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Tom Mickel (l.) und der Torschütze zum entscheidenden 2:1: Florian Trinks © getty

Die sportliche Prüfung ist bestanden, nun stehen die Schulnoten wieder im Mittelpunkt. Für die U17 "hört der Stress nicht auf".

Magdeburg - Vom EM-Thron mussten die DFB-Junioren schnell zurück auf die Schulbank, eine ausschweifende Siegesfeier blieb deshalb aus.

Wenige Stunden nach ihrem 2:1-Triumph in der Verlängerung gegen die Niederlande in Magdeburg saßen die deutschen U-17-Europameister gemütlich im Kino und schauten sich zum Herunterkommen bei Popcorn und Cola in der Abendvorstellung den Vatikan-Thriller "Illuminati" an. (SPIELBERICHT: Trinks' Traumtor bringt den Titel)

Denn es stehen nachzuholende Klausuren und Abschlussprüfungen auf dem Programm.

"Für die Spieler hört der Stress nicht auf", erklärte DFB-Trainer Marco Pezzaiuoli.

Hoffen auf die Entdeckung

Manuel Janzer hatte bereits am Dienstag, einen Tag nach dem Finale, eine Prüfung. Die vorbildliche Einstellung, die das Team sportlich zu Siegern machte, ist also auch auf anderen Betätigungsfeldern nötig.

"Sie haben sich in den vergangenen zweieinhalb Wochen nur auf die Spiele konzentriert. Das fand ich sehr beeindruckend", meinte der Coach, dessen Kern-Team für die U-17-WM im Oktober bereits steht.

In den kommenden Wochen dürften nicht nur Schulnoten durch die Köpfe der Jungstars geistern, sondern auch ganz große Zahlen.

Den zahlreichen Scouts der europäischen Spitzenklubs ist das Können des DFB-Nachwuchses nicht verborgen geblieben.

Deutsche Talente sind wieder interessant - vor zehn Monaten holte nach 16 Jahre langer Durstrecke bereits die U19 EM-Gold.

England oder Spanien - Hauptsache ins Ausland

Einige Spieler lassen keinen Zweifel daran, möglichst schnell den Schritt ins Ausland wagen zu wollen.

"Es ist ein absoluter Traum, mal in England zu spielen", sagte Innenverteidiger Robert Labus.

Aber nicht nur die Insel lockt. Florian Trinks, Siegtorschütze im Finale und in Diensten von Werder Bremen, gab offen zu: "Mein Traumverein ist Real Madrid."

Ein Selbstläufer ist die Karriere nach einem Junioren-Titel freilich nicht.

Vom Team, das 1992 U-16-Europameister wurde, schafften es beispielsweise lediglich Lars Ricken (Borussia Dortmund) und Kai Michalke (VfL Bochum) in die Stammelf eines Bundesligisten.

Die Macht des Geldes

Pezzaiuoli ist von den Träumen seiner Schützlinge nur bedingt angetan.

"Natürlich prägt das Ausland, aber das ist nicht für jeden Spieler zutreffend. Sie sollten versuchen, erstmal ihren Weg in der Heimat zu machen", sagte der Trainer, der sich aber der Macht des Geldes bewusst ist: "Die Engländer werben ja schon 14- und 15-Jährige ab. Da hat man keine Chance."

Abwehrchef Shkodran Mustafi erlag bereits den Lockrufen von der Insel. Von der kommenden Saison an kickt er für den FC Everton und wird neben Christopher Buchtmann (FC Liverpool) der zweite England-Legionär im Team.

Mustafis Klub Hamburger SV konnte mit dem Angebot aus Everton nicht konkurrieren.

Nächstes Ziel: Die WM in Nigeria

Trotz womöglich lukrativer Angebote aus dem Ausland geht die DFB-Karriere der jungen Wilden vorerst in der U17 weiter.

Dort steht im Oktober die WM in Nigeria an, Deutschland belegte im vergangenen Jahr Platz drei.

Damals führte Toni Kroos das Team zu Bronze.

Über seine Ziele bei der WM will Pezzaiuoli noch nicht reden: "Lasst uns erstmal den Moment als Europameister genießen." (Mit vollem Risiko zum Erfolg)

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