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Mario Gomez (li.) spielt seit 2007 in der Nationalmannschaft unter Jogi Löw © getty

Die Gala des Debütanten sowie des Goalgetters rücken die Asienreise in ein positives Licht. Bundestrainer Löw sieht aber auch Schwachstellen.

München - Zufrieden dösten die Hauptdarsteller Mario Gomez und Manuel Neuer in ihren Business-Class-Sitzen, auch Joachim Löw lehnte sich entspannt zurück:

Als die neuntägige Asien-Reise nach einem sechseinhalbstündigen Flug aus Dubai am Mittwochmorgen um 7. 20 Uhr pünktlich in Frankfurt endete, war der stark dezimierten deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein versöhnlicher Abschluss der Länderspiel-Saison und eines kräfteraubenden Trips nach Fernost gelungen.

Doch während sich die Spieler nach dem lockeren 7:2 (4:0) gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (Gomez erlöst sich mit Viererpack) in ihren wohlverdienten Urlaub verabschiedeten, geht für den Bundestrainer der Stress mit Blick auf die WM 2010 erst einmal weiter.

Löw startet in wenigen Tagen seine Spionage-Tour zur U21-Europameisterschaft in Schweden und zum Konföderationen-Cup in Südafrika.

"Der Kader wird kleiner werden"

Zudem will der 49-Jährige die Planungen für die Weltmeisterschaft so schnell wie möglich abschließen, bevor das WM-Jahr am 12. August mit dem Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan schon wieder losgeht.

In Baku stehen dann auch wieder Michael Ballack und Co. zur Verfügung.

"Es gibt einiges zu tun. Im Juni und Juli werden wir konzeptionell arbeiten und einige Dinge aufarbeiten. Wir werden Positionsprofile für die Spieler erstellen", kündigte der DFB-Coach für die neue Saison einen Kurswechsel an.

Und: "Der Kader wird kleiner werden. Wir werden die Spieler intensiv begleiten und ihnen klare Vorgaben geben."

"Wichtige sportliche Erkenntnisse gewonnen"

Trotz des dürftigen 1:1 in Shanghai gegen China fiel das Fazit des Bundestrainers positiv aus:

"Die Asien-Reise hat sich gelohnt. Die Mannschaft war wieder einmal einige Tage zusammen, wir konnten Gespräche führen und einige Neulinge einführen. Alle haben Erfahrungen mitgenommen, einiges gelernt und Spaß gehabt. Es war sportpolitisch wichtig, uns zu präsentieren, und wir haben sportlich wichtige Erkenntnisse gewonnen."

Die wichtigsten Erkenntnisse der Partie gegen die VAE waren sicherlich, dass auf Schalkes Torwart Manuel Neuer Verlass ist und dass Torjäger Gomez in der DFB-Auswahl wieder trifft.

Mit einem Viererpack (35., 45.+2, 48., 90.+2) beendete der Neu-Münchner seine über 14 Monate und 829 Spielminuten andauernde Torflaute im DFB-Dress.

"Neuer war erstaunlich selbstbewusst"

"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich bin froh, dass der Fluch jetzt vorbei ist", sagte der 23-Jährige nach seinem 25. Länderspiel erleichtert.

Auch Löw war zufrieden, "dass Mario die Handbremse gelöst hat. Das ist gut für ihn und uns, dass nicht mehr die Minuten gezählt werden."

Doch trotz seiner vier Treffer - zuletzt war dies Lukas Podolski beim 13:0 am 6. September 2006 in San Marino gelungen - war Gomez nicht der einzige Protagonist in der DFB-Not-Auswahl.

Auch Debütant Neuer spielte sich angesichts einiger Klassereflexe in den Vordergrund.

"Er war schon vor dem Spiel erstaunlich ruhig und selbstbewusst. Er hat seine Sache klasse gemacht", lobte der Bundestrainer den 23-Jährigen, der im Kampf um die Nummer eins mit Robert Enke, Tim Wiese und Rene Adler einige Pluspunkte sammeln konnte.

Die Abwehr konnte nicht überzeugen

"Ich habe nur das Vertrauen zurückgegeben", kommentierte der Neuling, der bei den Gegentoren durch Ismail Salem (53.) und Nawaf Mubarak (73.) chancenlos war, gelassen seine glänzende Leistung.

Dass er sich überhaupt auszeichnen konnte, lag jedoch an der mangelnden Abwehrarbeit seiner Vorderleute, obwohl der Gegner laut Löw "nicht das Niveau hatte, das wir in Europa gewohnt sind". (Die Stimmen zum Spiel)

Dennoch wackelten Arne Friedrich, Heiko Westermann, Andreas Hinkel oder Robert Huth einige Male bedenklich.

Der Bundestrainer machte dafür aber weniger die drückende Hitze verantwortlich als vielmehr "ein grundsätzliches Problem" im Mittelfeld: "Wir sind zurückgewichen anstatt zu attackieren. Dadurch gab es Löcher in der Abwehr."

Das Offensivspiel hat gepasst

Deshalb steht bis zur WM verstärkte Taktikschulung auf dem Programm.

"Wir müssen konstanter werden, wir müssen uns spielerisch und taktisch verbessern. Wir werden einige taktische Dinge pauken", kündigte Löw an.

Immerhin war er im Al-Maktoum-Stadion mit dem Offensivspiel seiner Elf einverstanden: "Wir hatten trotz der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit mehr Zug zum Tor und mehr Tempo in unserem Spiel. Wir waren von Anfang an auf Tore aus."

Vor 7000 Zuschauern konnten sich neben Gomez noch Westermann (29.) und Piotr Trochowski (39.) in die Torschützenliste eintragen. Dazu kam ein Eigentor von Fares Juma (52.).

Der Urlaub ist nah

In Neuer, Christian Träsch, Tobias Weis, Cacau und Christian Gentner gab Löw insgesamt fünf Neulingen auf der umstrittenen Asien-Tour eine Bewährungschance.

Doch bis auf Neuer konnte keiner der Neulinge in Richtung Südafrika auf sich aufmerksam machen. Auch Rückkehrer Huth zeigte, dass er verzichtbar ist. Gleiches gilt für Hinkel.

Bis zum Aserbaidschan-Spiel will Löw eine WM-Vorauswahl treffen und den Kreis "stark eingrenzen".

30 bis 35 Kandidaten will der Bundestrainer benennen, die er für WM-würdig erachtet: "Wir wollen einen Kreis, wo wir glauben, dass diese Spieler beim Turnier und danach dabei sein können", sagte er.

Doch erst einmal freuten sich die Nationalspieler auf ihren Urlaub, wie Ersatz-Kapitän Bastian Schweisteiger verdeutlichte: "Ich bin froh, dass das überstanden ist."

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