Hoffenheim-Schreck schon wieder in Alarmbereitschaft
Von Christoph Lother
München - Eigentlich sind die Rollen klar verteilt.
Doch im Lager des Berliner AK ist man sich vor der Partie gegen den TSV 1860 München in der zweiten Runde des DFB-Pokals (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) offenbar nicht ganz einig.
Mit 51 zu 49 für den BAK betitelte Manager Erdogan Dogan kürzlich die Chancen der Heimelf auf den Einzug ins Achtelfinale und sorgte somit für Unverständnis bei seinem Trainer.
"Damit hat er mir keinen Gefallen getan. Da sind die Gäule mit ihm durchgegangen", erklärte Jens Härtel in der Münchner "Abendzeitung" und ergänzte: "Seine Aussage entspricht nicht den Tatsachen und sie baut auf einmal für uns einen Druck auf, der nicht natürlich ist." ( DATENCENTER: Die Spiele der 2. Runde)
Coach Härtel stapelt tief
Stattdessen tritt Härtel vor dem Duell mit den "Löwen" überraschend kräftig auf die Euphoriebremse.
"Wir müssen die Sache realistisch sehen, ein guter Zweitligist spielt bei einem mittelmäßigen Regionalligisten. Wenn es nicht außergewöhnlich läuft, haben wir gegen 1860 keine Chance", stapelt der 43-Jährige tief.
Doch das hatten die meisten wohl auch schon vor der Erstrunden-Begegnung der Berliner gegen 1899 Hoffenheim gedacht, welche die Hauptstädter letztlich sensationell deutlich mit 4:0 für sich entscheiden konnten (DIASHOW: Die größten Pokal-Sensationen).
Erdogan: Europa statt Fußball
Dieser Coup war übrigens auch dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan nicht entgangen.
Dieser hält sich derzeit anlässlich der Eröffnung der neuen türkischen Botschaft in Berlin auf und dachte wohl darüber nach, dem BAK, der lange Zeit fest in der Hand türkischer Mitglieder war, gegen die Münchner einen Besuch abzustatten.
"Der Besuch des Fußballspiels stand zur Debatte. Allerdings war zeitgleich das Treffen im Berggruen-Institut angesetzt. Dort geht es um Europa. Herr Erdogan hat sich für Europa entschieden", erklärte eine Botschaftssprecherin den Berlinern aber die Absage.
Härtel will Sechziger Krise verschärfen
Doch auch ohne die Unterstützung von Erdogan wollen die Berliner ihre Chance gegen die "Löwen" nutzen. Wohlwissend, was ein Aus für die Münchner beim aktuellen Tabellensiebten der Regionalliga Nordost bedeuten würde.
Um Europa geht es für die Sechziger zwar nicht, angesichts drei sieglosen Ligaspielen in Folge aber zumindest um das Abwenden einer Krise.
Und das weiß auch Härtel, dessen "Ziel es ist, dass wir richtig Alarm bei den Löwen auslösen. Wenn 1860 gegen uns verliert, ist bei denen der Teufel los."
SPORT1 blickt auf die weiteren Pokal-Highlights am Dienstag:
VfR Aalen - Borussia Dortmund
Der Teufel los ist beim VfR Aalen - und zwar im positiven Sinne.
Immerhin trifft der Zweitliga-Aufsteiger am Abend vor ausverkauftem Haus auf den amtierenden Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).
"Die Chance, gegen so eine Mannschaft zu spielen, bekommst du nicht oft", freut sich Kapitän Leandro auf die bevorstehende Aufgabe, über deren Schwere er sich aber durchaus bewusst ist:
"Wir sind realistisch und wissen, dass wir mindestens 120 Prozent geben müssen."
Wiedersehen alter Bekannter
Auch für die beiden Trainer ist das Duell zwischen dem VfR und dem BVB etwas Besonderes.
So freut sich der gebürtige Schwabe und aktuelle Dortmund-Trainer Jürgen Klopp "sehr auf den Besuch in Aalen, zumal ich nicht mehr so häufig die Gelegenheit habe, daheim zu sein."
Und Aalens Coach Ralph Hasenhüttl, der gemeinsam mit Klopp den Trainerschein gemacht hat, will "den Gegner, der übermächtig scheint" so gut es geht ärgern.
Die Tatsache, dass den Dortmundern mit Sven Bender (Wadenverletzung) ein kampfstarker Mittelfeldspieler fehlt, kann Hasenhüttl dabei nur recht sein ( NEWS: BVB weiter ohne Bender).
FC Schalke 04 - SV Sandhausen
Auch der SV Sandhausen reist als klarer Außenseiter zum FC Schalke 04 (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER).
In der laufenden Zweitliga-Saison ist das Team von Trainer Gerd Dais auswärts noch ohne Sieg, die Königsblauen hingegen feierten in der Bundesliga zuletzt gleich drei Dreier in Serie.
Die Hoffnungen von SVS-Torhüter Daniel Ischdonat, nach dem sensationellen 1:0-Erfolg mit Eintracht Trier in der Saison 1997/1998 den Schalkern erneut ein Bein stellen zu können, halten sich dementsprechend in Grenzen.
Dennoch betont er: "Wir haben überhaupt nichts zu verlieren, aber vieles zu gewinnen."
TSV Havelse - VfL Bochum
Gewinnen will auch der VfL Bochum in seinem ersten Spiel nach der Entlassung von Trainer Andreas Bergmann.
"Man spürt, dass die Mannschaft den Willen hat, die Dinge wieder in die richtige Richtung zu rücken", betont der bisherige Co-Trainer Karsten Neitzel vor der Partie beim TSV Havelse (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER), bei der er gemeinsam mit Thomas Reis auf der Bochumer Bank Platz nehmen wird.
Dass die Aufgabe in Havelse für den VfL allerdings alles andere als einfach wird, belegt die bisherige Saisonbilanz des Regionalligisten. So holte der TSV aus den ersten acht Ligaspielen 20 von 24 Punkten möglichen Punkten, in der ersten Pokalrunde schmiss er den 1. FC Nürnberg aus dem Rennen.


