - ich bin mir sicher, dass er das auch gegen die Bayern unter Beweis stellen wird und dann bald sein erstes Tor für uns macht. Ich hätte nichts dagegen, wenn er dann auch gegen die Bayern trifft.
SPORT1: Gegen Leverkusen hat Cristian Molinaro die Rote Karte gesehen, weil er das Bein zu hoch nahm und Andre Schürrle am Kopf traf. Muss er gegen die Bayern anders zu Werke gehen?
Bobic: Nein, er soll so spielen wie immer. Diese Rote Karte war überzogen, da werfen wir ihm nichts vor. Er soll gegen die Bayern natürlich konzentriert rangehen und keine unnötigen Fouls begehen, weil die Schiedsrichter bei ihm nun vielleicht etwas genauer hinschauen. Aber Cristian ist an sich ein sehr fairer Spieler und weiß, wie er sich verhalten muss.


