Wie der Titan: Schweinsteiger will sechsten Streich
Vom FC Bayern
berichtet Mathias Frohnapfel
München - Wie sich ein Titan auf ein Finale vorbereitet, hat Bastian Schweinsteiger ausgiebig studieren können.
Bayerns Torwartlegende Oliver Kahn war lange Schweinsteigers Kabinennachbar und somit vor Endspielen Anschauungsobjekt für den einstigen Jungspund.
"Früher musste ich schmunzeln, als Oliver Kahn von diesem Tunnelblick sprach. Jetzt weiß ich, was er damit meinte", berichtete Schweinsteiger der "Bild".
Alle Gedanken des FCB-Vizekapitäns kreisen im Moment um das Endspiel im DFB-Pokal am Samstag und in der Champions League eine Woche später.
"Die Chance, die sich bietet, ist vielleicht einmalig. Wir wissen, dass wir uns selbst belohnen können für das, was wir in dieser Saison geleistet haben."
Fünf Endspiele - fünf Siege
Schweinsteigers Pokalbilanz ist bisher makellos:
Von fünf Berlin-Reisen kehrte er stets mit dem Pott unter dem Arm zurück, genauso soll es aus seiner Sicht auch nun gegen Borussia Dortmund (Sa., ab 19.30 Uhr im LIVE-TICKER) laufen.
Mit dem sechsten Streich würde Schweinsteiger auch den Pokalrekord von Kahn einstellen.
Spricht man ihn darauf an, grinst er. "Das habe ich schon im Kopf."
Dabei kennt natürlich auch Schweinsteiger Bayerns jüngste Horrorbilanz gegen den BVB:
Viermal in Folge führte die Truppe von Jürgen Klopp Freudentänze auf, bedröppelte Münchner schauten zu. (DIASHOW: Historische Duelle Bayern - BVB)
Bei der 0:1-Niederlage im letzten Liga-Gipfeltreffen saß Schweinsteiger lange auf der Bank, kam erst in der 60. Minute ins Spiel.
"Noch nicht 100 Prozent fit"
Mittlerweile hat sich der 27-Jährige nach seiner Knöchelverletzung wieder eine starke Verfassung erarbeitet, war auch bei Bayerns 4:1-Sieg in Köln einer der lauffreudigsten Akteure.
Allerdings gibt er zu, dass es Tage gibt, "da habe ich noch Probleme. Man merkt, dass ich noch nicht 100 Prozent fit bin".
Für das Gigantentreffen gegen den BVB fordert Bayerns Mittelfeldmotor jetzt eine Spitzenleistung:
"Wir müssen so stark spielen wie gegen Real Madrid. Mit dieser Sieger-Mentalität, dieser Leidenschaft, dieser Emotionalität."
In den beiden Champions-League-Halbfinalspielen kämpfte der FCB wie eine Armee unermüdlicher Duracell-Häschen und schaffte so den Coup gegen Spaniens Rekordmeister.
Schweinsteiger fürchtet Dortmund
Und doch dürfte es gegen Dortmund noch eine Nummer härter werden, schließlich hat Schwarzgelb zuletzt Bayerns Flügelspiel lehrbuchmäßig entschlüsselt.
"Es wird das schwerste und härteste Pokal-Finale, seitdem ich bei Bayern bin", gesteht daher auch Schweinsteiger.
Den Dortmundern bescheinigt er "eine außergewöhnliche Rückrunde" und einen "erfolgsorientierten Fußball. Deshalb werden sie auch langfristig der härteste Konkurrent für uns sein".
Gomez heiß auf den Pokal
Mario Gomez dürfte in dieser Frage kaum anderer Ansicht sein.
Ein Zurücknehmen im Pokal, um sich so im Champions-League-Endspiel nicht zu verletzen, hält der FCB-Stürmer für Unsinn.
"Ich warne davor, das Finale als Warm-Up für die Champions League zu nehmen", sagte Gomez auf SPORT1-Nachfrage. "Der Pokal ist etwas Großartiges!"
Feiern mit Handbremse
Eine große Sause soll dennoch nach einem möglichen Triumph nicht folgen.
"Wir wissen, dass es nicht das letzte Spiel ist", meinte Bayerns Torjäger mit Blick auf das Champions-League-Finale "dahoam" und schob - ganz ohne Augenzwinkern - nach:
"Man muss ja nicht mit vier Promillen unter dem Tisch liegen. Man kann sich auch so freuen, das geht auch ohne Alkohol."
Rummenigge schickt Spieler "zeitig" ins Bett
Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hat den Feierplan schon abgesteckt.
Nach der Partie wartet ein Bankett in der Berliner Repräsentanz des Bayern-Hauptsponsors Telekom auf die Stars.
Danach gibt sich Rummenigge aber streng:
Die Mannschaft werde "zeitig ins Bett gehen und sich professionell aufs Champions-League-Finale vorbereiten. Da wird es keine Discobesuche oder Ähnliches geben."
Sollte Schweinsteiger also den sechsten Pokaltriumph schaffen, muss er sich als stiller Genießer zeigen.


