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Horst Hrubesch erzielte als aktiver Spieler in 224 Bundesligaspielen 136 Tore © getty

Die Ziele sind hochgesteckt: Bei Sport1.de erklärt Horst Hrubesch, warum er glaubt, auch die deutsche U 21 zum EM-Titel zu führen.

Von Matthias Becker

München - Mit dem Gewinn von EM-Titeln kennt Horst Hrubesch sich aus:

1980 machte das "Kopfball-Ungeheuer" Deutschland mit zwei Toren im Finale von Rom gegen Belgien zum zweiten Mal zum Europameister.

Im Sommer 2008 führte Hrubesch, inzwischen seit dem Jahr 2000 als Juniorentrainer beim DFB beschäftigt, die deutsche U 19 zum EM-Titel.

Das gleiche Kunststück will er jetzt auch als Chefcoach der deutschen U 21 vollbringen.

"Titel das Ziel"

Als Ziel für das Team um Bundesliga-Stars wie Manuel Neuer, Sami Khedira und Marko Marin hat Hrubesch ganz klar den Titel ausgegeben.

Im Interview mit Sport1.de erklärt er, weshalb der DFB neuerdings mehr Wert auf Junioren-Erfolge legt, was sich in der Nachwuchsarbeit verbessert hat - und was sein Team vom FC Barcelona lernen kann.

Sport1.de: Herr Hrubesch, im vergangenen Jahr haben Sie mit der U 19 die EM gewonnen, die U 17 hat sich kürzlich den Titel geholt. Was macht Sie optimistisch, auch mit der U 21 erstmals den Titel zu holen?

Horst Hrubesch: Wir haben gute Einzelspieler. Jetzt müssen wir sehen, dass wir eine homogene und gut aufeinander abgestimmte Mannschaft auf den Platz schicken.

Wenn uns das gelingt, sind wir auch in Schweden in der Lage, um den Titel mitzuspielen.

Sport1.de: Das Turnier ist dem DFB sehr wichtig. Außer Manuel Neuer mussten Sie keinen Spieler für die Asienreise abstellen. Das war nicht immer so, weshalb diesmal?

Hrubesch: Man hat einfach gesehen, dass wir mit den Jugendmannschaften nur dann eine Chance haben, wenn alle Spieler des Jahrgangs zur Verfügung stehen.

Sonst hat man international kaum eine Chance. Man muss alle Spieler dieses Jahrgangs bekommen. Auch die, die vielleicht schon in der A-Mannschaft sind.

Sport1.de: Und mit Bundestrainer Joachim Löw gab es diesbezüglich keine Probleme?

Hrubesch: Es war von vorneherein klar, dass wir die Spieler von Joachim Löw bekommen und dass er sie abstellt, so dass wir mit der stärksten Mannschaft nach Göteborg fahren können. Das hat uns der Bundestrainer frühzeitig signalisiert. (Hrubesch leiht sich Quintett von Löw)

Sport1.de: Wie schon Matthias Sammer bei der U 17 sagen auch Sie im Vorfeld ganz klar: Unser Ziel ist der Titel. Woher kommt dieses scheinbar neue Selbstbewusstsein?

Hrubesch: Was heißt Selbstbewusstsein? Das haben wir schon immer gehabt. Und man hat in den Jugendmannschaften gesehen, dass es wichtig ist, Ziele zu definieren.

Es macht doch keinen Sinn, zu einem Turnier zu fahren und zu sagen: "Ich will Dritter, Vierter oder Fünfter werden."

Wir sind eine Fußballnation, wir bieten dem Team optimale Möglichkeiten und haben gute Spieler. Deshalb müssen sich die Jungs und die Trainer auch diese Ziele setzen und auf den Titel spielen.

Sport1.de: Täuscht der Eindruck, oder gelingt es tatsächlich inzwischen mehr jungen Spielern, sich auch schon frühzeitig bei ihren Bundesliga-Klubs einen Platz in der Mannschaft zu erkämpfen?

Hrubesch: Es hat ein Umdenken stattgefunden. Früher wurde immer über das Bosman-Urteil gesprochen, weil viele günstige Spieler in die Bundesliga kamen.

Jetzt hat man aber zum Beispiel bei Mannschaften wie dem VfB Stuttgart vor einigen Jahren unter Felix Magath gesehen, dass junge Leute frühzeitig in der Bundesliga Fuß fassen können.

Viele Vereine haben festgestellt, dass es Sinn macht, auf die eigene Jugend zu setzen.

Sport1.de: Inwiefern?

Hrubesch: Das beste Beispiel ist doch Mario Gomez. Er ist durch die Jugendmannschaften in Stuttgart nach oben gekommen. Jetzt wird er für 30 Millionen Euro verkauft. Mehr Geld können die Vereine kaum verdienen.

Sport1.de: Kommen die Verbesserungen nur durch die Vereine?

Hrubesch: Viele Dinge sind vom DFB in Zusammenarbeit mit den Vereinen neu gestaltet worden.

Beispielsweise das Talentförderprogramm mit der Einführung der Leistungszentren: Das trägt jetzt Früchte.

Hinzu kommt, dass die Spieler in den Vereinen mehr beachtet werden und man öfter auf junge Spieler setzt.

Hier geht's zum zweiten Teil des Interviews

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