

Tuchel deeskaliert - Dutt lobt
Mainz - Der Sportchef des DFB war begeistert.
"Ein Highlight", schwärmte Robin Dutt gegenüber SPORT1 vom 3:2-Pokal-Coup des SC Freiburg bei Mainz 05 ( Bericht): "0:2 zurück zu liegen, in der 90. Minute den Ausgleich zu machen und dann in der Verlängerung den Siegtreffer - das ist ein Pokalspiel pur." (DIASHOW: Bilder des Spiels)
Freude darüber, dass Thomas Tuchel der Leidtragende war, sprach nicht aus dem früheren Freiburger Trainer - trotz des Aufruhrs, den der Mainz-Coach am Tag zuvor mit seiner Generalkritik an den Schiedsrichtern im Verband ausgelöst hatte:
"Er ist ein toller Typ, ein emotionaler Typ, der seine Meinung äußert – solche Typen brauchen wir in der Bundesliga! Es ist doch interessant, wenn Trainer immer mal wieder für Diskussionen sorgen."
Weiterführen wollte Tuchel die Diskussion nach der Pleite aber nicht. Einzig und allein mit seinem Team ging er hinterher ins Gericht.
Tuchel hält sich zurück
"Der Deckel war so was von drauf auf diesem Spiel, wie er fester nicht hätte sein können", sagte Tuchel nach dem 2:3 (2:2, 2:0) nach Verlängerung und ließ keinerlei Raum für Spekulationen: "Nur wir haben ihn wieder geöffnet. Sonst niemand." ( DATENCENTER: DFB-Pokal)
Dabei hatten die ereignisreichen 120 Minuten mit einer frühen Mainzer 2:0-Führung nach knapp vier Minuten genug Stoff für eine Fortsetzung der Tuchel'schen Verschwörungstheorie ("Meine Mannschaft wird krass benachteiligt") geboten.
Davon wollte der sichtlich um Deeskalation bemühte FSV-Coach zumindest öffentlich nichts wissen. Sowohl die Gelb-Rote Karte für Verteidiger Zdenek Pospech (65.) als auch der Elfmeter nach einem Foul von Radoslav Zabavnik an Ivan Santini (90.+3), den Daniel Caligiuri zum Freiburger Ausgleich nutzte, machte Tuchel nicht an Referee Deniz Aytekin fest.
Heidel glättet die Wogen
Den vielleicht spielentscheidenden Platzverweis wertete er als "berechtigt".
Und auch bei der Beurteilung des umstrittenen Strafstoßes verzichtete Tuchel auf Kritik am Schiedsrichter. "Da sind wir im Zweikampf ein Risiko gegangen, das nicht nötig und grob fahrlässig war", sagte der gebürtige Schwabe, der mit Blick auf seinen verbalen Frontalangriff beteuerte: "Dahinter steckte kein Kalkül. Es ging mir nicht darum, Schiedsrichter zu beeinflussen."
Devise: Wogenglätten
Auch FSV-Manager Christian Heidel und Präsident Harald Strutz bemühten sich, die durch Tuchels Verbalattacke entstandenen Wogen ein wenig zu glätten.
"Auch ohne diese ganze Diskussion hätte der Schiedsrichter den Elfmeter gegeben", sagte Heidel. Will heißen: Rückendeckung für Tuchel - und keine Gedanken an Unparteiische, die nun als "Racheengel" auftreten könnten.
"Ich sehe durch seine Ausführungen keinen Nachteil für den Verein. Thomas hat das Recht dazu, etwas zu analysieren und zu artikulieren. Er ist ja kein Leibeigener, sondern unser Trainer", sagte auch FSV-Präsident Harald Strutz - auch wenn er weiß, dass "wir die Diskussion jetzt haben".
Freiburg überglücklich
Die Freiburger Profis sprangen zur gleichen Zeit nach dem ersten Halbfinal-Einzug der Vereinsgeschichte wie kleine Kinder durch die Mixed Zone.
"Ich bin zehn Kilogramm leichter nach dem Stress. Unglaublich, wie wir zurückgekommen sind", sagte Keeper Oliver Baumann nach der Aufholjagd in Überzahl.
Der Vorstandsvorsitzende Fritz Keller klagte nach dem vorläufigen Saisonhöhepunkt des Überraschungsteams scherzhaft über "Herzrhythmusstörungen" und meinte: "Halbfinale - ich weiß gar nicht, wie das geschrieben wird. "
Huldigungen für Streich
Der überragende Doppeltorschütze Daniel Caligiuri, dem in der 108. Minute der Siegtreffer gelungen war, wies auf den großen Anteil von Trainer Christian Streich an der "Traumsaison" hin.
"Er war trotz des 0:2-Rückstandes ganz lässig in der Halbzeit. Der Coach hat mal wieder bewiesen, dass er ein richtiger Motivationslehrer ist", sagte Caligiuri, der die extrovertierte Art von Streich an der Seitenlinie mag: "Mich motiviert das sehr."
Seinen vier Jahre älteren Bruder Marco, der für den FSV Mainz 05 spielt, nahm Daniel Caligiuri nach dem Abpfiff tröstend in den Arm. "Er bekommt eine Karte für das Halbfinale", sagte der Freiburger mit einem Augenzwinkern.
Im K.o.-Spiel um die Reise nach Berlin wünscht sich der Tabellenfünfte nach elf Auswärtsspielen in Serie endlich das erste Cup-Heimspiel seit 2009. Dies würde zudem eine Summe von 1,891 Millionen Euro in die Kasse der Breisgauer spülen.


