Jermaine Jones' Rücktritt aus dem DFB-Team liegt vor allem in der Persönlichkeit des Schalkers begründet. Aber eben nicht allein.

Verräter und Flüchtling sind noch die harmlosen Bezeichnungen, mit denen große Teile Fußball-Deutschlands über Jermaine Jones schimpfen.

Der sich sonst in punkto Patriotismus eher schwertuende Bundesbürger kennt bei seiner Nationalmannschaft eben keinen Spaß.

Sie ist sakrosankt. Gewissermaßen ein Staatsheiligtum, das sich verbietet, derart brüskiert zu werden. Noch weniger ist sie einfach austauschbar gegen eine andere Auswahl. Schon gar nicht gegen die eines Landes, in dem Fußball bloß Soccer heißt.

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Und so verwundert es kaum, dass Jones mit seinem Abgang aus dem DFB-Team nach nur drei Länderspielen ungleich stärker polarisiert, als wechsele der Schalker zu Erzrivale Dortmund.

Das vermeintliche Elite-Ensemble der Republik ist nun mal kein Klub.

Was Jones dabei jedoch noch in ein zweites Dilemma stürzt: Dem 27-Jährigen haftet seit Jahren ein Etikett an, das seinen Kritikern nun zur argumentativen Steilvorlage gereicht.

Denn: Der schwer tätowierte Jones hat es auch deshalb nicht gepackt bei Schwarz-Rot-Gold, weil er schlichtweg zu aufrührerisch daherkommt. Jones reißt gern nassforsch die Klappe auf. Diplomatie liegt ihm genauso fern wie ein maßvoller Umgangston mit Schiedsrichtern.

Charakterzüge, die eigentlich typisch sind für einen, der sich von ganz unten nach ganz oben geboxt hat. Davon wusste auch Bundestrainer Löw.

Jones selbst, dem Ghetto-Kind aus dem berüchtigten Frankfurter Stadtteil Bonames, ist sein polarisierendes Potenzial sowieso bewusst. Wie er auch im Sport1.de-Interview erklärt. ("Unter Löw nie eine Chance)

Das Problem allein: Jones ist damit inkompatibel mit einer Nationalmannschaft, in der echte Typen seit Jahren fehlen. Und in der das Kollektiv-Prinzip bisweilen in Duckmäusertum verkehrt.

Dass Rebell Jones inmitten lauter braver Bubis es nicht lang anschaut, nur dritte Wahl zu sein - zumal nach einer starken Rückrunde - ist insofern konsequent. Schon vor der EM 2008 hatte Löw ihn ausgebootet - nun auch bei der allein PR-Zwecken dienenden Asien-Reise.

Entgegen der eigenen Einschätzung ist der Draufgänger sportlich allerdings genauso gescheitert: In zwei seiner drei Länderspiele (gegen Weißrussland und England) blieb es Jones schuldig, sich als eine echte Alternative anzubieten.

Und auch international bei Schalke fiel der 27-Jährige bisher nicht gerade mit höchstem Niveau auf.

Insofern ist Jones womöglich beides: Zu wenig angepasst für Deutschland. Aber vielleicht auch nicht gut genug.

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