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Jermaine Jones spielte ingesamt nur 98 Minuten im DFB-Trikot © getty

Kein Bock mehr auf Schwarz-Rot-Gold: Der Schalker nutzt neue FIFA-Beschlüsse, um plötzlich für das Heimatland seines Vaters zu spielen.

Von Christian Paschwitz

München - Jermaine Jones hat dem Deutschen Fußball-Bund offenbar aus Frust über seine anhaltenden Nichtnominierungen "goodbye" gesagt - und will als Nationalspieler der USA zur WM 2010 nach Südafrika.

"Ich habe mich mit meiner Familie und meinem Berater (Roger Wittmann, Anm. d. Red.) zusammengesetzt, und wir haben entschieden, dass dieser Schritt der Beste für mich ist", sagte der 27 Jahre alte Profi von Schalke 04 bei Sport1.de.

Der Mittelfeldspieler beendete seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft damit nach insgesamt nur drei Länderspielen.

Jones hatte den DFB bereits am 9. Juni darüber informiert, künftig für die amerikanische Auswahl zu spielen.

"Nur gleichförmige Spieler erwünscht"

Jones sieht sein extrovertierte Art als Grund für die Nichtberücksichtigung. "Wenn man sich den Charakter der deutschen Mannschaft ansieht, dann wird einem doch alles klar. Ich bin ein Spieler, der seinen eigenen Kopf hat, der seinen Mund aufmacht und der zu seiner Meinung steht. Das ist nicht erwünscht", erklärte Jones der "Frankfurter Rundschau".

"In der Nationalmannschaft gibt es doch nur zwei Spieler, die sich trauen, etwas zu sagen: Ballack und Frings", so Jones: "Alle anderen sind unteres Kaliber. Gleichförmige Spieler ist das Format, was man da sehen möchte."

Jones profitiert von neuen Statuten

Jones, der die deutsche und US-Staatsbürgerschaft besitzt, profitiert dabei von den neuen juristischen Voraussetzungen nach den Beschlüssen des FIFA-Kongresses auf den Bahamas.

Denn: Seit kurzem können auch Spieler über 21 Jahre die Nationalmannschaft wechseln, solange der Akteur noch kein Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft eines Landes absolviert hat.

Und: Die drei Länderspiele von Jones für Deutschland gegen Österreich (3:0), gegen Weißrussland (2:2) und gegen England (1:2) waren allesamt keine Pflichtspiele.

So hat der gebürtige Frankfurter gemäß den neuen FIFA-Statuten die Möglichkeit, künftig für die USA zu spielen.

Jones ist der erste Nationalspieler, der von diesem modifizierten Statut Gebrauch macht.

Keine Kurzschlussreaktion

Den Antrag auf Aufnahme in den US-Kader hatte Jones nach der Nichtnominierung von Bundestrainer Jogi Löw für die Asienreise der DFB-Auswahl gestellt.

Weil Jones die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, hat er nun die Möglichkeit, für die USA zu spielen.

"Ich habe es schon lange im Kopf gehabt. In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Mein Vater ist Amerikaner, und er lebt dort auch. Ich habe beide Staatsbürgerschaften", führte Jones bei Sport1.de aus.

Und weiter: "Aktuell ist das Thema nun wieder geworden, als mich bei unserem Spiel in Gladbach (31. Spieltag, 10. Mai, Anm. d. Red.) Michael Bradley angesprochen hatte, ob ich nicht Lust hätte, für die USA zu spielen."

USA mit guten Aussichten

Jones rechnet sich durch seinen Wechsel in die USA bessere Chancen auf eine Teilnahme an der WM 2010 aus.

Derzeit liegen die USA in der CONCACAF-Qualifikation aussichtsreich auf dem zweiten Platz. Die ersten drei Teams qualifizieren sich direkt für Südafrika.

Jones nur fünfte Wahl

Beim DFB gab man sich gefasst:

"Wir haben die Entscheidung von Jermaine Jones zur Kenntnis genommen und akzeptieren sie", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der zuletzt nicht mehr auf den in der Rückrunde starken Jones gesetzt hatte.

Und weiter: "Ich wünsche ihm viel Glück für seine sportliche Zukunft."

Im defensiven Mittelfeld war Jones hinter Michael Ballack, Torsten Frings, Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger höchstens noch fünfte Wahl.

Bierhoff respektiert Entscheidung

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff konnte den Verlust von Jones verschmerzen.

Schließlich setze man in der DFB-Auswahl auf Spieler, die sich mit ihrem Land identifizieren.

"Wir haben mehrfach betont, wie sehr wir uns darüber freuen, dass wir mehrere Spieler mit Migrationshintergrund in den Reihen der deutschen Nationalmannschaft haben", sagte Bierhoff.

Zudem stellte er indes klar: "Wir haben aber immer wieder darauf hingewiesen, dass jemand, der das DFB-Trikot trägt, sich klar zur Nationalmannschaft und Deutschland bekennt. Wenn ein Spieler das nicht so sieht, ist das seine Entscheidung, die wir respektieren."

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