Wölfe hungrig: Nicht als Touristen nach Berlin
Von Frank Hellmann
Offenbach - Der Auftrag an Timo Glock und Andreas Köpke ist klar formuliert: Wenn der Rennfahrer und der Bundestorwarttrainer am Sonntag vor einem Glasgefäß stehen und die vier Lose für das DFB-Pokal-Halbfinale am 16. und 17. April ziehen, dann bitteschön zuerst den VfL Wolfsburg.
"Wenn ich einen Wunsch habe, dann den, dass wir erstmal zuhause spielen", sagt Manager Klaus Allofs. Und sein Stürmer Ivica Olic ging nach dem schwer erkämpften 2:1 bei den Offenbacher Kickers (Bericht) noch einen Schritt weiter: "Gegen den SC Freiburg wäre gut."
So fokussiert die Wolfsburger Protagonisten am Dienstagabend ihre Begehrlichkeiten für den Weg ins Endspiel nach Berlin formuliert haben, so konzentriert erledigten Spieler und Trainer des VfL auch die Pflichtaufgabe im Viertelfinale beim Favoritenschreck.
"Wir haben hart gearbeitet und Geduld gehabt", konstatierte Trainer Dieter Hecking zufrieden. ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Glanzloser Erfolg auf morastigem Boden
Der glanzlose Erfolg auf morastigem Boden am Bieberer Berg – durch Tore von Ivica Olic (50.) und Bas Dost (71.) bei einem Gegentreffer von Marcel Stadel (81.) – fiel ganz nach Geschmack des gebürtigen Westfalen aus.
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen lautet die Vorgabe von Trainer Dieter Hecking, der vor allem Ordnung, Disziplin und Eifer schätzt, weil das eben die Elementartugenden sind, um solche schmucklosen Fußballspiele zu gewinnen.
"Kein super Spiel", hatte auch Torschütze Dost gesehen, "aber jetzt sind wir in der Nähe von Berlin - da müssen wir hin."
Wolfsburg träumt von Berlin
Der niederländische Schlaks mit dem ulkigen Bart hat sich von Sturmkollege Patrick Helmes erzählen lassen, wie elektrisiert die deutsche Hauptstadt von seinem Pokalendspiel ist, und die Brasilianer Diego und Naldo haben ihm aus ihren Bremer Zeiten vorgeschwärmt, wie es sich anfühlt, diese Trophäe in den Nachthimmel zu stemmen und eine rauschende Party zu feiern.
"Das wollen wir nachmachen."
Mag Geschäftsführer Klaus Allofs bei Amtsantritt eine neue Bescheidenheit ausgerufen und Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz die Vorgabe gemacht haben, in erster Linie "ein sympathischer Verein" zu werden, so ist auch klar: mit einem Pokalsieg würden auf einmal alle Wunden dieser durchwachsenen Saison verheilen.
Hecking: "Wollen den Pokal"
"Wir müssen gar nichts kaschieren, weil das zwei Wettbewerbe sind", sagt Hecking zwar, aber als eine Replik der mit Turmalinen und Bergkristallen besetzten Trophäe im Fernsehinterview vor ihm stand, zeigte der gebürtige Westfale drauf und rief aus: "Den wollen wir haben."
Das hatte der 48-Jährige schon in der Pressekonferenz am Montag getan, und das Unverständnis darüber konnte er nun gar nicht teilen.
"Das ärgert mich. Wenn ich ein Viertelfinale spiele, will ich ins Halbfinale, das ist doch klar. Und wenn wir in Berlin wären, will ich auch den Pokal gewinnen", erläuterte Hecking. "Als Tourist reise ich da nicht hin."
Allofs pflichtet Hecking bei
Sein Kompagnon Allofs, der zu Hecking offenbar ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis wie einst zu Thomas Schaaf aufbaut, steht ihm vollumfänglich bei. "Der Pokal ist besonders wichtig, wenn anderswo die Dinge nicht so laufen und man international nicht dabei ist", erzählte Allofs.
Werder Bremen gelang es beispielsweise 2009, eine missratene Bundesligasaison mit einem formidablen Pokalsieg gegen Bayer Leverkusen aufzuhübschen.
Allofs sah deshalb den Sieg in Offenbach als "kleinen Schritt nach vorne an, weil jeder wusste, worum es geht." Und was die Imageverbesserung angeht: "Das ist kein Sprint, sondern ein langer Weg."
Keine Angst vor Bayern und Dortmund
Der 56-Jährige fürchtet sich übrigens auch vor dem FC Bayern oder Borussia Dortmund als nächsten Gegner nicht.
Allofs zu SPORT1: "Bayern und Dortmund sind die herausragenden Mannschaften, aber die Geschichte des DFB-Pokals hat gezeigt, dass nicht immer die Großen gewinnen. Da muss noch nichts eingraviert werden."
Käme der Name VfL Wolfsburg dazu, wäre das auf dem Goldstück übrigens ein Novum: Bislang standen die Niedersachsen nur einmal im Finale.
1995 unterlag Wolfsburg allerdings Mönchengladbach deutlich mit 0:3, neben Martin Dahlin und Heiko Herrlich erzielte der spätere Wolfsburger Stefan Effenberg einen vorentscheidenden Treffer.


