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Marco Pezzaiuoli war 1999 bis 2000 unter Jogi Löw Jugendkoordinator des KSC © getty

Vorm Enspiel der U-17-EM gegen die Niederlande spricht DFB-Trainer Marco Pezzaiuoli im Interview über Wege in den Profifußball.

Von Mathias Frohnapfel

München - Eine U-17-EM ist sportlicher Wettkampf, klar. Doch zugleich ist sie eine wunderbare Schaubühne für die Talentspäher europäischer Top-Vereine.

Die Nachwuchskicker Deutschlands und der Niederlande, die am Montag in Magdeburg den Euorpameister (ab 11 Uhr LIVESCORES) ermitteln, wissen das. Und es motiviert sie.

Aktuell saugt die Premier League wie mit ein mächtiger Magnet Talente aus dem Ausland an.

Auch Christopher Buchtmann hat sich für diesen Weg entschieden. Er wagte von Borussia Dortmund den Wechsel in die Jugend des FC Liverpool. Sein Nationalteamkollege Mustafi folgt ihm jetzt nach, geht im Sommer vom Hamburger SV zum FC Everton.

U-17-Trainer Marco Pezzaiuoli macht diese Entwicklung keine Sorge, es gebe noch immer genug Rohdiamanten bei deutschen Klubs.

Im Sport1.de-Interview spricht Pezzaiuoli über die Entscheidung Karrierestart im Ausland oder Deutschland und darüber, was seine Spieler neben dem Sportlichen während der U17-EM lernen können.

Sport1.de: Herr Pezzaiuoli, Ihr Mittelfeldspieler Christopher Buchtmann gehört zur Jugend des FC Liverpool, Mustafi wechselt im Sommer vom HSV zu Everton auf die Insel. Haben Sie Angst, dass die Bundesliga ihre Top-Talente verliert?

Pezzaiuoli: Nein, das sind zwei Spieler, die diesen Weg gehen. Es gibt genug deutsche Spieler, die in ihrem Bundesliga-Verein bleiben und da gut gefördert werden.

Sport1.de: Ist der Sprung mit 16 Jahren ins Ausland nicht zu früh?

Pezzaiuoli: Man darf das nicht verallgemeinern. Man muss jeden Spieler individuell sehen. Im Fall von Christopher Buchtmann ist es so, dass seine Persönlichkeitsentwicklung bis dato sehr positiv war. Das hätte aber in seinem ehemaligen Verein genauso sein können.

Sport.de: Worauf kommt es denn an?

Pezzaiuoli: Man muss schauen, wie die Perspektiven im Aktiven-Bereich sind. Das muss jeder Spieler für sich selbst abwägen. Auch in Deutschland gehen viele junge Spieler weg von ihren Eltern hin zu Großvereinen. Es ist entscheidend, wie die Betreuung dort ist.

Sport1.de: Aber ist der Sprung nach England nicht größer, weil die Teenager dort eine andere Sprache und auch eine andere Fußballkultur erwarten?

Pezzaiuoli: Jeder Bundesliga-Verein, aber auch jeder ausländische Klub hat eine eigene Philosophie. Das prägt jeden Spieler. Die Fremdsprache ist sicher auch förderlich. Rein sportlich gesehen, muss man keine großen Unterschiede machen, ob man im Ausland oder Deutschland tätig ist.

Sport1.de: Spricht das nicht gegen die Nachwuchsarbeit der deutschen Klubs, wenn junge Talente die Premier League vorziehen?

Pezzaiuoli: Mit Sicherheit nicht. Warum so negativ? Das wird es immer geben.

Sport1.de: Früher gingen Profis vielleicht mit Mitte 20 ins Ausland, jetzt sind es schon Jugendspieler. Hat das auch etwas mit dem veränderten Wirtschaftsleben und der Globalisierung zu tun?

Pezzaiuoli: Ich denke nicht. Für die Bundesliga-Vereine ist es nicht negativ, es gibt genug Talente. Für die Spieler kann es positiv sein, wenn sie wie Hitzlsperger oder Huth den Sprung nach oben schaffen. Aber es gibt auch Negativbeispiele von Spielern, die es nicht schaffen und in Deutschland dann vielleicht in Amateurligen aktiv sind.

Sport1.de: Mit zunehmender Dauer der U-17-EM steigt das Medieninteresse. Müssen Sie ihre Spieler schützen, ihnen jetzt viel erklären?

Pezzaiuoli: Das haben wir im Vorfeld getan. Bisher gehen sie sehr gut damit um. Das ist ja auch ein Entwicklungsprozess, der nicht nur das Sportliche, sondern auch die persönliche Entwicklung betrifft.

Sport1.de: Außerdem sind viele Späher vor Ort. Erhöht das den Druck auf die jungen Spieler?

Pezzaiuoli: Ich denke nicht. Denn was gibt es Schöneres für einen jungen Spieler als sich zu präsentieren mit guten Leistungen? Letztendlich haben aber alle Spieler gute Verträge in ihren Heimatvereinen. Ich glaube, dass sie da ganz gut aufgehoben sind.

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