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Horst Hrubesch wurde 1979, 1982 und 1983 Deutscher Meister mit dem Hamburger SV © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews verrät Horst Hrubesch, warum er für die EM ausgerechnet Kroos und Baumjohann zu Hause ließ.

Von Matthias Becker

München - Im zweiten Teil des Interviews mit Sport1.de verrät Horst Hrubesch, warum er für die EM ausgerechnet die Talente Toni Kroos und Alexander Baumjohann unberücksichtigt lässt.

"Ich habe eben mehrere Spieler, die auf dieser offensiven Position spielen können", sagt der 58-Jährige, der gegen die namhafte Konkurrenz dennoch ganz vorn mitmischen will.

Der frühere Hamburger Torjäger erklärt überdies, weshalb die Spanier für ihn der große Turnier-Favorit sind.

Und warum man bisweilen auch mit der Picke Erfolg haben kann - wie kurioserweise sogar der große FC Barcelona.

Sport1.de: Wohin das führen kann, haben das Champions-League-Finale oder auch die EM im vergangenen Jahr gezeigt.

Die Spanier dominieren Fußball-Europa, weil sie jetzt die Ernte einfahren können. Hoffen Sie in einigen Jahren auf einen ähnlichen Effekt für den deutschen Fußball?

Hrubesch: Na klar. Wir ? und damit meine ich sowohl Matthias Sammer als auch mich - haben das Ziel Weltspitze. Alle andere macht wenig Sinn. Man muss sich ein Ziel setzen.

In Europa können wir ohne Probleme bestehen, das haben wir in den letzten Jahren, auch mit den Titelgewinnen, immer wieder bewiesen.

Wir wollen ganz oben in der Weltspitze mitspielen. Und das geht nur, wenn man es auch als Ziel ausgibt und dafür arbeitet.

In der Kommunikation zwischen Vereinen, DFL und DFB läuft es sehr gut. Es kann nur ein gemeinsames Projekt sein, und ich glaube, dass wir da auf einem guten Weg sind.

Sport1.de: Auf zwei bundesligaerfahrene Spieler haben Sie mit Toni Kroos und Alexander Baumjohann trotzdem verzichtet. Wieso?

Hrubesch: Das war für mich letztendlich nicht einfach. Aber ich habe eben mehrere Spieler, die auf dieser offensiven Position spielen können.

Bei Toni war es so, dass er wenige Spiele in der Bundesliga und keinen Rhythmus hatte. Deshalb wurde er von Heiko Herrlich in der U-19-Qualifikation für die EM eingesetzt.

Bei Alex Baumjohann ist es so, dass er die gleiche Position wie Mesut Özil und Marko Marin spielen kann. Deshalb musste ich mich entscheiden, wen ich mitnehme. Das war zwar nicht leicht, aber ich habe mich dann entschlossen, diesen Weg zu gehen.

Sport1.de: Wo sehen Sie denn die Stärken der Gruppengegner?

Hrubesch: Bei Spanien sind es die Passsicherheit, das klare System und die Spielgeschwindigkeit. Die Engländer werden dagegen weniger auf das Kurzpassspiel setzen, sondern mit langen Bällen ihre schnellen Stürmer wie Theo Walcott suchen. Aber das ist alles nicht wichtig. Es ist unsere Philosophie, das Spiel selbst zu bestimmen.

Sport1.de: Wie stellen Sie sich das Spiel ihrer Mannschaft denn vor?

Hrubesch: Wir wollen agieren statt reagieren und spielbestimmend sein. Das muss unser Anspruch sein, dann kann man diese Mannschaften auch schlagen.

Sport1.de: Was zeichnet das deutsche Team besonders aus? Ist es wie schon beim U-19-Siegerteam der enorme Teamgeist, der den Unterschied macht?

Hrubesch: Da muss man sich doch nur wieder das Champions-League-Finale ansehen: Da spielen zwei Mannschaften auf dem gleichen Niveau gegeneinander und am Ende gewinnt die, die nicht unbedingt die besseren Einzelspieler hatte, sondern die als Team aufgetreten ist.

Barcelona war eine komplette Mannschaft, die agiert und alles selbst bestimmt hat. Da wird mit einfachen Mitteln gespielt: Alles wird mit der Innenseite gespielt, schnell und direkt.

Das 1:0 fällt durch einen Schuss mit der Picke. Das hat mit Schönheit des Fußballs nichts zu tun, sondern mit Effektivität. Wenn dazu noch der Zusammenhalt in der Mannschaft stimmt, ist man auf dem richtigen Weg.

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