"Uns steht ein Jahrhundertspiel bevor"
Von Hardy Heuer
München - Es ist die Woche der Höhepunkte beim VfR Aalen: Erst steht der Pokalkracher gegen den Deutschen Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) an, dann kommt der 1. FC Köln auf die Ostalb.
Seit diesem Sommer spielt der Verein für Rasenspiele (kurz VfR) erstmals in seiner Geschichte in der Zweiten Liga, dieser Erfolg ist eng verknüpft mit Sportdirektor Markus Schupp.
Der Ex-Profi des 1. FC Kaiserslautern und FC Bayern führte das Team gemeinsam mit Trainer Ralph Hasenhüttl zum Aufstieg und feilt weiter an den Strukturen des Vereins in der 66.000-Einwohner-Stadt in Baden-Württemberg ( DATENCENTER: Die Spiele der 2. Pokalrunde).
Jetzt hofft Schupp - genauso wie die gesamte Region - auf die Sensation gegen den BVB (DIASHOW: Die größten Pokal-Sensationen).
Das Wetter könnte dem Tabellenachten der Zweiten Liga in die Karten spielen, für Dienstagabend sind Minusgrade vorhergesagt und womöglich Schneefall.
Im SPORT1-Interview spricht Schupp über Aalens Chancen, die Stärke des Teams und die Entwicklung des VfR.
SPORT1: Herr Schupp, in der Zweiten Liga belegen Sie mit dem VfR Aalen den achten Tabellenplatz, im Pokal geht es gegen Dortmund. Sind Sie mit der jetzigen Situation zufrieden?
Markus Schupp: Generell können wir mit der Entwicklung der letzten zwei Jahre mehr als zufrieden sein. Im Verein ist viel Positives geschehen, gerade im Bereich der Lizenzmannschaft. Die Zweite Liga war immer unser Ziel. Die Mannschaft beweist sich im Moment gut. Darauf können wir stolz sein. Es wird aber auch noch eine sehr lange Saison.
SPORT1: Nach zuletzt zwei Niederlagen und einem Remis in der Liga, kommt Ihnen da das Pokal-Spiel gegen Dortmund vielleicht ganz gelegen?
Schupp: Das Gute am Fußball ist, man kann sich von Spiel zu Spiel neu beweisen. Nach den drei nicht gewonnenen Spielen steht uns jetzt ein "Jahrhundertspiel" bevor. Das ist eine tolle Aufgabe und vielleicht gelingt uns eine große Überraschung. Sollte Dortmund kein frühes Tor erzielen, ist für uns auf jeden Fall etwas möglich.
SPORT1: Ist die Pokal-Euphorie in Aalen denn bereits zu spüren?
Schupp: Die Euphorie ist riesengroß, die Kartennachfrage ist immens. Ich denke, wir hätten 30.000 bis 40.000 Karten verkaufen können. Alle im Verein freuen sich, dass es jetzt endlich losgeht.
SPORT1: Worauf müssen sich die Dortmunder denn einstellen?
Schupp: Vor ausverkauftem Haus versuchen wir eine kämpferische Leistung mit überzeugendem Zweikampfverhalten abzurufen und gegen die Dortmunder ein paar entscheidende Nadelstiche zu setzen. Wir brauchen gegen den klaren Favoriten Dortmund einen guten Plan, um ein kleines Fußballwunder zu schaffen.
SPORT1: Haben Sie die Befürchtung, dass bei Ihrer Elf die Ehrfurcht vor den bekannten Namen des BVB etwas zu groß sein könnte?
Schupp: Wir haben Respekt vor der Leistung und der Spielweise der Dortmunder. Natürlich besteht die Gefahr, dass die Mannschaft mit etwas zu viel Respekt ins Spiel geht. Unser Trainer Ralph Hasenhüttl kennt die Mannschaft sehr gut und wird Wege finden, damit das Team diesen Respekt schnell ablegt und frei aufspielen kann.
SPORT1: Worin liegen denn die Stärken Ihres VfR Aalen?
Schupp: Eine Stärke ist sicherlich die mannschaftliche Geschlossenheit. Wir spielen mit relativ wenig Ballbesitz und versuchen schnell umzuschalten.
SPORT1: Heißt das, Sie wollen es besser machen als Real Madrid?
Schupp: Nochmal, der Gegner ist übermächtig, aber wir werden versuchen, unseren Fans ein gutes Spiel und eine Überraschung zu bieten.
SPORT1: Kommt Aalen vielleicht das Wetter etwas zu Gute, sofern denn Schnee liegt?
Schupp: Dortmund hat ja am Wochenende in Freiburg gespielt, da war der Platz auch verschneit. Der BVB hat am Ende gewonnen, daher denke ich, dass das Wetter nicht der alleinige Gradmesser sein wird. Außerdem läuft die Rasenheizung auf Hochtouren, und es dürften normale Bedingungen herrschen. Aber eventuell kommt der ein oder andere Dortmunder Spieler mit den Verhältnissen hier nicht so gut zurecht.
SPORT1: Die Defensive des VfR Aalen war zuletzt etwas wackelig. Woran lag das?
Schupp: Es wurden in den letzten Spielen zu viele individuelle Fehler gemacht, aus denen schnell gelernt werden muss. In der für uns neuen Zweiten Liga ticken die Uhren anders. Wir müssen wieder auf die Siegerstraße kommen, gegen Dortmund zum Beispiel wäre schön.
SPORT1: Nach Dortmund wartet in der Liga mit dem 1. FC Köln schon der nächste Kracher. Ist das mit dem zugegebenermaßen schmalen Kader der Aalener überhaupt zu stemmen?
Schupp: Wir wollen erst mal das Spiel gegen Dortmund überzeugend bestreiten. Köln ist dann der nächste Schritt. Ich hoffe, dass wir etwas Werbung für uns machen und unser ganzes Potenzial abrufen können. Mit der tatkräftigen Unterstützung der Fans ist die Mannschaft in der Lage in beiden Spielen über sich hinauszuwachsen.


