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Sami Khedira (r.) im Gespräch mit Sport1.de-Redakteur Matthias Becker © getty

Vor der U-21-EM in Schweden schwärmt Sami Khedira im Sport1.de-Interview von seinem Auswahltrainer - und denkt aber auch an Löw.

Von Matthias Becker

München ? Es gibt keinen Zweifel, Sami Khedira muss trotz seiner erst 22 Jahre ein ganz besonderer Fußballer sein.

Sonst würden ihn seine direkten oder indirekten Vorgesetzten beim DFB wohl kaum so überschwänglich loben.

"Sami ist einer unserer Führungsspieler. Er ist ein moderner zentraler Mittelfeldspieler und einer der Leistungsträger in unserem Team", sagt U-21-Coach Horst Hrubesch.

Und auch Bundestrainer Joachim Löw kennt die Fähigkeiten von Khedira, der den VfB Stuttgart schon 2007 mit seinem Kopfballtor gegen Energie Cottbus zum Meistertitel köpfte:

Löw: Khediras Zeit kommt noch

"Sami Khedira hat ein unglaubliches Potenzial. Spätestens nach der WM 2010 kommt Khediras Zeit", sagte Löw der "FAZ".

Wenn es nach Khedira geht, kommt seine Zeit schon früher. Im Interview mit Sport1.de erklärt er, warum er sich auf die U-21-EM in Schweden ganz besonders freut und dass er die WM in Südafrika durchaus im Blick hat.

Sport1.de: Herr Khedira, finden Sie es eigentlich schade, dass es für Sie in diesem Sommer nach Rottach-Egern und Barsinghausen ging statt mit dem A-Team nach Shanghai und Dubai?

Sami Khedira: Im Gegenteil! Ich bin sehr froh darüber. Ich habe noch kein einziges Jugendturnier gespielt. U 17 und U 19 habe ich verpasst und bin sehr froh, jetzt dabei zu sein. Es war mein großes Ziel. Das letzte Quali-Spiel in Frankreich konnte ich verletzt nicht mitmachen und habe zuhause mitgefiebert und gehofft, dass die Mannschaft es packt.

Für mich ist es das Größte, in meinem letzten Junioren-Jahr ein großes Turnier zu spielen. Das ist ein toller Abschluss, und diese Erfahrung will ich nicht missen. Ich habe schon von vielen gehört, dass eine U-21-EM einen Spieler sehr stark prägen kann.

Sport1.de: Ihr Trainer sagt, dass er den Titel gewinnen will. Was macht die deutsche Mannschaft denn so stark? Ist es die Vielzahl der bundesligaerfahrenen Spieler

Khedira: Es ist die Grundvoraussetzung, dass man die individuelle Klasse hat. Das ist bei uns gegeben. Aber nur durch die individuelle Klasse erreicht man nichts, sondern man muss auch als Gemeinschaft auftreten.

Alle 23 Spieler müssen mit ins Boot genommen werden, damit jeder sofort einspringen kann, wenn er gebraucht wird. Jeder muss wissen, was er zu tun hat und was seine Aufgabe ist. Und das macht auch unsere Stärke aus, dass das Trainerteam klare Vorgaben macht.

Sport1.de: Was erwarten Sie von den Engländern?

Khedira: Man kann die ganzen Juniorenmannschaften mit den A-Teams vergleichen. Wir Deutschen sind physisch und fußballerisch sehr stark und immer da, wenn es in einem Turnier drauf ankommt. Die Spanier haben große individuelle Klasse und können als Team funktionieren.

Bei den Engländern ist ganz klar, dass sie über die Robustheit kommen, aber auch Fußball spielen können. Da sind auch viele Premier-League-Spieler mit Erfahrung dabei. Bei Finnland kommt es vor allem darauf an, einen Gegner, von dem man noch nicht so viel weiß, nicht zu unterschätzen.

Sport1.de: Ist das erklärte Ziel, die Gruppenphase zu überstehen? Oder nimmt sich das Team noch mehr vor?

Khedira: Natürlich geht man in das Turnier, um den maximalen Erfolg zu erreichen ? und das ist hier nun mal der EM-Titel. Wir wollen nicht ins Turnier gehen und mal gucken, wie das erste Spiel läuft. Wir wollen das erste Spiel gewinnen, das ist die klare Vorgabe. Dann wollen wir die Gruppenphase überstehen. Und ab dem Halbfinale ist sowieso alles möglich.

Sport1.de: Welchen Anteil hat Horst Hrubesch? Wie kommen Sie mit ihm als Trainer klar?

Khedira: Die meisten kennen Horst Hrubesch ja schon aus der U 17, U 18 und U 19. Er ist sehr respektiert, und wir wissen auch, dass er Ahnung vom Fußball und ein großes taktisches Verständnis hat.

Außerdem ist er ein sehr umgänglicher Trainer, führt viele Einzelgespräche mit den Spielern und versucht, jedem Spieler Verantwortung zu übertragen. Er sieht sich selbst als Teil des Teams und versucht dementsprechend auch, ein Team zu formen. Für mich ist er ein sehr guter Trainer und erledigt seine Aufgabe perfekt.

Sport1.de: Hrubesch hat das Ziel EM-Titel ausgegeben. Ist das für die jungen Spieler vielleicht ein zu großer Druck?

Khedira: Wenn man Woche für Woche in der Bundesliga spielt, dann ist das überhaupt kein Druck. Es ist eine klare Zielvorgabe und jeder Einzelne möchte dieses Turnier auch gewinnen. Vielmehr ist es eine zusätzliche Motivation.

Sport1.de: Ist es schwierig, sich nach einer so langen Bundesliga-Saison für die U-21-EM zu motivieren? Sie verbringen ja schließlich ihre Urlaubszeit bei diesem Turnier.

Khedira: Nachdem das letzte Bundesligaspiel vorbei war, ist viel Druck abgefallen, und es gab ein, zwei Tage zum Entspannen. Aber dann war direkt die Vorfreude auf die neue Aufgabe da. Es war von Anfang an klar, dass wir die EM spielen wollen und dass Spieler, die keine Lust hatten oder die Pause brauchten, das klar sagen sollten.

Wir haben jetzt 23 Spieler, die heiß sind und das große Ziel verfolgen. Deshalb sehe ich das nicht als Belastung, sondern als Freude, für Deutschland bei der EM zu spielen. Es findet gleichzeitig kein anderes Großereignis statt, unsere Spiele werden vom ZDF übertragen. Ich weiß nicht, was es in einem Fußballerleben Schöneres gibt.

Sport1.de: Naja, zum Beispiel ein Großereignis, das im kommenden Sommer ansteht: Die WM in Südafrika. Wie sehen Sie Ihre Chancen, dann auch dabei zu sein?

Khedira: Ich weiß, wo ich momentan stehe. Erstmal möchte ich mit der U 21 einen großen Erfolg feiern, aber dann gilt ganz klar als Ziel die A-Nationalmannschaft. Ich habe jetzt eine Saison Zeit, um meine Leistung kontinuierlich abzurufen und gesund zu bleiben. Wenn das gelingt, bin ich davon überzeugt, dass der Sprung ins A-Team klappt.

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