

FC Bayern bezahlt Pokal-Halbfinale teuer
Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz
Stuttgart - Balsam für die erfolgsverwöhnte und zuletzt hinter den Erwartungen zurückgebliebene Münchner Seele:
Ungeachtet des frühen Ausfalls von Bastian Schweinsteiger sowie ohne Reizfigur Arjen Robben in der Startelf hat der FC Bayern einen Schritt aus der Krise gemacht.
Der Rekordmeister gewann sein DFB-Pokal-Viertelfinal-Match beim VfB Stuttgart souverän mit 2:0 (1:0) und bezwang die Schwaben im neunten Duell des Wettbewerbs damit bereits zum achten Mal ( DATENCENTER: DFB-Pokal).
Franck Ribery (30.) stellte die Weichen vor der Pause auf Sieg. Mario Gomez erhöhte unmittelbar nach Wiederanpfiff (46.) für die Gäste, denen nach dem Verlust der Liga-Tabellenführung und einem dürftigen Rückrunden-Start nun mit dem Einzug in die Runde der letzten vier Pokal-Teams ein Befreiungsschlag gelang.
Labbadia fehlt der Mut
"Unabhängig von meinem Geburtstag hätte ich mir einen mutigeren Auftritt von uns gewünscht", sagte Bruno Labbadia: "Mit der Aufstellung haben wir eigentlich den Mut gezeigt, das sollte ein Signal sein. Aber wir sind gar nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir wollten agieren, haben aber nur reagiert. Das 0:1, wo wir in Überzahl waren, war bezeichnend."
FCB-Trainer Jupp Heynckes zeigte sich zufrieden: "Wir haben uns nach den letzten Spielen zusammengesetzt und haben sie analysiert. Da bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich etwas ändern muss und wir in der Konstellation spielen müssen wie wir in Hinrunde. Das hat heute gegriffen. Wir haben sehr souverän gespielt."
Robben muss auf die Bank
Bayern-Coach Jupp Heynckes hatte dabei mit einer Startelf überrascht, in der es keinen Platz für Robben gab.
Statt des zuletzt enttäuschenden Superstars agierte Thomas Müller vorne rechts, während Toni Kroos seit langer Zeit wieder mal als Zehner hinter der einzig echten Spitze Mario Gomez wirbeln durfte (DIASHOW: Das Viertelfinale).
Neben Schweinsteiger spielte Luiz Gustavo auf der Sechser-Position, rechts hinten wiederum verteidigte Rafinha anstelle von Anatolij Tymoshtchuk, der dort noch beim 1:1 in Hamburg gestanden hatte.
Heynckes: "Musste reagieren"
"Nach dem Start in die Rückrunde musste ich reagieren", hatte Heynckes in Anspielung auf die durchwachsenen Leistungen in den vergangenen drei Spielen über Robben gesagt.
Der Coach versuchte dabei, den Eindruck neuen Zündstoffs um den Exzentriker, der auf der Bank wenig amüsiert wirkte, zu zerstreuen: "Ich hätte vorne jeden wegnehmen können, die haben alle nicht so gut gespielt."
Und Bayern-Sportdirektor Christian Nerlinger ergänzte: "Manchmal muss man auch mal einen Hochkaräter opfern."
Bänderriss bei Schweinsteiger
Viel mehr als die Personalie Robben traf den Rekord-Pokalsieger (15 Mal Champion) das frühe Ausscheiden von Schweinsteiger:
Der nach einem Schlüsselbeinbruch gerade erst wieder in Fahrt gekommene Nationalspieler musste schon nach 17 Minuten vom Feld, als Georg Niedermeier ihn im Rutschen unglücklich am Knöchel traf.
Schweinsteiger erlitt dabei einen Riss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk, wie eine genauere Untersuchung am Donnerstagvormittag ergab.
Der Bayern-Mittelfeldtaktgeber erhielt einen Gips, den er eine Woche lang tragen muss. Danach wird er einen Spezialschuh bekommen, mit dem er das Muskelaufbautraining beginnen kann.
"Eine Prognose, wann Bastian wieder trainieren oder spielen kann, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben", sagte Dr. Müller-Wohlfahrt.
Bayern stark formverbessert
Für Schweinsteiger kam David Alaba.
Nach etwas holprigen 20 Minuten hüben wie drüben wurden die Bayern stärker und zeigten wesentlich mehr Aggressivität als zuletzt in der Liga.
Kroos setzte erste Achtungszeichen mit zwei kurz aufeinander folgenden Distanzsschüssen - einen davon lenkte VfB-Keeper Sven Ulreich soeben noch ans Lattenkreuz (20.).
Mehr Vollstrecker-Glück hatte danach Ribery: Der Franzose ließ sich aus sechs Metern nach einer scharfen Hereingabe von Müller auf dem rechten Flügel nicht zweimal bitten (30.).
Immer wieder Kroos
Danach bestimmten die Bayern die Partie klar, immer wieder angetrieben von Kroos, verbuchten allein vor der Pause 10:1-Torschüsse.
Die früh resignierenden Stuttgarter und im Vergleich zum 2:2 in Leverkusen unveränderten Stuttgarter hatten ihre zunächst einzige Chance durch Vedad Ibisevic: Der Winter-Neuzugang setzte einen Kopfball aber links neben das Tor (15.).
Gomez legt ruckzuck nach
Auch nach Wiederanpfiff erwiesen sich die Gäste als das dominierende Team - und schlugen daraus nach gerade mal 30 Sekunden mit dem 2:0 Kapital.
Der Stürmer scheiterte nach einem Konter und erneuter Flanke von Müller zunächst an Ulreich, setzte den Ball im Nachschuss dann aber doch in die Maschen seines Ex-Klubs, gegen den Gomez in den vergangenen vier Spielen somit gleich siebenmal traf.
Fortan drängten die Bayern auch auf den dritten Treffer, während die immer lethargischer werdenden Schwaben beinahe Auflösungserscheinungen zeigten.
Labbadia mit blauem Auge
VfB-Coach Bruno Labbadia, der nach einem Streifschuss im Training die Niederlage zu seinem 46. Geburtstag mit einem blauen Auge erlebte, brachte Martin Harnik für Shinji Okazaki als zusätzlichen Stürmer (57.).
Der Österreicher brachte aber ebenso wenig noch eine Wende wie Tamas Hajnal, der Julian Schieber in den letzten 20 Minuten ersetzte, und Raphael Holzhauser 83./für Christian Gentner).
Nochmals Hoffnung keimte bei den Stuttgartern auf, als Ibisevic den Ball ins Tor schob. Wegen angeblichen Foulspiels im Luftduell mit Neuer pfiff Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) die Aktion jedoch ab (69.).
Gefährlicher Ribery-Kopfball
In der Schlussphase schalteten die Bayern dann einen Gang zurück, blieben aber dennoch gefährlich und tonangebend gegen einen VfB, der ein Aufbäumen komplett schuldig blieb:
Ribery, für den Ivica Olic kurz vor Abpfiff kam (83.), zwang Ulreich mit einem Kopfball aufs linke Eck zu einer Glanztat (74.).
Ein weiterer Treffer blieb den Bayern indes verwehrt. Tymoshchuk (89./für Kroos) sicherte sich immerhin auch noch die Auflaufprämie, während Robben ohne eine einzige Einsatzminute blieb.


