

Streitfall Ribery: Heynckes motzt, Sammer verteidigt
Aus Augsburg berichtet
Christian Paschwitz
Augsburg - Die Hauptperson suchte kommentarlos nur noch schnell das Weite.
Mit hochgekrempelten Hosenbeinen des Trainingsanzugs eilte Franck Ribery nach dem 2:0 (1:0) im DFB-Pokal beim FC Augsburg ( Spielbericht) hastig durch die Stadion-Katakomben in Richtung Mannschaftsbus.
Der Rot-Sünder des FC Bayern wollte bloß noch weg.
Freude oder Erleichterung über den Viertelfinal-Einzug war nicht zu erkennen.
Rummenigge attackiert Referee
Auch bei den übrigen Protagonisten des FC Bayern überwog mehr Frust denn Freude.
Wobei man sich beim Rekordmeister hinterher nicht wirklich darüber einig war, wer denn nun eigentlich verantwortlich sein sollte für diese unrühmlichen Begleitumstände beim Jahres-Kehraus.
Während Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge in Schiedsrichter Torsten Kinhöfer schnell einen Sündenbock gefunden hatte und gar einen Freispruch für Ribery forderte ( Interview) wie unlängst bei Dortmunds Marcel Schmelzer ("Ich erwarte vom DFB gleiches Recht für alle"), nahm sich Jupp Heynckes vielmehr seinen Spieler zur Brust.
Heynckes sauer auf Ribery
"So einem Klasse-Spieler darf das nicht passieren. Der muss so was cool wegstecken und zur Tagesordnung übergehen", kritisierte der Bayern-Coach. "Die Rote Karte ist vertretbar. Da gibt es gar nichts zu diskutieren." (DIASHOW: Das DFB-Pokal-Achtelfinale).
Bastian Schweinsteiger sah es ähnlich, wenn auch mit leichtem Verständnis für Ribery:
"Das darf eigentlich nicht passieren. Aber es ist nicht so einfach, sich da zu beherrschen, wenn man provoziert wird. Solche Situationen gehen häufig vom provozierenden Spieler aus - das war Koo."
Rot nach Tätlichkeit gegen Koo
Rückblende: Es lief die 48. Minute, als Augsburgs Ja-Cheol Koo als Reaktion auf ein Ribery-Foul dem Franzosen mit der flachen Hand durchs Gesicht wischte.
Was der mit der gleichen Handgreiflichkeit beantwortete - allerdings weitaus heftiger als der Südkoreaner zuvor.
Folge: Ribery sah nicht unerwartet den roten Karton, Provokateur Koo dagegen kam mit Gelb davon.
Auch Sammer bedient
Das war auch für Matthias Sammer nur schwer einzusehen.
"Für mich war das keine Rote Karte. Oder wenn, dann ein bisschen für beide", haderte Bayerns Sportvorstand, jedoch etwas gemäßigter als Rummenigge. "Das Ziel des Gegenspielers war von der ersten Sekunde an erkennbar. Dass es letztlich erreicht wurde, müssen wir uns ankreiden."
Was Sammer dem Unparteiischen viel mehr als den Platzverweis anlastete, war ein nicht gegebener Treffer von Anatoliy Tymoshchuk (44.) sowie die nach seiner Meinung beim Gastgeber nicht geahndeten taktischen Fouls in der zweiten Halbzeit:
"Das war so ein bisschen wie Weihnachten", stichelte Sammer.
Gomez und Shaqiri treffen
Dass auch die dezimierten Bayern am Ende zufrieden den Festtagen entgegensehen konnten gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden FCA, lag einmal mehr an den Vollstrecker-Qualitäten von Mario Gomez (26.) und von Xherdan Shaqiri (85.).
Manuel Neuer wiederum war der Garant dafür, dass hinten die Null hielt. ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Der Nationalkeeper parierte glänzend, als er Koos Schuss (8.) an den Pfosten lenkte und später gegen Sascha Mölders (41.) und Torsten Oehrl (78.) zur Stelle war.
"Das war sicherlich Weltklasse", lobte Shaqiri. "Nach der Roten Karte haben wir noch mal zugelegt und vor allem defensiv gute Arbeit geleistet."
Schweinsteiger: Zu zehnt besser
Auch Schweinsteiger meinte: "Ich hatte nach der Roten Karte das Gefühl, dass wir zu zehnt besser gestanden haben."
Die Augsburger dagegen haderten ob der ungenutzten numerischen Überlegenheit.
"In der ersten Halbzeit hatten wir die klaren Chancen auf unserer Seite", so Kapitän Daniel Baier. "In der zweiten Hälfte hatten wir kaum noch klare Chancen. Wir konnten mit der Überzahl nicht umgehen."
Was wird aus Weinzierl?
Fraglich ist, wie die in der Liga stark abstiegsgefährdeten Schwaben nun mit Markus Weinzierl umgehen.
Es darf bezweifelt werden, dass der Erfolglos-Coach auch in der Rückrunde die sportliche Geschicke wird lenken dürfen.
Ungeachtet der gereizten Reaktion von Manager Jürgen Rollmann auf Fragen nach Weinzierls Zukunft: "Das nach so einem Pokal-Kampf zum Thema zu machen, ist unverschämt."
Verwunderung über FCA-Krise
Ein Bekenntnis gab es kurioserweise vom Gegner:
"Ich wünsche Augsburg und Markus Weinzierl, dass sie in der Bundesliga bleiben", sagte Schweinsteiger.
"Sie haben die Qualität dazu, und mich wundert es, dass sie in der Tabelle so weit unten stehen. Die Mannschaft gehört so um Platz zehn."
Müller verlängert bis 2017
Bis Juni 2017 will unterdessen Thomas Müller zu den Bayern gehören:
"Wir sind froh, dass wir den ohnehin bis 2015 laufenden Vertrag vorzeitig um zwei Jahre verlängern konnten. Das ist auch ein Beweis dafür, wie sehr Thomas Müller zum FC Bayern steht", sagte Rummenigge-
Der Müller spielt seinem elften Lebensjahr bei den Münchnern. In der laufenden Spielzeit gehörte der 23-Jährige, der zwischendurch mit einem Wechsel ins Ausland kokettiert hatte, zu den Aktivposten beim Bundesliga-Spitzenreiter.
Müller absolviert momentan seine beste Saison überhaupt: In 25 Pflichtspielen war er an 21 Treffern beteiligt, erzielte 13 Tore selbst und gab zudem acht Vorlagen.


