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Uli Hoeneß übernahm 1979 mit 27 Jahren den Manager-Job bei Bayern © getty

Bayerns Manager feuert eine Universal-Schelte in Richtung DFB-Tross ab, vergisst dabei aber das Sprichwort mit dem Glashaus und den Steinen.

Von Sebastian Hrabak

München - Die Kritik an der Asien-Reise prasselt von allen Seiten auf Bundestrainer Joachim Löw ein.

Viele bemängeln den Zeitpunkt der Reise als unglücklich gewählt. Auch das Engagement der Protagonisten, die sich doch nach der langen und ermüdenden Saison nur noch in den Fünf-Sterne-Urlaub wünschen, wird stark angezweifelt.

Es wird von allen Seiten befürchtet, dass die deutsche Elf mit blutleeren Auftritten negative Schlagzeilen für den deutschen Fußball betreiben könnte. Wasser auf die Mühlen der Kritiker brachte der erste magere Auftritt gegen China (DFB-Team betreibt Anti-Werbung).

Da war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die "Abteilung Attacke" aus München vor dem Spiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten (ab 19.30 Uhr LIVE) schneidende Worte in Richtung DFB-Team richtet.

Hoeneß mit scharfer Kritik

Bei der Verleihung der "Goldenen Pyramide" in Berlin ließ FC Bayern Manager Uli Hoeneß in gewohnt markiger Natur einen Rundumschlag vom Stapel:

"Liechtenstein, Andorra, Färöer Inseln, Abu Dhabi und Dubai ? das sind nicht die Gegner, die auf der Welt eine Rolle spielen. Da gibt man den Spieler das Gefühl, sie sind die Größten. Dabei haben sie gegen Leute gespielt, die auch teilweise gegen den FC Tegernsee spielen können."

Es war nicht der erste Giftpfeil, den das Münchner "Alphatier" zuletzt in Richtung Nationalmannschaft und Joachim Löw abschoss.

"Dann wird man hochgejubelt"

Schon im Herbst bemängelte Hoeneß den geringen Stellenwert der ausgewählten Gegner. Da hatte er es aber auf einen anderen seiner Angestellten abgesehen und stellte noch nicht die Qualität von Bastian Schweinsteiger ("Mitläufer bei Bayern - Kapitän in DFB-Team) in Frage:

"Das Problem ist, dass 80 Prozent der Spiele des Nationalteams gegen Liechtenstein, San Marino, Moldawien oder Estland gehen. Wenn man dann gegen Liechtenstein zwei Tore schießt, dann wird man hochgejubelt."

Löw bleibt ruhig

Joachim Löw kontert gewohnt gelassen auf die Kritik aus München.

Er sagt zu "Bild": "Die Qualifikationsgegner können wir uns nicht aussuchen. Der FC Bayern spielt ja auch nicht nur gegen Barcelona." Und damit nimmt der Bundestrainer dem scheidenden Bayern-Manager tatsächlich Wind aus den Segeln. 112016(DIASHOW: Die Bilder aus Shanghai)

Zweierlei Maß

Denn zum einen muss der große FC Bayern in der Bundesliga auch gegen vermeintliche "graue Mäuse" wie Energie Cottbus antreten - und geht dort nicht immer als souveräner Sieger vom Platz.

Zum anderen sind auch Bayerns Testgegner keinesfalls immer die "Creme de la Creme" der europäischen Fußballwelt.

Die Betriebsausflüge nach Sittard, Magdeburg oder Eichstätt werden beim FCB als Aufbauhilfe rubriziert, das DFB-Team wird hingegen vom Bayern-Boss scharf für ihren Beitrag zur Völkerverständigung gerügt.

Man merkt: Wenn zwei das Gleiche machen, heißt es noch lange nicht, dass sie dasselbe tun.

Wintertrainingslager im Nahen Osten

Die größte Ironie am "heftigen Gewitter" aus München ist jedoch, dass der FC Bayern zum Trainingsauftakt nach der Winterpause traditionell in den Vereinigten Arabischen Emiraten weilt.

In diesem Jahr lag der einzige Unterschied zur Nationalmannschaft in der Auswahl des Ortes im Scheichtum. Nicht die Metropole Dubai wurde vom Bayern-Tross angesteuert, sondern die Hauptstadt Abu Dhabi. Und wie es der Zufall so wollte, trafen sich die Bayern-Spieler ganz unverbindlich zu einem Trainingsspielchen gegen den "Topclub" Abu Dhabi Al Jazeera.

Freundschaftsspiel gegen Al Jazeera

Pikanterweise stehen gegen die DFB-Auswahl aller Voraussicht nach vier Akteure von Al Jazeera auf dem Platz, gegen die sich die Bayern-Stars zu Jahresbeginn noch zu einem mühevollen 3:2-Sieg in der 90. Minute quälten.

Noch ein Grund für die Annahme, dass die Kritik von Uli Hoeneß zwar gut gemeint, aber zu kurz gedacht war.

Klassiker geben keine Garantie

Denn jeder Zuschauer hofft natürlich auf Fußball-Klassiker. Davon verspricht der DFB in naher Zukunft einige.

"Grundsätzlich wollen wir künftig vermehrt gegen die Großen der Welt spielen, das ist ja auch für die Fans attraktiver und für die Spieler mehr Motivation. Das ist so klar besprochen", sagt Joachim Löw.

Den Fan werden solche Ansetzungen freuen - aber selbst der "klassischste Klassiker" gibt keine Garantie ab für ein gutes Fußballspiel.

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