

Schock für Bayern: Schweinsteigers Fuß in Gips
Aus Stuttgart berichtet Christian Paschwitz
Stuttgart - Bastian Schweinsteiger bot ein Bild des Jammerns.
Auf Krücken humpelte der Vizekapitän des FC Bayern aus den Katakomben der Mercedes Benz Arena in den Mannschaftsbus.
Auftreten unmöglich, bei jedem Behelfsschritt verzog Schweinsteiger das Gesicht.
Sicherlich seien Bänder verletzt worden, so war zu vernehmen aus dem Bayern-Lager nach dem 2:0 (1:0)-Halbfinaleinzug beim VfB Stuttgart. ( Spielbericht und Bilder)
Die Kernspintomographie am Donnerstag sorgte für traurige Gewissheit.
Unglückliche Aktion von Niedermeier
Schweinsteiger erlitt einen Riss des vorderen Außenbandes im rechten Sprunggelenk.
Der Bayern-Mittelfeldtaktgeber erhielt einen Gips, den er eine Woche lang tragen muss. Danach wird er einen Spezialschuh bekommen, mit dem er das Muskelaufbautraining beginnen kann.
"Eine Prognose, wann Bastian wieder trainieren oder spielen kann, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben", sagte Dr. Müller-Wohlfahrt.
Heynckes schwant Böses
Was war passiert? Der Nationalspieler musste schon nach 17 Minuten vom Feld, als Georg Niedermeier ihn im Rutschen unglücklich am Knöchel traf.
Trainer Jupp Heynckes klang schon eine Stunde nach Abpfiff wenig hoffnungsfroh: "Ich habe sehr große Sorgen, es sieht nicht gut aus. Es wäre fatal, wenn er jetzt länger ausfallen würde." ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Auch Kapitän Philipp Lahm schwante Böses: "Es wäre sehr bitter, wenn Bastian ausfallen würde."
Gerade erst wieder genesen
Zumal der Mittelfeld-Lenker gerade erst wieder halbwegs in Schwung gekommen war, nachdem er wegen eines Schlüsselbeinbruchs zwei Monate hatte pausieren müssen.
Mit dem Ausfall ist nicht zuletzt das große Ziel vom Titel-Triple (Meisterschaft, Pokalsieg, Champions-League-Triumph) gefährdet.
Das weiß auch Heynckes, wenngleich der Coach betonte, auf der Sechser-Position nicht ohne Alternativen dazustehen: "Wir haben mit Alaba einen Jungen, der nach der Einwechslung klasse gespielt hat. Und auch Gustavo hat seine Sache gut gemacht. Aber wenn Schweini jetzt ausfällt, wird’s langsam richtig eng."
Niedermeier entschuldigt sich
Heynckes zürnte vor allem Niedermeier: "Wenn man genau hinschaut, war das ein ganz böses Foul."
Der Übeltäter bedauerte hinterher: "Es tut mir sehr leid. Ich wollte Bastian nicht verletzen. Er hat meine Entschuldigung in der Kabine direkt angenommen und gesagt: 'Das kann schon mal vorkommen im Fußball.'"
Ribery und Gomez treffen
Bemerkenswerterweise kamen die Bayern beim VfB vor allem nach Schweinsteigers Ausfall so richtig auf Touren und hochverdient zu den stark herausgespielten Toren von Franck Ribery (30.) und dem Ex-Stuttgarter Mario Gomez (46.).
Ein erster Schritt aus der Krise nach dem verpatzten Rückrunden-Start.
"Wir waren besser als zuletzt", meinte bei SPORT1 auch Keeper Manuel Neuer ( Interview), betonte aber, "dass wir nun in der Liga noch einiges aufzuholen haben".
Müller Rechtsaußen, Robben draußen
Entscheidend fürs Weiterkommen war nicht zuletzt die Rückkehr von Toni Kroos auf die Zehner-Position - und die Ausbootung von Arjen Robben auf dem rechten Flügel zu Gunsten von Thomas Müller.
Der wollte die Verbannung des Superstars zwar nicht zu hoch hängen: "Nur weil Arjen nicht gespielt hat, ist er ja jetzt nicht weg oder verkauft."
Kroos glänzt als Zehner
Kroos ließ dabei erkennen, dass er direkt hinter der Spitze am wertvollsten ist.
"Es hat hervorragend auf der Zehner-Position geklappt, ich konnte meine Qualitäten ausspielen", meinte der Nationalspieler, der zuletzt im defensiven Mittelfeld unter seinen Möglichkeiten geblieben war.
Bobic poltert: "Eine Frechheit!"
Am Ende lieber gar nicht mehr hinschauen wollten dagegen die Stuttgarter.
Vor allem Fredi Bobic war mehr als bedient, nachdem die Schwaben nicht nur chancenlos geblieben waren, sondern auch keinerlei Gegenwehr und infolge des 0:2 gleich nach der Pause fast schon Auflösungserscheinungen zeigten.
"Das war eine absolute Frechheit, da war null Leidenschaft", polterte der Sportdirektor. "Wir müssen uns beim Publikum entschuldigen. Da gibt es nichts schönzureden, so kannst du nicht auftreten, vor heimischem Publikum."
Und weiter: "Das Ergebnis hätte noch ganz anders ausgesehen können, wenn wir nicht einen überragenden Torhüter gehabt hätten."
Ulreich: Wie Stecker rausgezogen
Sven Ulreich war dieses Lob egal und pflichtete nur Trainer Bruno Labbadia bei:
"Nach 20 Minuten war es so, als hätte einer den Stecker rausgezogen - warum auch immer", sagte der Schlussmann bei SPORT1.
"Wir müssen das jetzt ganz schnell aufarbeiten, uns auf das Spiel gegen Hertha konzentrieren und den Kopf nicht in den Sand stecken."


