

Ribery-Rot trübt Bayerns Weiterkommen
Aus Augsburg berichtet Christian Paschwitz
Augsburg - Weihnachten und 2013 mit dem Tanz auf drei Hochzeiten können kommen für den Rekordmeister:
Dank eines souveränen 2:0 (1:0) beim FC Augsburg ist der FC Bayern ins DFB-Pokal-Viertelfinale eingezogen und hat sich damit einen perfekten Jahresabschluss beschert. ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Nach dem Weiterkommen in der Champions League und der Herbstmeisterschaft ebnete Mario Gomez den Bayern mit seinem Tor (26.) den Sprung in die nächste Runde.
Xherdan Shaqiri entschied das zweite Freistaat-Derby binnen zehn Tagen in der Schlussphase (85.), während die Schwaben gegen den großen Nachbarn aus München weiter auf den ersten Sieg seit 51 Jahren warten müssen.
Riberys Rot betrübt Bayern
Und doch trübte der Platzverweis für Franck Ribery den Auftritt der Bayern.
Der Franzose hatte sich gegen Ja-Cheol Koo zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen, den Südkoreaner getreten und kräftig ins Gesicht gegriffen (48.). Koo hatte ihm zuvor Gleiches angetan - indes weniger heftig.
"Die Rote Karte ist vertretbar", räumte Bayern-Coach Jupp Heynckes ein.
In Unterzahl wurde der Sieg somit noch mal zu einer leicht zittrigen Angelegenheit. (DIASHOW: Das DFB-Pokal-Achtelfinale)
Sammers Warnung fast ungehört
Zuvor hatte sich der in der ersten Halbzeit recht spröde zu Werke gehende FCB schon bei Torhüter Manuel Neuer bedanken dürfen, dass es vor der Pause keine Gegentreffer setzte.
Dabei hatte Sport-Vorstand Matthias Sammer vor der Partie betont, dass es für den FC Bayern "eine verantwortungsvolle Aufgabe" sei, das Spiel zu gewinnen.
Doch zunächst einmal hatten die Münchner gegen die aggressiv verteidigenden Augsburger Mühe, überhaupt ins Spiel zu kommen.
Neuer reagiert zweimal glänzend
Den Aktionen fehlte das Tempo, um den FCA in Verlegenheit zu bringen. Und hätte Neuer nicht zweimal glänzend reagiert, wäre das Duell womöglich zu einem echten Pokal-Fight geworden, auf den Augsburgs Coach Markus Weinzierl schon vor Anpfiff gehofft hatte.
Der Nationalkeeper lenkte erst einen durch Dante leicht abgefälschten Schuss von Koo mit einer Weltklasseparade an den linken Pfosten (8.). Vier Minuten vor der Pause hielt Neuer sein Team dann mit einer Parade nach Sascha Mölders Schuss im Spiel.
"Wir sind enttäuscht. Wir waren gut im Spiel und haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt. Wir hatten da drei klare Chancen und liegen dennoch mit 0:1 zurück. Wir haben Bayern München einen großen Kampf geboten", meinte Augsburgs Trainer Markus Weinzierl.
Insgesamt fehlte dem FCA aber die Durchschlagskraft.
Manninger im FCA-Tor
Nach schläfrigem Beginn agierte das Heynckes-Team wacher.
Die erste Möglichkeit hatte Bastian Schweinsteiger (12.), der mit einem Flachschuss sein Ziel ebenso verfehlte wie wenige Augenblicke darauf Shaqiri.
In der 15. Minute konnte FCA-Torwart Alexander Manninger, sonst die Nummer drei hinter den verletzten Simon Jentzsch und Mohamed Amsif, erstmals eingreifen:
Bei einem Schuss von Ribery hatte der Österreicher aber keine Mühe.
Mölders und Werner im Pech
Die Augsburger, die vor eineinhalb Wochen in der Liga noch mit 0:2 gegen die Bayern verloren hatten, versteckten sich aber keineswegs und brachten die wenig souveräne Münchner Defensive, in der Daniel van Buyten den kurzfristig erkrankten Jerome Boateng ersetzte, ab und an in Bedrängnis.
So waren Mölders und Tobias Werner nach einer Hereingabe von Daniel Baier nahe am 1:0 für die Gastgeber (18.).
Gomez wieder mal zu Stelle
Das gelang dann auf der anderen Seite Gomez:
Nach starker Vorarbeit von Ribery, der auf dem linken Flügel Ronny Philp alt aussehen ließ, war der 27-Jährige zur Stelle und spitzelte den Ball aus kurzer Distanz ins Tor.
Für Gomez war es seit seinem Comeback nach monatelanger Pause der vierte Treffer.
Tymoshchuk-Tor verweigert
Aufregung gab es nochmal kurz vor dem Seitenwechsel: Thorsten Kinhöfer verweigerte den Bayern das 2:0.
Nach einem Schuss von Anatoliy Tymoshchuk hatte der Ball klar die Linie überquert, der Schiedsrichter übersah das jedoch.
"Der vierte Schiedsrichter sollte nicht auf die Trainerbank schauen, sondern auf einen Monitor. Dann hätte er das gesehen", forderte Heynckes den Videobeweis.
Allerdings sah der 67-Jährige auch die Leistung seines Teams kritisch: "In der ersten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt. Das Umschaltspiel hat nicht funktioniert. Nach so vielen Spielen ist das aber verständlich."
Dante an die Hand - aber kein Elfer
In der zweiten Halbzeit wurde es dann ruppig - und nach Riberys vorzeitigem Abgang teilweise spannend:
Augsburg forderte einen Strafstoß, nachdem Dante eine Werner-Hereingabe an die Hand gesprungen war, der fällige Schiedsrichter-Pfiff aber ausblieb (53.)
Kurz darauf leistete sich Dante erneut ein Handspiel. Den folgenden Freistoß zentral aus 20 Metern setzte Jan-Ingwer Callsen-Bracker in die Mauer (63.).
Schweinsteiger verpasst Vorentscheidung
Die Bayern verlegten sich zusehends aufs Kontern:
Nach einem starken Pass von Toni Kroos zögerte Schweinsteiger aus halbrechter Position zu lange - Klavan grätschte den Ball weg (63.).
Shaqiris abgefälschter Ball touchierte zudem den Querbalken (78.).
Der FCA versuchte, weiter zu pressen, blieb aber ohne Durchschlagskraft gegen die clever verteidigenden Bayern mit den inzwischen eingewechselten Javier Martinez, Mario Mandzukic und Thomas Müller.
Mandzukic pfui, Shaqiri hui
Eine Schrecksekunde gab es dann doch noch einmal:
Neuer reagierte nach Werners Flanke auf Torsten Oehrl auf den langen Pfosten wiederholt glänzend (78.).
Nachdem der frei durchgebrochene Mandzukic dann im Eins-gegen-Eins gegen Manninger versäumte, vorzeitig den Deckel drauf zu machen (80.), machte Shaqiri alles klar:
Nach Müllers Hereingabe vom linken Flügel ließ sich der Schweizer nicht lumpen und schob gegen die Laufrichtung des Keepers ein (85.).


