

"Wir müssen jetzt zusammenhalten"
Vom DFB-Pokalfinale berichten Mathias Frohnapfel und Matthias Becker
Berlin - Gute 70 Schritte sind es, durchschreitet man die Mixed Zone im Berliner Olympiastadion von Anfang bis Ende.
Schritte, die ziemlich wehtun können nach einem vergeigten Pokalfinale und einer erschreckenden Abwehrleistung (DIASHOW: Bilder des Spiels).
Nach dem 2:5-Debakel gegen Borussia Dortmund ( Nachbericht) war dieser Weg für manche Bayern-Spieler eine Art Vorstufe zum Fegefeuer.
Auch Bastian Schweinsteiger blickte auf die riesigen Lüftungsrohre in den Katakomben des Stadions sowie die dichgedrängt wartenden Journalisten und stellte sich ( STIMMEN: "Heute endet die Nacht nicht!").
"Wir haben Geschenke verteilt, das darf uns nicht passieren", analysierte der FCB-Star auf SPORT1-Nachfrage (EINZELKRITIK: Bayern zweifach ungenügend).
Im Interview spricht er zudem über die Gründe für die fünfte Niederlage in Folge gegen den BVB und erklärt, wie die Mannschaft sich jetzt auf das Champions-League-Finale am kommenden Samstag gegen Chelsea konzentriert.
Frage: Herr Schweinsteiger, wie groß ist nach der Finalpleite der Frust bei Ihnen persönlich?
Schweinsteiger: Wir müssen das schnell abhaken, weil ja noch ein wichtiges Spiel auf uns wartet. Wir müssen aber auch sehr genau analysieren, was wir falsch gemacht haben. Chelsea spielt ähnlich wie Dortmund mit vielen langen Bällen. Drogba kann vorne die Bälle halten, dann rücken die anderen nach. Diese Fehler müssen wir abstellen.
Frage: In der ersten Halbzeit war Bayern zumindest feldüberlegen.
Schweinsteiger: Es hört sich vielleicht blöd an und viele mögen darüber schmunzeln, ich finde aber, wir hatten das Spiel besser im Griff als Dortmund. Wir waren eher am 2:1 als Dortmund. Wenn man vor der Pause so zwei dumme Gegentore kassiert, ist das natürlich bitter. Man hatte immer das Gefühl, dass noch was geht.
Frage: Hat bei den Gegentoren nicht nur die Abwehr, sondern die ganze Mannschaft gepennt?
Schweinsteiger: Die Gegentore, die wir bekommen haben, dürfen nicht passieren. Wir haben es Dortmund leicht gemacht. Wir haben fünf eklatante Fehler gemacht und die wurden fünfmal bestraft.
Frage: Das Champions-League-Finale ist in München Dauerthema. Inwieweit hatte es Einfluss auf die Partie in Berlin?
Schweinsteiger: Überhaupt nicht, wir sind froh, es jetzt vor uns zu haben und spielen zu dürfen.
Frage: Befürchten Sie, dass gegen Chelsea ähnliche Fehler passieren?
Schweinsteiger: Nein, ich habe großes Vertrauen in die Mannschaft. Es kann mal passieren, einen Fehler zu machen, das ist menschlich. Man darf jedoch nicht auf einzelne Spieler losgehen, die etwas falsch gemacht haben. Jeder hat dazu beigetragen, dass wir verloren haben. Wir müssen schauen, dass wir zusammenhalten. Das tun wir auch, wir sind eine sehr homogene Mannschaft.
Frage: Arjen Robben hat die Mitspieler nach der Niederlage versucht aufzumuntern. Gibt es einen Schwur von Berlin nach dem Motto: "Jetzt erst Recht"?
Schweinsteiger: Ich weiß nichts von einem Schwur. Wir haben aber eine sehr große Chance, etwas Historisches zu schaffen. Andere beneiden uns darum, das Finale im eigenen Stadion zu spielen, das hat vorher keiner geschafft. Wir müssen alles dafür tun, um das Finale zu gewinnen.
Frage: Wie sehen Sie die Möglichkeiten gegen Chelsea?
Schweinsteiger: Es wird sehr schwer. Chelsea ist eine gute Mannschaft und hat in Barcelona das beste Team der Welt ausgeschaltet. Bei uns ist großer Respekt da, trotzdem wissen wir um unsere Stärke. Wir können es schaffen und wenn nicht im eigenen Stadion, wo dann?


