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Matthias Sammer gewann im Jahr 1997 die Champions League mit Borussia Dortmund © getty

Die Juniorenteams des DFB sind dank Matthias Sammer auf dem Vormarsch. Die A-Mannschaft soll davon auch bald profitieren.

München - Konzeptionelles aus den Sportsystemen von DDR bis USA, Kritik an der Struktur von Vereinen sowie der Mentalität von Trainer und Beratern:

Mit Matthias Sammer als Sportdirektor hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) im Juniorenbereich wieder den Sprung in die Weltspitze geschafft, doch der Europameister von 1996 sieht sich noch lange nicht am Ende des Weges.

Nach 16-jähriger Durststrecke gewannen im letzten Jahr sowohl die U 19 als auch die U 17 den EM-Titel. Nun soll auch bei der U-21-EM der Titel her, in die die deutsche Auswahl am Montag gegen Spanien startet (ab 20.30 Uhr LIVE). (Mit Erfahrung zum EM-Titel)

Sammer kämpft weiterhin an allen Fronten um Verbesserungen.

"Wir haben aufgeholt"

"Es war einmal ein großer Abstand da, den haben wir aufgeholt", sagt Sammer und stellt zufrieden fest: "Diese Titel waren kein Zufall, sondern sind das Ergebnis veränderter Strukturen.

Die Spanier waren in den vergangenen Jahren das Nonplusultra im Junioren-Bereich, aber auch vor ihnen müssen wir uns nicht mehr verstecken."

Früher sei der Fußball von anderen Sportarten wegen seiner Konzeption "oft belächelt" worden, "heute wird unser Konzept gelobt". Dabei zeigte und zeigt sich der gebürtige Dresdner für alle Ansätze offen.

Verschiedene Konzepte übernommen

"Ich habe konzeptionell einiges übernommen. Nicht nur aus der DDR, sondern auch aus Russland oder den USA", erklärt er: "So zum Beispiel, dass in verschiedenen Altersklassen verschiedene Konzepte angewendet werden müssen.

Das wurde in der Vergangenheit häufig nicht berücksichtigt." Dafür sei das Konzept in der DDR nicht praxisnah gewesen, "zu eindimensional, man hat nicht über den Tellerrand geschaut".

Insgesamt sei die Wertigkeit des Jugendfußballs auch im DFB klar verbessert. "Die A-Mannschaft ist ganz klar das Aushängeschild. Alles andere dient dem Ziel, die Spieler zu gestandenen Nationalspielern zu formen", sagt Sammer:

"Es wird aber auch verstanden, dass im U-Bereich wichtige Grundlagen gelegt werden. Als die Spanier 2008 das EM-Finale gegen Deutschland gewonnen haben, standen zehn Spieler auf dem Platz, die im U-Bereich Titel gewonnen haben. Das zeigt, wie wichtig ein solches Turnier ist." (U 21 will den Titel)

A-Mannschaft soll profitieren

Bundestrainer Joachim Löw wird sich ab Montag die ersten beiden EM-Spiele der U 21 in Schweden vor Ort ansehen und stellte alle Spieler ab, die bereits zum A-Kader zählen.

Sammer glaubt, dass der Bundestrainer schon bald von den Erfolgen des Nachwuchses profitieren kann. "Ich hoffe natürlich, dass das relativ schnell geht", sagt er:

"Wir haben ja nicht bei Null angefangen. Normalerweise bringen solche Erfolge im Jugendbereich mit einer zeitlichen Verzögerung von zehn Jahren Ertrag. Ich sage, es können auch sechs bis acht sein. Aber vielleicht können wir es sogar noch das ein oder andere Jahr früher schaffen. Am liebsten wäre mir natürlich, wenn Joachim Löw 2010 den WM-Pokal in Händen halten könnte."

Vor allem in manchen Vereinen sieht Sammer noch Nachholbedarf, wenn es darum geht, hoffnungsvolle Talente in den Seniorenbereich einzugliedern.

Während sogar Champions-League-Sieger FC Barcelona seit Jahren Teenager wie Lionel Messi oder Bojan Krkic in der ersten Mannschaft spielen lässt, wirkt der Umgang in Deutschland mit Ausnahmetalenten wie Toni Kroos eher stiefmütterlich.

Kritik an Beratern und Vereinen

"Oft sind die Zuständigkeiten nicht genau geklärt", meint Sammer: "Ein junger Spieler braucht einen konzeptionellen Trainingsaufbau. Bei dieser Steuerung gibt es in den Klubs große Unterschiede. Und auch bei uns im DFB muss das noch besser werden."

Ein weiteres Problem seien viele Berater: "Es gibt auch zu viele andere, denen die notwendige Sensibilität fehlt."

Kritik hatte Europas Fußballer des Jahres von 1996 am "Trainer-Hopping" in der Bundesliga geübt.

"Ein Trainer muss authentisch, glaubwürdig und ein Vorbild sein. Diese Glaubwürdigkeit wurde zuletzt in Einzelfällen mit Füßen getreten", sagt er. Wegen des bestehenden Vertrages mit dem DFB und "weil ich beim DFB noch einiges vorhabe", widerstand er zum Beispiel dem Werben von Schalke 04.

Und verweigerte auch U-19-Trainer Heiko Herrlich die Freigabe für einen Wechsel zum Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern: "Das war ein richtiges und wichtiges Zeichen."

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