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Der gebürtige Pole Lukas Podolski erzielte in 63 Länderspielen 33 Tore © getty

Die Reisestrapazen sind nicht für alle der Ursprung der schlechten Leistung. Nur Enke und Podolski fallen positiv auf.

Shanghai - Saftlos, kraftlos, willenlos: Nach einer Reise um die halbe Welt ist die Nationalmannschaft bei ihrer China-Premiere nur knapp einer Blamage entgangen und betrieb von Pfiffen begleitet in Asien keine Werbung für den deutschen Fußball.

"Die Spieler wollten, konnten aber nicht. Wir haben uns nur durch das Spiel geschleppt, wir waren nicht dynamisch genug und vom Handeln her in vielen Situationen zu langsam", kritisierte Bundestrainer Joachim Löw schonungslos den frustrierenden Auftritt der Nationalmannschaft beim 1:1 (1:1) gegen China in Shanghai (Enke rettet DFB-Elf vor Blamage).

Die nur rund 20.000 Zuschauer im Shanghai-Stadium pfiffen sich nach Spielschluss die Seele aus dem Leib.

Lahm: "Es ist frustrierend"

Mit einem blutleeren Auftritt erwies die Nationalelf dem um Anschluss auf dem asiatischen Markt kämpfenden deutschen Fußball somit einen Bärendienst.

"Das haben wir uns schon anders vorgestellt. Die Chinesen waren einfach frischer als wir. Nach so einer langen Reise ist das aber nicht so einfach. Es war jedoch wichtig, dass wir den deutschen Fußball in China präsentiert haben", sagte Manager Oliver Bierhoff.

Im Gegensatz zu Bierhoff wollte Ersatzkapitän Philipp Lahm die anstrengende Reise aber nicht als Grund für das schwache Spiel anführen.

"Es ist frustrierend, wenn man immer hinterherläuft. Natürlich hatten wir eine lange Reise, aber das darf keine Entschuldigung sein", sagte Lahm.

795 torlose Minuten

Der starke Keeper Robert Enke ahnte jedoch schon im Vorfeld, dass der Trip nach Fernost schiefgehen könnte: "So ein langer Flug, die Zeitumstellung und die schwülen Temperaturen spielen natürlich eine Rolle. Wir haben schon vorher gewusst, dass es nicht eines der besten Länderspiele der Historie wird", sagte Enke.

Von Bedeutung wäre zum Auftakt der Asien-Reise vor allem auch ein Tor von Stürmer Mario Gomez gewesen, der nun seit 15 Spielen und 795 Minuten auf einen Treffer im Nationaltrikot wartet.

"Bald werde ich wieder treffen"

Der für 30 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zu Bayern München wechselnde Angreifer machte wie Enke die Kraftlosigkeit für den verpassten Erfolg verantwortlich.

"China war sehr, sehr spritzig - wir nicht. Deshalb ist das Ergebnis auch gerecht", sagte Gomez mit Blick auf den mehr als zehnstündigen Flug am Dienstag und den offenbar auch am Freitag auf dem Platz noch anhaltenden Jetlag.

Seine Torflaute im Nationalteam wollte Gomez nicht groß kommentieren: "Egal, was in der Zeitung steht. Bald werde ich auch in der Nationalmannschaft wieder treffen."

Podolski zieht mit Walter gleich

Dafür bewahrte einmal mehr Lukas Podolski die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit einem Treffer vor einer Blamage. 112016(Die Bilder)

Der im Sommer zum 1. FC Köln wechselnde Podolski, der als hängende Spitze agierte, glich die frühe Führung durch Hao Junmin (5.) fast postwendend aus (7.) und sicherte dem dreimaligen Welt- und Europameister gegen das Fußball-Entwicklungsland zumindest das Remis.

Mit seinem 33. Länderspieltreffer rückte Podolski zudem auf den elften Rang der ewigen DFB-Torjägerliste vor und zog mit dem 54er-Weltmeister und Ehrenspielführer Fritz Walter gleich.

Enke führt im Torhüter-Duell

Pluspunkte konnte neben Podolski alleine Enke sammeln. Der Torwart von Hannover 96, der trotz einer Wunde am Kopf mutig ohne Turban spielte, war gegen China bester Deutscher und verhinderte vor allem in der Schlussviertelstunde mit zahlreichen Paraden eine Niederlage.

So fanden unter anderem die Chinesen Jiang Ning (73.) und Zhou Haibin (75.) in Enke ihren Meister.

Im Rennen um die deutsche Nummer eins liegt Enke damit vor den abwesenden Rene Adler und Tim Wiese sowie dem am Dienstag in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate zum Einsatz kommenden Manuel Neuer deutlich in Front.

Huth unsicher und zu langsam

Enkes Vorderleute erwischten hingegen einen rabenschwarzen Tag. Vor allem der mit dem FC Middlesborough aus der Premier League abgestiegene Innenverteidiger Robert Huth zeigte gegen China eine katastrophale Leistung.

Bei seinem ersten Einsatz für die DFB-Elf seit der WM 2006 ließ sich der kantige Verteidiger vom Torschützen Hao Junmin düpieren. Auch ansonsten strahlte Huth an der Seite des Berliners Arne Friedrich keinerlei Sicherheit aus.

"Wir waren im Angriff aber auch in der Abwehr oftmals gedanklich zu langsam. Viele unserer zweiten Bälle landeten beim Gegner", sagte Löw, der Huth nicht die ganze Schuld für den blamablen Auftritt im Reich der Mitte in die Schuhe schieben wollte.

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