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Joachim Löw ist seit dem 1. August 2006 Trainer der deutschen Nationalmannschaft © getty

Der Bundestrainer steht weiter voll hinter der Reise. Während Löw an Gomez festhält, ist für einen Schalker die Tür endgültig zu.

Frankfurt/Main - Bundestrainer Joachim Löw hat die Asien-Reise gegen die Kritiker verteidigt, Kapitän Michael Ballack genauso wie Lukas Podolski in die Pflicht genommen und dem deutschen Fußball weiterhin großen Nachholbedarf attestiert.

"Als wir diese Reise im vergangenen Jahr beschlossen haben, war das im Sinne der Bundesliga und auch mit der Deutschen Fußball Liga einvernehmlich abgestimmt, weil der chinesische Markt aus wirtschaftlichen Gründen wichtig ist", sagte Löw in einem Interview mit Zeitungen der "WAZ-Gruppe".

Zudem sei die achttägige Reise vom 26. Mai bis 3. Juni mit Gastspielen in Shanghai gegen China und in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate eine "politische Entscheidung" gewesen.

Ohrfeige war "verheerend"

In die Pflicht nahm der Bundestrainer unterdessen seinen Kapitän Ballack vom FC Chelsea.

"Michael Ballack ist die Führungspersönlichkeit bei uns. Er kann junge Spieler integrieren, zusammenführen, ihnen Tipps geben. Die sind wertvoll, die Spieler hören nämlich auf ihn", sagte Löw und fügte hinzu: "Aber sie müssen auch das Gefühl haben: Unser Kapitän steht auch in schwierigen Momenten hinter uns."

Dass Lukas Podolski sich im WM-Qualifikationsspiel gegen Wales zu einer Ohrfeige gegen Ballack hinreißen ließ, bewertete der Trainer als "verheerend."

Er habe dem Bayern-Stürmer gesagt: "Dein Kredit ist aufgebraucht. Letzte Chance." Allerdings habe ein Spieler wie Podolski, der sich im Kreis der Nationalelf ansonsten stets positiv und sozial verhalten habe, bei ihm immer eine zweite Chance.

Kuranyi nie wieder im DFB-Team

Im Unterschied dazu ist die Tür für Kevin Kuranyi von Schalke 04 endgültig zu.

"Affekthandlung und geplante Handlung, das ist für mich etwas völlig unterschiedliches. Ich hatte ihm ja mittags gesagt, dass er nicht spielen wird, und ich kann mich schon daran erinnern, was er geantwortet hat: Dass er dann nach Hause fährt."

Kuranyi hatte bei der WM-Qualifikationspartie gegen Russland das Stadion in Dortmund verlassen, weil er auf der Tribüne Platz nehmen musste.

Löw setzt auf Gomez

Ganz sicher weiter festhalten wird der Coach dagegen am im DFB-Dress zuletzt glücklosen Mario Gomez vom VfB Stuttgart:

"Bei ihm bin ich von seinen Qualitäten überzeugt. Er ist schnell, beidfüssig, gut im Luftkampf. Er kann in jedem Spiel drei Tore erzielen."

Zugleich schürt Löw den Konkurrenzkampf.

Man habe sich nach der EM bewusst dazu entschieden, Spielern wie Thomas Hitzlsperger, Simon Rolfes, Piotr Trochowski, Marcell Jansen klarzumachen, "dass sie vehement in die Mannschaft hineindrängen und Etablierte angreifen müssen. Und wir haben auch Leute, die Verantwortung übernehmen können. Ein Per Mertesacker, ein Philipp Lahm, vielleicht einmal ein Bastian Schweinsteiger", sagte Löw.

Von Besserwisserei weit entfernt

In der Qualitätsdiskussion um den deutschen Fußball legte der Bundestrainer derweil nach. Dass er damit immer wieder Kritik ernte und sich dem Vorwurf der Besserwisserei, konterte Löw kühl:

"Ach, Besserwisserei. Ich denke, dass wir davon weit entfernt sind. Wir wissen schon um die Problematik im Tagesgeschäft und akzeptieren auch, dass jeder den Weg gehen muss, den er für richtig hält. Trotzdem sagen wir unsere Meinung, auch um Diskussionen anzustoßen."

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