"Wolfsburg war meine bitterste Zeit"
Von Reinhard Franke
München - So schnell kann es gehen.
Als Srdjan Lakic im Frühjahr 2011 einen gutdotierten Vierjahresvertrag beim VfL Wolfsburg unterschrieb, dachte er, dass er sich einen Traum erfüllt habe.
Doch sein Engagement bei den "Wölfen" wurde für den Kroaten zum Albtraum. Er hatte sich verzockt.
Bei seinem Ex-Klub 1. FC Kaiserslautern schoss er sich in die Herzen der Fans, seine 16 Tore hielten die Pfälzer 2011 in der Liga.
Doch in Wolfbsurg fand er kein Glück. Denn VfL-Trainer Felix Magath fand keine rechte Verwendung für den 28-Jährigen. Keine leichte Zeit für Lakic. "Ich war unglücklich, enttäuscht und frustriert", sagt er.
Im Januar flüchtete er aus der Autostadt und fand bei 1899 Hoffenheim einen Klub. Ins Kraichgau ist er bis Sommer ausgeliehen, soll 1899 aus der Krise schießen (DATENCENTER: DFB-Pokal).
Vor dem Pokalspiel der Hoffenheimer gegen Fürth (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Lakic im Interview mit SPORT1 über sein letztes halbes Jahr in Wolfsburg, Felix Magath und den Neuanfang (DIASHOW: Das Viertelfinale).
SPORT1: Herr Lakic, 1899 Hoffenheim steckt in der wohl größten Krise, seit der Verein 2008 in die Bundesliga aufstieg. Wie schwer ist es da für Sie, sich als neuer Spieler zu integrieren?
Srdjan Lakic: Alles ist schwer. Wenn es nicht schwer wäre, dürfte ich nicht Erste Liga spielen. Es gibt keinen leichten Weg, wenn man erfolgreich sein will. Diese Atmosphäre, die hier öffentlich herrscht, hat mich ein bisschen überrascht. So schlecht sehe ich das nicht. Wir müssen uns konzentrieren und unsere Form finden. Diese Drucksituation ist etwas übertrieben.
SPORT1: Ist der Pokal in der jetzigen Phase eine willkommene Ablenkung?
Lakic: Wir haben eine große Möglichkeit, um ins Halbfinale zu kommen. Was man mit einem Sieg schafft, ist jedem klar. Dann kommt ein neues Selbstbewusstsein zurück und die Mannschaft ist dann wieder in einem anderen Zustand. Ich wünsche mir einen Tsunami von uns. Wir müssen gewinnen, werden alles dafür tun und ich hoffe auf das Beste.
SPORT1: Es ist in Hoffenheim ein Neuanfang für Sie, nachdem Sie ein halbes Jahr in Wolfsburg unter Trainer Felix Magath nicht zum Zug kamen. Hoffenheims Boss Dietmar Hopp hat um Sie gekämpft. Wie glücklich sind Sie jetzt?
Lakic: Ich bin sehr froh, dass ich in Hoffenheim bin, da gibt es gar keine Diskussion. Es ist schwer mit Worten zu beschreiben, wie ich mich fühle, wieder wichtig zu sein und gebraucht zu werden. Ich bin überzeugt, dass ich der neuen Herausforderung gewachsen bin und bin sicher, dass mein Weg wieder erfolgreich sein wird. Das ist die richtige Mannschaft und der richtige Trainer für diesen Weg.
SPORT1: Wie schwer war das letzte halbe Jahr für Sie?
Lakic: Ich hatte auch in Lautern schwere Phasen, wo jeder gezweifelt hat, doch dann habe ich eine Saison gespielt, die alle überrascht hat. Bis vor kurzem habe ich immer gedacht, dass es Glück und Unglück nicht gibt. In Wolfsburg habe ich gemerkt, dass du wenig dagegen tun kannst, wenn Dinge gegen dich laufen. Du kannst dich nur wehren und Gas geben, das habe ich getan. Aber ich bin froh wieder etwas bewegen zu können. Ich will meiner Mannschaft wieder helfen. Das ist jetzt meine Mission.
SPORT1: Was hatte Felix Magath gegen Sie? Es gab Kollegen wie Albert Streit oder Sotirios Kyrgiakos, denen ging es unter ihm ähnlich wie Ihnen.
Lakic: Es wäre zu einfach zu sagen, dass alles an Magath liegt. Ich habe Vertrauen vermisst. Vieles hat nicht gepasst und ist schwer zu erklären. Fakt ist, dass ich in Wolfsburg nie meine Bestform gefunden habe und immer mit Problemen zu kämpfen hatte. Die Vorbereitung im Sommer lief gut für mich und ab dem ersten Spieltag war ich auf der Bank.
SPORT1: Haben Sie selber Fehler gemacht?
Lakic: Es war eine gute Entscheidung im Sommer. Ich war einer der besten Stürmer in Deutschland und nachdem Dzeko (Wolfsburgs Ex-Stürmer Edin Dzeko, Anm. d. Red.) nach England ging, sah ich das als eine sehr gute Möglichkeit für mich. Leider hat sich nach meiner Unterschrift alles ins Negative gedreht.
SPORT1: War das Ihre schlimmste Zeit als Profi?
Lakic: Ich hatte immer Höhen und Tiefen, aber es war schon meine bitterste Zeit in Wolfsburg, obwohl ich wenig falsch gemacht habe. Es war das erste Mal in meinem Leben, wo ich mich gewehrt habe, aber fast alles, was ich machte, ging schief. Ich war unglücklich, enttäuscht und frustriert. Das hat meinem Image sehr geschadet. Jetzt will ich es allen zeigen.
SPORT1: War es ein Fehler Kaiserslautern zu verlassen? Dort waren Sie Kapitän und die Fans haben Sie geliebt - nicht nur wegen Ihrem witzigen Popeye-Torjubel mit Ihrem Oberarm.
Lakic: Den werde ich wieder zeigen. (lacht) Ich hatte beim FCK alles, was sich ein Spieler wünschen kann. Das ist ein toller Verein mit überragenden Fans. Ich hatte da einen super Status. Aber ich will immer das Maximale erreichen und wollte mich weiter entwickeln. Diese Möglichkeit habe ich bei Lautern kurzfristig nicht gesehen. Ich bin 28 und da wollte ich die Möglichkeiten in einem größeren Verein nutzen, der größere Ambitionen hat als Lautern.
SPORT1: Aber es hat schon auch das große Geld gelockt, oder?
Lakic: Klar, da bin ich ehrlich. Ich konnte meine finanziellen Verhältnisse verbessern, aber ich hätte auch in Lautern einen super Vertrag unterschreiben können. Geld hat mich nie gelenkt. Ich hatte bessere Angebote aus dem Ausland, die ich nicht angenommen habe, weil ich in Wolfsburg eine bessere Chance sah für den nächsten Schritt. Aber ich akzeptiere, dass das nicht so geklappt hat. Aber das ist abgehakt.


