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Jones hat drei Freundschaftsspiele für den DFB absolviert © getty

Nach dem Abschied vom DFB äußert sich Jermaine Jones - und nennt Intoleranz als Beweggrund, für die USA spielen zu wollen.

Von Christian Paschwitz

München - Wird eine ohnehin schon emotionalisierte Angelegenheit nun noch zum Politikum?

Jermaine Jones ist offenbar nicht ausschließlich aus Frust über seine anhaltenden Nichtnominierungen völlig überraschend aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten. (zum Artikel: US-Team statt DFB-Elf)

Die "New York Times" jedenfalls zitiert den Schalker Mittelfeldspieler mit Aussagen, die nahe legen, dass es auch andere Gründe dafür gab, dem DFB-Team "Goodbye" zu sagen: "Man sieht in mir nicht den perfekten Deutschen", sagte Jones, der fortan für die US-Nationalmannschaft spielen und mit den Amerikanern zur WM 2010 nach Südafrika will.

"Keine blauen Augen, kein blondes Haar"

In Deutschland würden die Leute, auch wegen seiner Tätowierung, über ihn sagen: "Oh, das ist kein guter Mensch", erklärte Jones.

Und weiter: "Über einen tätowierten Beckham aber sagt das niemand - vielleicht ist das so, weil ich keine blauen Augen habe und kein blondes Haar."

Jones, Sohn eines schwarzen Vaters und einer deutschen (weißen) Mutter, wirft der Gesellschaft hierzulande Intoleranz wegen seiner Herkunft vor.

Jones fühlt sich falsch zitiert

"Für mich ist das kein Problem", schwächt Jones zwar ab, legt dann jedoch nach: "Ich habe kein gutes Gefühl mit gewissen Dingen in Deutschland."

Am Montag erklärte Jones, er sei von der Zeitung falsch wiedergegeben worden. Er weise ausdrücklich darauf hin, dass ihm in Deutschland nie Rassismus begegnet sei und auch seine Entscheidung für eine Zukunft im US-Team nichts mit einer solchen Richtung zu tun habe.

"Ich habe eine deutsche Mutter und selbst Kampagnen gegen Rassismus unterstützt. Ich finde ich es sehr ärgerlich und inakzeptabel, dass ich völlig falsch wiedergegeben wurde", sagte Jones dem Kölner "Express": "Die Anzahl meiner Länderspiele hat nichts damit zu tun, dass ich ein Schwarzer bin."

Antworten bewusst missverstanden

Er sei vom Reporter der "New York Times" dreimal gefragt worden, ob man in Deutschland blond und blauäugig sein müsse, um im Nationalteam Karriere machen zu können. Er habe es dreimal eindeutig verneint.

Im Sport1.de-Interview hatte Jones erklärt, dass der fehlende Rückhalt durch Bundestrainer Joachim Löw der ausschlaggebende Grund für seinen Nationalmannschaftsrücktritt gewesen sei:(zum Interview)

"Ich finde, dass ich nie richtig eine Chance bekommen habe im DFB-Team, obwohl ich im Verein meine Leistungen immer gebracht habe." Und das, obwohl er sich sicher sei, von der Leistung her auch für Deutschland spielen zu können. Aber, "jetzt freue ich mich auf einen neuen Abschnitt in meinem Leben", sagte Jones.

Unteres Kaliber - bis auf Ballack und Frings

Im deutschen Team soll nach Ansicht von Jones vor allem seine extrovertierte nicht gut angekommen sein. "Wenn man sich den Charakter der deutschen Mannschaft ansieht, dann wird einem doch alles klar", so Jones in der "Frankfurter Rundschau":

"Ich bin ein Spieler, der seinen eigenen Kopf hat, der seinen Mund aufmacht und der zu seiner Meinung steht. Das ist nicht erwünscht."

Ohnehin gebe es in der Nationalmannschaft nur zwei Spieler, die den Mund aufmachen würden, stellte Jones fest: Michael Ballack und Torsten Frings.

Alle anderen seien "unteres Kaliber. Gleichförmige Spieler ist das Format, was man da sehen möchte."

Schluss nach nur drei Länderspielen

Jones, der die deutsche und die US-Staatsbürgerschaft besitzt, beendete seine Karriere im DFB-Team nach nur drei Länderspielen.

Bei seinem Wechsel zum US-Verband profitiert der 27-Jährige von neuen juristischen Voraussetzungen nach den Beschlüssen des jüngsten FIFA-Kongresses.

Seit kurzem können auch Spieler die älter als 21 Jahre sind die Nationalmannschaft wechseln, solange sie noch kein Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft eines Landes absolviert haben.

Jones' drei Länderspiele gegen Österreich, Weißrussland und England waren allesamt nur Test- oder Freundschaftsspiele.

"Nationaltrikot nicht wechseln wie ein T-Shirt"

Die Statutenänderung seitens der FIFA stößt beim DFB auf Kritik.

"Rechtlich können wir nichts unternehmen. Grundsätzlich aber steht der Deutsche Fußball-Bund nach wie vor dafür ein, dass ein Nationaltrikot nicht gewechselt werden darf wie ein T-Shirt oder ein Vereinshemd", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.

Wann kommt die Freigabe?

Der gebürtige Frankfurter ist der erste Nationalspieler, der von diesem modifizierten Statut Gebrauch macht.

Wann die USA, am Montag (20 Uhr LIVESCORES) beim Confed Cup in Südafrika zunächst gegen Italien gefordert, Jones erstmals aufbieten können, ist unterdessen noch unklar.

"Wir sind uns nicht sicher, ob die Regeländerung bereits in den kommenden 60 Tagen greift", erklärte Verbandpräsident Sunil Gulati: "Es sind immer noch Details zu klären.

Jones? Berater Roger Wittmann soll derzeit mittels eines Anwalts die Sachlage klären. Bis Sonntagnachmittag stand eine FIFA-Antwort indes noch aus, ab wann Jones für die USA spielen darf.

Wichtiges Spiel gegen Mexiko

Nach dem Confed Cup nimmt das Team von Coach Bob Bradley am Concacaf Gold Cup teil, ehe es am 12. August weitergeht in der WM-Qualifikation mit dem richtungweisenden Match in Mexiko.

Jones steigt am 25. Juni wieder ins Schalker Mannschaftstraining ein.

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