Nasen-Schwalbe: Brych einsichtig, de Camargo am Pranger
Von Christoph Lother
München - Es war nur ein einziger Pfiff, doch das Echo ist gewaltig.
Auch zwei Tage nach dem unglücklichen Ausscheiden der Berliner Hertha im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Mönchengladbach ( Bericht) schlägt die fragwürdige Elfmeterentscheidung von Schiedsrichter Felix Brych noch immer hohe Wellen.
Nachdem zunächst die Verantwortlichen der Hertha ihrem Ärger öffentlich Luft gemacht hatten, meldete sich nun auch Brych selbst zu Wort.
"Räume ein, unglücklich agiert zu haben"
"Auf dem Platz war ich mir sicher, dass ich richtig gelegen hatte. Ich will die Gesamtschuld nicht auf mich nehmen, räume aber ein, unglücklich agiert zu haben", wird der 36-Jährige in der "B.Z." zitiert.
Die Schuld gibt der Referee auch zwei anderen Akteuren: den beteiligten Spielern Igor de Camargo (Gladbach) und Roman Hubnik (Hertha). (DIASHOW: Das Viertelfinale).
"Es waren drei Personen an der Situation beteiligt: Zwei Spieler, die sich nicht korrekt verhalten haben, und ein Schiedsrichter, der das Spiel zuvor vielleicht unterbinden hätte können", erklärte Brych.
"Ich wollte Hertha die Möglichkeit eines schnellen Konterangriffs nicht nehmen, habe deshalb auf Vorteil entschieden", erklärt der Unparteiische, warum er nicht schon nach dem Schubser de Camargos gegen Hubnik die Partie unterbrochen hatte.
Dann wäre es erst gar nicht zu dem Tete-a-Tete mit de Camargos anschließender "Nasen-Schwalbe" - wie sie der Boulevard titulierte - gekommen.
Schwacher Trost für frustrierte Berliner
Dass sich Brych einsichtig zeigt und zumindest eine Teilschuld am Pokal-K.o. der Hertha eingesteht, dürfte die Berliner zwar etwas beruhigen. Wirklich weiterhelfen tut es ihnen aber nicht.
"Dass wir noch immer kotzsauer sind über die Art und Weise des Ausscheidens, wird jeder verstehen: Herr Brych hat zu mir gesagt, dass er die Nacht wohl nicht schlafen kann. Aber uns fehlen jetzt die Chance auf das Finale und eine Millionen-Einnahme, da ist unser Schaden wohl größer", schimpfte Hertha-Manager Michael Preetz ( DATENCENTER: DFB-Pokal).
De Camargo im Kreuzfeuer der Kritik
Neben Brych steht aber auch Gladbachs de Camargo am Pranger.
Ex-Bundesliga-Schiedsrichter Herbert Fandel stellte sogar den allgemeinen Sportsgeist des Belgiers in Frage.
"Trotz aller Kritik an Brych darf nicht vergessen werden, dass hier ein Spieler durch seine Theatralik den Fair-Play-Gedanken mit Füßen getreten hat", zitiert die "Welt" den Vorsitzenden der DFB-Schiedsrichterkommission.
Spieler kritisieren Schauspieleinlage des Belgiers
Auch in Spielerkreisen wird die Reaktion de Camargos auf die vermeintliche Tätlichkeit Hubniks zutiefst verurteilt.
Der Berliner Mittelfeldakteur Andreas Ottl flüchtete sich zwar in Ironie: "Ich wünsche de Camargo auf diesem Weg gute Besserung."
Mats Hummels vom Deutschen Meister und aktuellen Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund fand aber schon wesentlich deutlichere Worte.
"Man kann auch peinlich und beschämend in ein Pokal-Halbfinale einziehen", postete der Nationalspieler nach Abpfiff der Pokalpartie in Berlin im sozialen Netzwerk "Facebook".
Inzwischen hat Hummels seinen Eintrag zurückgezogen, an seiner Meinung hält der 23-Jährige aber nach wie vor fest: "Jemand anderem einen Kopfstoß zu geben und sich daraufhin fallen zu lassen ist nichtsdestotrotz weiterhin peinlich."
Hubnik für ein Spiel gesperrt
Während der Berliner Hubnik für seinen angeblichen Kopfstoß mit einer Sperre von einem Pokalspiel belegt wurde, kommt de Camargo wohl ungeschoren davon.
Da dem Gladbacher kein Vorsatz nachgewiesen werden kann, darf seine Schwalbe auch nicht nachträglich als Betrugsversuch geahndet werden.
Dem Pokal folgt der Liga-Alltag
Nach dem Aufreger im Pokal sind die beiden Teams bereits morgen wieder in der Bundesliga gefordert.
Die mittlerweile schon seit neun Ligaspielen sieglosen Herthaner reisen zum VfB Stuttgart (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER), die viertplatzierten Gladbacher empfangen am Abend Tabellennachbar Schalke.


