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Rücktritt aus dem DFB-Team: Jermaine Jones kehrt Bundestrainer Löw den Rücken © getty

Bei Sport1.de erklärt Jermaine Jones, warum er keine Lust mehr aufs DFB-Team hat. Unter Löw habe er "nie eine Chance bekommen".

Von Christian Paschwitz

München - Das hat es in dieser Form hierzulande wohl noch nicht gegeben:

Nach gerade mal drei Länderspielen beendet Jermaine Jones seine Karriere in der deutschen Nationalmannschaft - um künftig für die US-Auswahl auflaufen zu wollen. (zum Artikel: US-Team statt DFB-Elf)

Entscheidend für den Entschluss des Schalkers Mittelfeldspielers, der mit dem Adler auf der Brust nur Freundschafts- oder Testspiele absolvierte: Seine anhaltende Nichtnominierungen unter Bundestrainer Joachim Löw

"Ich finde, dass ich nie so richtig die Chance bekommen habe im DFB-Team, obwohl ich im Verein meine Leistungen immer gebracht habe", erklärt der 27-Jährige im Interview mit Sport1.de.

Jones betont, er gehe keineswegs im Streit, ebenso wenig "bin ich beleidigt oder gescheitert".

Allerdings gibt er auch unumwunden zu, er habe "womöglich nicht so wirklich ins deutsche Nationalteam hineingepasst. Ich sage oft direkt, was ich denke." Im Löw-Team setze man indes eher auf "andere Typen. Michael Ballack und Torsten Frings, das sind ja eher die ruhigen Typen".

Sport1.de: Herr Jones, wie kommt es zu der Entscheidung, dass Sie nicht mehr für Deutschland spielen wollen?

Jermaine Jones: Ich habe mich mit meiner Familie und meinem Berater (Roger Wittmann, Anm. d. Red.) zusammengesetzt, und wir haben entschieden, dass dieser Schritt der Beste für mich ist.

Sport1.de: Eine solche Entscheidung von heute auf morgen?

Jones: Nein, das nicht, denn ich habe es schon lange im Kopf gehabt, für die USA zu spielen. Das geht eigentlich schon seit Jahren. In meiner Brust schlagen zwei Herzen: Mein Vater ist Amerikaner, und er lebt dort auch. Ich habe beide Staatsbürgerschaften.

Aktuell ist das Thema nun wieder geworden, als mich bei unserem Spiel in Gladbach (31. Spieltag, 10. Mai, Anm. d. Red.) Michael Bradley angesprochen hatte, ob ich nicht Lust hätte, für die USA zu spielen.

Sport1.de: Was haben Sie ihm geantwortet?

Jones: Ich habe ihm gesagt, dass ich das sehr gern tun würde. Eigentlich hatte ich aber gedacht, dass das wegen meiner U21-Einsätze nicht mehr möglich ist. Aber erst durch die neuen FIFA-Beschlüsse weiß ich, dass das mit einem Wechsel dann doch funktioniert.

Das habe ich dann Georg Behlau (Leiter des DFB-Büros Nationalmannschaft, Anm. d.Red.) mitgeteilt.

Sport1.de: Wie hat Bundestrainer Joachim Löw reagiert? Haben Sie mit ihm die Sache auch direkt besprochen?

Jones: Ehrlich gesagt, gibt es schon seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr. Und es gibt da auch nichts mehr zu sagen. Ich habe das für mich nun entschieden - vielleicht ist das auch alles Schicksal. Für mich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt.

Sport1.de: Mit Verlaub: Das hört sich so an, als seien Sie beleidigt, sich im DFB-Team nicht durchgesetzt zu haben.

Jones: Ich will da nicht nachkarten. Und ich habe diesen Schritt bestimmt nicht getan, weil ich beleidigt bin. Es gab ja auch keinen Streit oder so. Ich würde es auch nicht so sehen, dass ich gescheitert bin in der Nationalmannschaft.

Ich glaube schon, dass ich von der Leistung her auch für Deutschland spielen kann. Ich ziehe halt nur meine Konsequenzen und glaube, dass es in der US-Nationalmannschaft besser läuft für mich, ich da besser zum Zug kommen werde.

Sport1.de: Weil Sie unter Löw nur drei Länderspiele bestritten haben?

Jones: Genau. Ich finde. dass ich nie so richtig die Chance bekommen habe im DFB-Team, obwohl ich im Verein meine Leistungen immer gebracht habe. Jetzt freue ich mich auf einen neuen Abschnitt in meinem Leben.

In den USA will man auch etwas aufbauen, Fußball wieder populärer machen.

Sport1.de: Persönlich gab's also keine Spannungen?

Jones: Nein, wie gesagt. Das Einzige, was ich dazu sagen kann: Womöglich habe ich nicht so wirklich ins deutsche Nationalteam hineingepasst.

Sport1.de: Wie meinen Sie das?

Jones: Ich bin ein direkter Typ - was ich denke, sage ich oft direkt. In der deutschen Nationalmannschaft setzt man vielleicht eher auf andere Typen. Michael Ballack und Torsten Frings, das sind ja eher die ruhigen Typen.

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