Bayern angeknackst, Robben schon wieder Buhmann
Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz
Stuttgart - Man hätte auch meinen können, Jerome Boateng spreche über das eigene Team statt über den VfB Stuttgart.
"Es ist immer gefährlich, wenn eine Mannschaft gerade nicht so gut spielt und nicht so viele Punkte sammelt. Dann wird sie meistens unterschätzt", sagt der Abwehrmann des FC Bayern bei SPORT1 vor dem Viertelfinal-Duell mit den Schwaben im DFB-Pokal (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER).
Statt auf den eigenen mäßigen Rückrundenstart zielt Boateng dabei jedoch ab auf den der Stuttgarter, die nur einen Punkt aus drei Partien holten.
Dass die Bayern noch viel mehr den eigenen Ansprüchen hinterherhinken und im Pokal deshalb zum Erfolg verdammt sind, blendet Boateng dabei aus. (DATENCENTER: DFB-Pokal Viertelfinale)
Neuer: "Uns fehlt Selbstvertrauen"
"Wir fahren selbstbewusst nach Stuttgart und wollen dort gewinnen und eine Runde weiterkommen", so der Nationalspieler. Wenngleich er hinterherschiebt: "Es wird ein schweres Spiel. Stuttgart hat eine gute Mannschaft."
Wie sehr die Bayern nach dem Verlust der Tabellenspitze in der Bundesliga unter Druck stehen, bekennt Manuel Neuer.
"Wir sind am Zug und müssen so schnell wie möglich in die Erfolgsspur zurück und eine Runde weiterkommen. Wir dürfen uns keine Fehler erlauben", versucht der Keeper sein Team wachzurütteln - und gibt zu: "Uns fehlt derzeit das Selbstvertrauen." (DIASHOW: Das Achtelfinale).
Noch mehr Druck, weil BVB vorlegt
Dass Erzrivale Borussia Dortmund seine Pokal-Aufgabe souverän gelöst hat (4:0 bei Holstein Kiel) und bereits in der Runde der letzten Vier steht, dürfte die Anspannung nicht kleiner gemacht haben.
Dazu kommt, dass dem Rekordmeister schon vor ihrer Ankunft im Ländle ein eisiger Wind entgegen weht. Vor allem wegen Arjen Robben.
VfB-Fans gegen Robben
Die VfB-Fans sind noch immer sauer auf den Niederländer, weil der ihrer Meinung nach bei der 1:2-Liga-Pleite am 11. Dezember einen Platzverweis für Cristian Molinaro provoziert hat.
Zur Erinnerung: Stuttgarts Verteidiger hatte bereits nach 29 Minuten Gelb-Rot gesehen, nachdem er gegen Robben zweimal mit einem - tatsächlich wenig strittigen Foul - zu Werke gegangen war.
Fredi Bobic lässt süffisant durchblicken, dass er Robbens mitunter allzu fallsüchtiges Spiel nicht noch einmal sehen möchte: "Es ist verdammt kalt, und am Boden zu liegen ist nicht so gut. Deshalb muss man schnell aufstehen, damit man nicht festfriert."
Rot-Sünder Molinaro im Blickpunkt
Molinaro wiederum, pikanterweise auch am vergangenen Liga-Spieltag bei Bayer Leverkusen mit Rot des Feldes verwiesen und nun erneut Robbens Gegenspieler, empfiehlt Stuttgarts Sportdirektor im SPORT1-Interview:
"Er soll gegen die Bayern natürlich konzentriert rangehen und keine unnötigen Fouls begehen, weil die Schiedsrichter bei ihm nun vielleicht etwas genauer hinschauen." (EXKLUSIV: Bobic im Interview)
Molinaro selbst, in der Liga für drei Partie gesperrt, kündigt dagegen Härte an: "Wenn man nur ein bisschen Aggressivität raus nimmt, hat man gegen Robben keine Chance."
SPORT1 hat die weiteren Fakten zum Pokal-Süd-Schlager:
• Bilanz:
Sieben der vergangenen acht Duelle entschieden die Bayern für sich, in zehn Pokal-Partien behielt nur einmal der VfB die Oberhand.
Vor allem in der jüngeren Vergangenheit setzte es gerade im Pokal in der heimischen Arena heftige Pleiten (1:5 und 3:6).
Der letzte Stuttgarter Sieg gegen die Bayern datiert vom 27. März 2010 (2:1 in München) - und war in München.
• Das sagen die Trainer:
Bruno Labbadia (VfB Stuttgart), der sich zu seinem 46. Geburtstag einen Sieg wünscht: "Wir wollen natürlich eine Runde weiter kommen und ins Halbfinale."
Jupp Heynckes (FC Bayern): "Das wird sicherlich ein sehr intensives und rassiges Spiel werden."
• Spieler im Fokus:
Neben Robben (mit Molinaro) sowie Bayerns zweitem Offensivkünstler Franck Ribery, den Ex-Bayern-Profi Olaf Thon unlängst neben dem Niederländer als "Primadonna" und ein "Paradebeispiel für Lustlosigkeit und Spiel aus dem Stand" scharf kritisiert hatte; wie auch SPORT1-Experte Mario Basler ("Robben muss raus"), steht auch ein Duell der Torjäger im Fokus:
Bayerns Mario Gomez traf in den vergangenen drei Spielen gegen seinen Ex-Klub gleich sechs Mal.
VfB-Winter-Neuzugang Vedad Ibisevic blieb in seinen ersten beiden Spielen zwar noch erfolglos. Der Ex-Hoffenheimer traf gegen die Bayern in der Vergangenheit allerdings mehrfach.
• Personal:
Angesichts der jüngsten Rückschläge planen vor allem die Bayern keine großen Veränderungen: "Ich denke nicht, dass im Moment der Zeitpunkt für solche Überlegungen ist", schloss Heynckes eine Rotation aus.
Wieder zur Verfügung steht der zuletzt gesperrte Rechtsverteidiger Rafinha.
Offen ist, ob Toni Kroos mal wieder als Zehner ran darf - anstelle Thomas Müller, wie es sich auch Ribery wünscht. Denn: Seit dem Rückrundenstart gelangen den Münchnern in drei Partien nur magere vier Treffer.
Der VfB dürfte die gleiche Startformation aufbieten, die in Leverkusen noch einen Punkt rettete.
• Voraussichtliche Aufstellungen:
VfB Stuttgart: Ulreich - Boulahrouz, Tasci, Niedermeier, Molinaro - Harnik, Kvist, Gentner, Schieber (Okazaki) - Ibisevic, Cacau
FC Bayern: Neuer - Rafinha, Boateng, Badstuber, Lahm - Schweinsteiger, Kroos (Tymoshchuk) - Ribery, Müller (Kroos), Robben - Gomez
Schiedsrichter: Florian Meyer (Burgdorf)


