"Es ist schwer, uns zu schlagen"
Von Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Nicht eine Minute hat Roman Neustädter bisher verpasst.
Der Neuzugang von Borussia Mönchengladbach ist Schalkes Dauerbrenner - und Dauerrenner im defensiven Mittelfeld.
In den zehn Wochen seit dem Saisonauftakt im DFB-Pokal beim 1. FC Saarbrücken (5:0) hat der Sechser alle 13 Spiele in Liga, Champions League und Pokal bestritten, erzielte dabei einen Treffer.
"Das es so gut funktionieren wird, damit konnte ich natürlich nicht rechnen", sagt Neustädter über die schnelle Eingewöhnung im Revier. Nicht jeder hatte ihm auf Anhieb zugetraut, einen Stammplatz zu erobern.
In der zweiten Pokalrunde im Heimspiel gegen den Zweitliga-Aufsteiger SV Sandhausen (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) könnte der 24-Jährige von Trainer Huub Stevens nun erstmals eine Pause bekommen.
"Irgendwann kann man das nicht mehr umgehen", sagt Neustädter, fürchtet aber keine Auswirkungen der Rotation: "An der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, wird sich dadurch nicht viel verändern."
Im SPORT1-Interview spricht der frühere U-21-Nationalspieler über die Favoritenrolle gegen Sandhausen, das Schalker Publikum und die Derby-Nachwehen bei Marco Reus.
SPORT1: Herr Neustädter, Sie haben in dieser Saison noch keine Minute verpasst. Hätten Sie vor Ihrem Wechsel von Borussia Mönchengladbach gedacht, dass Sie so gut einschlagen werden?
Roman Neustädter: Das es so gut funktionieren wird, damit konnte ich natürlich nicht rechnen. Aber es freut mich, dass es so gekommen ist. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.
SPORT1: In Gladbach hatten Sie in der vergangenen Saison nicht diese Belastung der englischen Wochen. Wie gehen Sie damit um?
Neustädter: Die Dreifachbelastung ist für mich kein Problem. Wir haben aus den vergangenen Spielen viel Selbstbewusstsein mitgenommen. Das beflügelt einen zusätzlich.
SPORT1: Gab es eigentlich noch eine Derby-Nachlese mit Ihrem Kumpel Marco Reus?
Neustädter: Nein, da gab's nicht mehr viel. Er war natürlich enttäuscht, aber ich habe ihn nicht noch extra aufgezogen. Das war alles ganz ruhig.
SPORT1: Wie beurteilen Sie die Situation bei ihrem gemeinsamen Ex-Verein Gladbach?
Neustädter: Das ist schwierig, da ich zurzeit nicht so viel davon mitbekomme, weil ich mich hier voll auf Schalke konzentriere. Ich hoffe, dass ihnen die Siege gegen Marseille und Hannover nochmal einen Schub geben werden.
SPORT1: War der Arbeitssieg mit Schalke gegen Nürnberg das erwartet schwere Spiel? (DIASHOW: Tops und Flops)
Neustädter: Sicherlich. Vielleicht haben die Fans nach den Siegen gegen Dortmund und Arsenal ein Spektakel erwartet, aber das geht nicht immer. Jedes Spiel in der Bundesliga ist schwer, egal gegen wen es geht. Die Nürnberger standen ziemlich tief und haben uns kaum Räume gelassen. Wir hatten zwei Spiele hinter uns, in denen wir auswärts viel Kraft gelassen haben. Nichtsdestotrotz haben wir hinten kaum etwas zugelassen und hatten vorne unsere Chancen.
SPORT1: Wobei die Fans gegen Nürnberg nicht so ungeduldig waren, wie es in dieser Saison schon mehrfach vorgekommen ist, oder?
Neustädter: Ja. Ich glaube, sie verstehen auch unsere Situation, schließlich ging es drei Tage nach der Champions League wieder in der Bundesliga zur Sache. Wir haben das Tor gegen Nürnberg zwar spät gemacht, aber das bringt auch drei Punkte. Nur das zählt.
SPORT1: Wird es in der zweiten Pokalrunde gegen den SV Sandhausen ähnlich schwierig wie gegen den Club? ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Neustädter: Wir sind klarer Favorit. Sandhausen wird wohl - ähnlich wie Nürnberg - versuchen, auf Konter zu spielen und hinten alles zuzustellen. Da müssen wir uns wieder etwas einfallen lassen. Für uns ist wichtig, dass wir hinten wieder gut stehen und eine gewisse Sicherheit haben. Das ist die Basis. Vorne bekommen wir immer unsere Chancen.
SPORT1: Wen kennen Sie vom SV Sandhausen?
Neustädter: Man kennt schon die Spieler. Ich habe ein paar Spiele von ihnen in der Zweiten Liga gesehen. Es wird eine schwierige Aufgabe, und die müssen wir meistern.
SPORT1: Im vergangenen Jahr haben Sie Schalke im Achtelfinale noch aus dem Pokal geworfen ...
Neustädter: Das wird dieses Jahr nicht passieren. (grinst) Wir haben im Moment einen Lauf und sind gut drauf. Es ist schwer, uns zu schlagen. Wir sind gut in den Zweikämpfen und lassen wenig zu, vorne sind wir brandgefährlich. Deswegen ist das Weiterkommen gegen Sandhausen ein Muss.
SPORT1: Ihr Torhüter Lars Unnerstall hat gesagt, Schalke sei noch keine Spitzenmannschaft. Was fehlt noch?
Neustädter: Uns fehlt, dass wir die Saison konstant so weiterspielen und uns noch weiterentwickeln. Wir wollen uns mit keiner Mannschaft vergleichen, sondern schauen nur auf uns.
SPORT1: Trainer Huub Stevens ist selten ganz zufrieden. Wie erleben Sie das?
Neustädter: Das ist auch gut so, damit jeder auf dem Boden bleibt. Ich glaube, er hat uns schon im Griff, damit wir nicht auf die Idee kommen, abzuheben. Wir wissen ganz genau, dass wir gegen jeden Gegner hundert Prozent geben müssen.
SPORT1: Rechnen Sie als Dauerbrenner damit, dass Sie auch mal die Rotation trifft, vielleicht schon gegen Sandhausen?
Neustädter: Klar. Das ist doch ganz normal, solange man in allen drei Wettbewerben dabei ist. Irgendwann kann man das nicht mehr umgehen. Der Trainer sieht ja, welcher Spieler vielleicht ein bisschen müde ist. Wir haben einen breiten und starken Kader. An der Art und Weise, wie wir Fußball spielen, wird sich dadurch nicht viel verändern.


