
4:0! Pokal-Show der Neuzugänge
Aus Regensburg berichtet
Mathias Frohnapfel
Regensburg - Hohn und Spott sind dem FC Bayern erspart geblieben.
Anders als etwa Hoffenheim, Bremen und Nürnberg setzten sich die Münchner in der Hauptrunde des DFB-Pokal gegen den Außenseiter durch, beim 4:0-Sieg in Regensburg hatten die Bayern nur in den ersten 30 Minuten etwas Anlaufschwierigkeiten.
Nach der Führung durch Mario Mandzukic (32.) erledigten sie dann im Schwitzkasten Jahnstadion ihre Aufgabe routiniert wie ein Saunameister den xten Aufguss (DATENCENTER: Alle Spiele der 1. Runde).
Dante und Schweinsteiger nur auf der Bank
Xherdan Shaqiri (60.), erneut Mandzukic (80.) und Claudio Pizarro (88.) erhöhten im zweiten Durchgang für den FCB auf 4:0, viel besser konnte der Einstand der FCB-Neuzugänge nicht sein.
Der Zweitliga-Aufsteiger aus der Oberpfalz stand dagegen sehr defensiv und vermochte die Bayern-Abwehr kaum zu fordern (DIASHOW: Die 1. Runde im Pokal).
Jupp Heynckes ließ erwartungsgemäß Bastian Schweinsteiger auf der Bank, der Mittelfeldstratege soll nach seinen Knöchelproblemen erst langsam wieder aufgebaut werden.
Jahrhundertspiel für Jahn
In der Innenverteidigung spielte das Duo der Vorsaison Holger Badstuber und Jerome Boateng, Neuzugang Dante schaute zu Beginn nur zu.
Vor Anpfiff hatte Jahn-Manager Franz Gerber erwartungsvoll von einem "Jahrhundertspiel" gesprochen, und der Zweitliga-Aufsteiger mühte sich im ausverkauften Jahn-Stadion vor 12.500 Fans dieser Vorgabe zumindest kämpferisch gerecht zu werden.
Die Regensburger streckten in roten Trikots den Münchner Starspielern Schienbeine, Ellenbogen und Fußspitzen entgegen und hielten so dem ersten Druck eine halbe Stunde lang stand.
Bei schwülheißen Temperaturen über 30 Grad rackerten jedoch nicht nur die Bayern-Profis, auch Präsident Uli Hoeneß schwitzte auf der Tribüne wie der mitgereiste Anhang in der Kurve.
Erste Chancen für Mandzukic und Robben
Auch Regensburg Torwart-Oldie Michael Hofmann, lange bei Bayerns Stadtrivalen 1860 unter Vertrag, rann das Wasser über die Stirn.
Besorgt beobachtete der 39-Jährige so die ersten FCB-Chancen wie dem Kopfball von Mandzukic (6.) und den Freistoß von Arjen Robben (26.), beide Versuche strichen knapp übers Tor.
Ribery bereitet Führung vor
"Regensburg hat es in der ersten Halbzeit sehr geschickt gemacht. Sie haben uns kommen lassen und waren mit zehn Mann hinter dem Ball, da gab es wenig Raum. In der zweiten Halbzeit war es besser", erklärte Trainer Jupp Heynckes.
Regensburgs Trainer Oscar Corrochano war weitestgehend zufrieden mit seinem Team: "Wir mussten sehr hohen Laufaufwand treiben. Zum Schluss hat etwas die Konzentration und Kraft nachgelassen. Meine Mannschaft hat das trotzdem gut gemacht. Gegen die Bayern ist es schwer, einen Rückstand aufzuholen."
Die Münchner Führung resultierte dann aus einem feinen Dribbling von Franck Ribery, der auf der linken Seite fast bis zur Grundlinie wirbelte und den Ball genau auf den Fuß von Mandzukic zirkelte (32.).
Der Kroate traf somit wie beim 2:1-Sieg im Supercup über Dortmund auch zum Pokalauftakt des Rekordmeisters.
Neuer fast nicht geprüft
In der Folge kontrollierten die Bayern das Spiel weiter, nutzten aber nach 35. Minuten wie die Regensburger die eingefügte Trinkpause von Schiedsrichter Guido Winkmann emsig.
Bayern-Keeper Manuel Neuer musste bis zur Pause nur bei einem Schuss von Amachaibou Abdenour aufpassen (28.).
1968 hatte der Jahn den FCB im letzten Pokalderby in die Verlängerung gezwungen, am Ende 1:4 verloren.
Diesmal sah es auch nach der Pause nicht danach aus, als ob der trotzige Underdog den Sprung in die Verlängerung schaffen könnte.
Shaqiri mit schönem Freistoß
Heynckes brachte für die zweiten 45. Minuten Shaqiri für Ribery ins Spiel, der Neuzugang vom FC Basel führte sich gleich mit einer brauchbaren Flanke für Mandzukic ein (49.).
Auf der Gegenseite probierte es jetzt der eingewechselte Jim-Patrick Müller, sein Schuss aus der Drehung ging aber deutlich am FCB-Tor vorbei (51.).
Shaqiri rechtfertigte dann mit einem wunderschönen Freistoß in den Torwinkel seine Einwechslung (60.) und erntete ein Sonderlob vom Trainer: "Shaqiri ist ein Riesenfußballer, ein Straßenfußballer mit einer tollen Intuition. Das hat man heute gesehen."
Der Schweizer stellte zuallererst den Mannschaftserfolg in den Vordergrund: "Man sieht es auf dem Platz, dass die ganze Mannschaft Spaß hat. Das war heute eine sehr gute Leistung. Man hat gesehen, dass auch Bundesligisten besiegbar sind in Pokalspielen, deswegen wollten wir unbedingt ein gutes Spiel zeigen. Wir haben schöne Tore gemacht."
Spätestens mit dem 2:0 war die Partie gelaufen, Robben verpasste wenig später gegen Hofmann jedoch das 3:0 (64.).
Co-Produktion der beiden Neuzugänge
Heynckes konnte das Geschehen jetzt entspannt verfolgt, lediglich eine Unkonzentriertheit von Boateng ließ ihn zusammenzucken. Der Lapsus blieb aber ohne Konsequenz.
So konnte der Bayern-Coach noch Schweinsteiger Spielpraxis geben, der Vizekapitän kam für Robben (75.).
Auch der Ex-Werder-Star Claudio Pizarro bekam noch das Vergnügen einiger Pokalminuten in Regensburg, sah aber noch von der Seitenlinie wie Kollege Mandzukic nach Shaqiri-Vorarbeit das 3:0 erzielte (80.).
Und Shaqiri legte auch glänzend Pizarro auf, der bedankte sich mit einem fulminanten Torschuss zum 4:0 (88.). Gemeinsam feierten sie kurz darauf, die Pflichtaufgabe war ohne große Sorgen erfüllt.


