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Winfried Schäfer war von 1986 bis 1998 Trainer beim Karlsruher SC © getty

Winfried Schäfer warnt vor den Stärken der Wüsten-Kicker - und ist aussichtsreicher Kandidat für den arabischen Trainerposten.

Dubai - Am Dienstagabend sitzt Winfried Schäfer auf der Tribüne des Al-Maktoum-Stadions in Dubai.

Als Ehrengast verfolgt der frühere Bundesligatrainer das Länderspiel der Vereinigten Arabischen Emirate gegen Vize-Europameister Deutschland (ab 19.30 Uhr LIVE) und wird dabei vor allem die Spieler des Gastgebers genau unter die Lupe nehmen.

Denn der 59-Jährige, der in der abgelaufenen Saison mit Rekordmeister Al Ain Sports Culture Club in den VAE den nationalen Pokal und den noch viel prestige-trächtigeren Präsidenten-Cup gewonnen hat, ist in den Emirates als neuer Nationaltrainer im Gespräch.

"Ich habe von diesen Gerüchten gehört und hätte auch Interesse an dieser reizvollen Aufgabe", sagt der frühere Bundesligaprofi und -Trainer.

Kein Vertrauen in Bathenay

Und weiter: "Aber mein Präsident Scheich Haza bin Zayed hat mir schon signalisiert, dass er mich nicht ziehen lassen will."

Erst am Montag hatte Schäfer seinen Vertrag bei dem Klub bis 2010 verlängert.

Dem aktuellen Nationalcoach Dominique Bathenay wird von den einflussreichen Scheichs im Verband der so dringend nötige Neuaufbau beim Golf-Cup-Sieger von 2007 offenbar nicht zugetraut.

Sein Landsmann und Vorgänger Bruno Metsu, der Schäfers heutigen Klub Al Ain erfolgreich zum Titelgewinn bei der ersten AFC-Champions-League-Auflage 2003 geführt hatte, war September vergangenen Jahres von seinem Amt zurückgetreten.

Gerüchte um Scolari

Nachdem die VAE in der letzten Runde der Asien-Qualifikation zur WM-Endrunde 2010 die ersten beiden Spiele verloren hatte.

Schäfer, der schon 2006 in den Vereinigten Arabischen Emiraten Al-Ahli Dubai zur ersten Meisterschaft nach 26 Jahren geführt hatte, weiß aber auch, dass trotz seiner jüngsten Erfolge mit Al Ain die Verbandsoberen am liebsten einen ganz großen Namen präsentieren würden.

Zuletzt wurde neben Schäfer in den einheimischen Medien auch der ehemalige Chelsea-Coach Luiz Felipe Scolari gehandelt.

"Dringender Neuaufbau nötig"

In den Brasilianern Carlos Alberto Parreira und Mario Zagallo, dem Ukrainer Walerij Lobanowski, dem Franzosen Henri Michel oder den Niederländern Aad de Mos und Dick Advocaat haben in der Vergangenheit schon einige Große ihres Faches in dem Wüstenstaat gearbeitet.

"Sie setzen halt auf prominente Trainer", erklärt Schäfer, der als Nationaltrainer immerhin schon mit Kamerun 2002 die Afrika-Meisterschaft gefeiert hat.

"Ich kenne hier jeden Spieler aus allen Altersklassen. Und es gibt einige gute Fußballer, aber in der Nationalmannschaft spielen viele, die ihren Zenit schon überschritten haben", beschreibt der frühere Gladbacher das Dilemma bei der einheimischen Nationalelf.

"Deshalb ist dringend ein Neuaufbau nötig. Zudem fehlt ein echter Torjäger, da die Spitzenklubs alle auf ausländische Stürmer bauen."

"Klimatische Bedingungen brutal"

Dennoch sollte sich das Team von Joachim Löw nicht zu sicher sein (DFB-Team betreibt Anti-Werbung).

"Das wird für Deutschland kein Spaziergang, denn alleine die klimatischen Bedinungen sind brutal", so Schäfer.

Der ehemalige KSC-Coach erinnerte daran, dass sich der deutsche Rekordmeister Bayern München im Winter nur mit Ach und Krach in einem Test gegen Al Jazeera mit 3:2 durchgesetzt hatte. 112016(DIASHOW: Die Bilder aus Shanghai)

Taktik und Disziplin fehlt

Eine faustdicke Überraschung kann sich Winfried Schäfer aber nicht vorstellen. "Die Entwicklung unserer Nationalmannschaft ist leider zurückgegangen."

Das habe auch damit zu tun, dass der zwischenzeitliche Boom deutscher Fußballlehrer in den VAE beendet ist, meinte Schäfer:

"Reiner Hollmann, Frank Pageslsdorf, Horst Köppel, Rainer Zobel oder auch Ede Geyer haben hier die Spieler sehr gut ausgebildet, unter anderem Taktik und Disziplin gepredigt, was nicht unbedingt zu den Stärken der einheimischen Profis zählt."

Davon hat in der Vergangenheit auch die Nationalmannschaft profitiert. Pagelsdorf arbeitet seit Januar 2009 immerhin wieder in den VAE beim Al-Nasr Sports Club in Dubai.

Menge Arbeit für die Verantwortlichen

Um an alte Erfolge anzuknüpfen, müsse man deshalb einige Strukturen wieder ändern.

Denn das enttäuschende Abschneiden in der WM-Qualifikation zeige deutlich, dass die VAE noch eine Menge Arbeit vor sich haben.

Den größten internationalen Erfolg feierten die VAE mit der WM-Teilnahme 1990 in Italien.

Auch 1996 gab es Grund zum Feiern, als das Team beim Asien-Pokal im eigenen Land den zweiten Platz belegte. Doch danach ging es stetig bergab - bis auf Rang 120 der FIFA-Weltrangliste.

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