Kalter Colt und heiße Herzen
Hannover - Ron-Robert Zieler wusste genau, bei wem er sich zu bedanken hatte.
"Der Colt hat vor dem Elfmeterschießen mit mir gesprochen und mir ein paar Tipps gegeben", sagte der Keeper von Hannover 96 mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.
Genau wie vor 20 Jahren, als sein jetziger Torwarttrainer Jörg "Colt" Sievers im Finale von Berlin mit zwei gehaltenen Strafstößen zum hannoverschen Pokalhelden avanciert war, hatte der Nationaltorhüter beim 5:4 im Pokalkrimi gegen Dynamo Dresden ( Bericht) zwei Elfmeter pariert (DIASHOW: Die Bilder der 2. Runde).
Unbeeindruckt von den Debatten
Eine besondere Genugtuung war der Zittersieg vor allem für den zuletzt patzenden Schlussmann selbst ( DATENCENTER: Die Spiele der 2. Runde).
Seinen Paraden war es auch vorher schon zu verdanken, dass Dresden nach dem frühen Rückstand durch Stürmer Mame Diouf (15. ) trotz guter Chancen nur noch der Ausgleich durch Romain Bregerie (28.) gelang.
"Das ist Fußball", meinte Zieler mit Blick auf seine vorherigen Pannen - und die danach aufkommenden Diskussionen über seinen Rang im Nationalteam: "Ich kenne meine Qualitäten und weiß, was ich kann. Nach dem Gladbach-Spiel habe ich nur nach vorne geschaut, das Geschäft ist halt sehr schnelllebig."
Die Nerven halten
Nach den durchwachsenen Leistungen der Vorwochen war die Erleichterung auch bei den anderen 96-Profis allgegenwärtig.
Drei Tage nach dem 2:3 gegen Borussia Mönchengladbach, der ersten Heimpleite seit 22 Bundesliga-Spielen, präsentierten sich die Niedersachsen zwar keinesfalls in Top-Form, dafür hielten am Ende mal wieder die Nerven.
Auch Ausschreitungen vor der Partie - gewaltbereite Dresdner Fans stürmten die Stadioneingänge - es gab neun Verletzte und drei Festnahmen - waren zumindest für die 96-Spieler keine Ablenkung.
Diego stichelt weiter gegen Magath
Weiter den süßen Geschmack des lange vermissten Erfolgs genießt Ex-Meister VfL Wolfsburg nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel unter Interimscoach Lorenz-Günther Köstner.
Spielmacher und Torschütze Diego nutzte das 2:0 gegen Zweitligist FSV Frankfurt ( Bericht) denn auch zu einer indirekten Breitseite gegen den ungeliebten Ex-Trainer-Manager Felix Magath:
"Wir sind auf dem richtigen Weg. Der Trainer gibt uns Selbstvertrauen und die Richtung vor. Das macht den Unterschied."
Labbadias Liebeserklärung
Beim VfB Stuttgart ist es der Trainer selbst, der seinem Arbeitgeber schmachtet.
Der 3:0-Sieg gegen Zweitligist FC St. Pauli ( Bericht) ließ die Erinnerungen an den rabenschwarzen Saisonstart weiter verblassen und den Coach nur knapp vier Wochen nach einer Wutrede sogar schon über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages sinnieren.
"Ich habe viel Zuneigung und Gefühle für den Verein entwickelt, weil die letzten 23 Monate unheimlich intensiv waren."
Labbadia vergaß dabei nicht, auf die Schattenseiten hinzuweisen: "Wenn einer total verliebt ist, ist er verletzbar."
Er sei "verwundert" gewesen, "wie schnell der Kredit verloren gegangen ist. Ich hätte aus allen Bereichen erwartet, dass man mehr Vertrauen hat."
Bayer hadert, Völler tobt
Bayer Leverkusen hadert derweil mit den Folgen des in 120 Minuten erkämpften 3:2-Siegs bei Drittligist Arminia Bielefeld ( Bericht).
Ömer Toprak brach sich das Nasenbein, Lars Bender zog sich Gesichtsprellungen zu, Außenverteidiger Daniel Schwaab bei einem groben Einsteigen von Gegenspieler Dennis Riemer einen Bänderriss im Sprunggelenk.
"Das Foul an Schwaab war natürlich Wahnsinn", ärgerte sich Bayers Sportchef Rudi Völler: "Ich bin erschrocken, als ich es nochmal im Fernsehen gesehen habe. Das war eine knallrote Karte." Eine solche Aktion habe "auf dem Fußballplatz nichts zu suchen".
Gleichwohl herrschte bei den Rheinländern Zufriedenheit über den Siegtreffer von Nationalspieler Andre Schürrle (94.).
"Charaktertest bestanden", bilanzierte Völler.
Zwei Underdogs dürfen träumen
Das können auch die beiden letzten verbliebenen Underdogs von sich behaupten.
Der Karlsruher SC, der MSV Duisburg mit 1:0 besiegte, und die Kickers Offenbach, die Union Berlin mit 2:0 aus dem Wettbewerb warfen ( Bericht), vertreten auch im Achtelfinale noch die Farben der Dritten Liga (DIASHOW: Die größten Pokal-Sensationen).
Beide dürfen am Sonntag bei der Auslosung noch von einem lukrativen Duell mit Top-Teams wie Bayern, Dortmund oder Schalke träumen.


