Starkstrom BVB: Wie Bayern reloaded
Einen Tag vor dem Meisterschaftsfinale auf Späher-Tour zu gehen, das macht einer nur, wenn es gewichtige Gründe gibt.
Und die hatte Sir Alex Ferguson.
Der Trainer von Manchester United beobachtete Dortmunds Super-Juwel Shinji Kagawa, als der nach Herzenslust bei der 5:2-Pokalgala gegen den FC Bayern trickste.
Zugleich sah Ferguson einen ernsthaften Champions-League-Kontrahenten für die kommende Saison.
Denn der Deutsche Meister hat sich enorm weiterentwickelt, nicht mit Hurra-Fußball, sondern äußerst kaltblütig bügelte der BVB den Ligarivalen ab.
Und die besten Jahre liegen erst noch vor der jungen Truppe aus Westfalen.
Das erste Double der Vereinsgeschichte ist wohlverdienter Lohn für die exquisite Fußballwertarbeit von Trainer Jürgen Klopp.
Die Bayern rannten, die Dortmunder riefen wie der Igel im Fabel-Wettkampf mit dem Hasen "Bin schon da!" und legten die Münchner Defensivschwächen bloß, als ob es dafür eine Navigations-App gäbe.
Wenn es bislang der Bayern-Stil war, jeden Fehler aufzudecken und mit dem Wissen der eigenen Überlegenheit zu bestrafen, dann siegte Dortmund genauso.
Das Erstaunliche: Die Münchner Profis wandelten sich in beinah willenlose Opfer, machten völlig von der Rolle wie Luiz Gustavo heftige Fehler und ließen sich von ihrem Angstgegner vorführen.
Fünf Pleiten in Folge gegen ein Team - auch das ist ein Münchner Negativrekord.
Zudem zeigt es, dass die nationale Dortmunder Dominanz vorerst zementiert sein dürfte.
Seit den neunziger Jahren, als ebenfalls der BVB die Bayern piesackte, hatte der Rekordmeister keine so schlagkräftige und selbstbewusste Konkurrenz mehr.
Den Münchnern droht jetzt der fiese Spottname "Vizebayern".
Geht nämlich nun auch das Champions-League-Finale gegen Chelsea verloren, wären die ruhmreichen Münchner legitime Nachfolger von Bayer Leverkusen und dessen maximaler Enttäuschung 2002.
Die Dramaturgie dieser aus Bayern-Sicht verrückten Spielzeit will es so, dass sich alles, aber auch wirklich alles in einem Spiel entscheidet.
Dabei ist der größte Triumph möglich, ein "Santo subito" ("Sofort heilig") also - oder das genaue Gegenteil.
Bayerns Trost: Heftiger als durch die schwarzgelbe Starkstrom-Truppe hätte der Weckruf jetzt nicht ausfallen können.


