"Eishockey auf Rasen": Klopp greift DFB an
Von Mathias Frohnapfel
München - Niemand kann sagen, dass sich Holstein Kiel nicht alle Mühe gegeben hätte, damit das DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Dortmund steigen konnte.
Für 150.000 Euro hatten die Verantwortlichen des Regionalligisten sogar ein Klimazelt aufstellen lassen.
Der neue verlegte Rasen sollte trotz arktischer Temperaturen unbedingt spieltauglich sein gegen den Deutschen Meister.
Nach dem 4:0-Erfolg von Borussia Dortmund ( Spielbericht) meckerten die Sieger dennoch.
"Dann muss man woanders spielen"
"Wenn es im Februar keine Rasenheizung gibt, dann muss man halt woanders spielen", maulte Jürgen Klopp.
Dabei hatten seine Mannen in kühler Manier die delikate Aufgabe gelöst, lagen bereits nach 20 Minuten dank der Tore von Robert Lewandoski und Shinji Kagawa 2:0 vorn. (DIASHOW: Pokal-Viertelfinale)
Der Rest war - knüppelharter Rasen hin oder her - für den kombinationssicheren Favoriten Formsache, kurz vor Schluss trafen noch Lucas Barrios und Ivan Perisic für den BVB.
Jürgen Klopp hatte das Geschehen in der ihm eigenen Wintermontur verfolgt: mit dichtem Vollbart und BVB-Mütze. Verärgert grummelte er anschließend über "Eishockey auf Rasen".
Und er erklärte: "Alle, die denken ich rede einen Scheißdreck sollen sich hier mal bewegen, hochspringen, wieder runterfallen."
Klopp sieht Verband gefordert
Zugleich forderte Klopp vom DFB "beim nächsten Mal" auf einen anderen Platz auszuweichen.
Doch der Dortmunder Coach kennt auch die Zwänge des Terminkalenders und quotenträchtiger Fernseh-Anstoßzeiten, was er indirekt dem Verband als Pokalausrichter zum Vorwurf macht. (DATENCENTER: Der DFB-Pokal)
"Du darfst solch ein Live-Spiel einen Tag vor Anpfiff nicht mehr absagen", stellte er fest. Und weiter: "Es war nicht mehr abzusagen, weil das Fernsehen solch einen Druck ausgeübt hat."
Auch Hans-Joachim Watzke hatte um den Luxuskader der Borussia gebangt und war heilfroh, dass sich kein Spieler verletzte.
Klose als warnendes Beispiel
Womöglich hatte der BVB-Geschäftsführer in Erinnerung, dass sich Miroslav Klose einst in Bremen unter ähnlichen Bedingungen im Januar 2006 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den damaligen Regionalligisten St. Pauli eine schwere Schulterverletzung zugezogen hatte.
"Ich plädiere dafür, dass künftig ab dem Viertelfinale nur noch auf Plätzen mit Rasenheizung gespielt wird", forderte daher BVB-Boss Watzke.
Bei allem Ärger über den Rasen im Holstein-Stadion hatten die Dortmunder realisiert, dass in dieser Saison der größte Triumph seit dem Champions-League-Sieg 1997 möglich ist.
Als Tabellenführer in der Bundesliga und DFB-Pokalhalbfinalist wird das Double zu einem verheißungsvollen Szenario.
"Wir versuchen nach Berlin zu kommen, ganz klar", meinte Sebastian Kehl.
Neuer Vertrag für Kehl?
Der BVB-Kapitän zeigte erneut ein starkes Spiel, laut "Bild" soll schon in den nächsten Tagen der Lohn dafür folgen: ein neuer Vertrag bis 2013, inklusive Option für ein Jahr.
Kehl hatte zugleich ein dickes Kompliment an den Außenseiter: "Die Kieler haben alles versucht, ein riesen Kompliment - aber am Ende haben wir uns klar durchgesetzt."
Mit riesiger Euphorie waren die Kieler "Störche" in die Partie gegangen, im Vorfeld waren auf dem Schwarzmarkt gar 1000 Euro aufwärts für Karten geboten worden.
Kiel trauert Großchance nach
Doch die Holstein-Anhänger unter den 11.522 Zuschauern mussten schon bald ihre Hoffnungen aufgeben, zu souverän und kaltblütig trat der BVB auf.
Lediglich Marc Heider hätte für Aufregung sorgen können, doch freistehend vergab er in der achten Minute vor Dortmunds Ersatztorhüter Mitchell Langerak.
"Es war eine Riesenchance, die hätte ich machen müssen", jammerte der Kieler im Anschluss.
Die Dortmunder Überlegenheit gestand aber auch Heider ein genauso wie Kiels Trainer Torsten Gutzeit, der passenderweise von "eiskalten" Dortmundern sprach.
Sein Trainerkollege aus dem Westen räsonierte derweil immer noch über die Kieler Grünfläche.
"In der Mitte des Platzes hat man Noppen gebracht, außen hingegen Bürsten. Das ist eigentlich nicht zu verantworten", schimpfte Klopp. Dann stapfte er in den warmen Mannschaftsbus.
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