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Jermaine Jones wird künftig nicht mehr im Trikot der deutschen Elf spielen © getty

Der Ex-Nationalspieler entschuldigt sich für angebliche Rassismus-Anspielungen. Oliver Bierhoff reagiert mit Unverständnis.

Frankfurt/Main - Ex-Nationalspieler Jermaine Jones hat sich noch einmal deutlich von seinen angeblichen Äußerungen in der "New York Times" distanziert und sich sogar für die Rassismus-Anspielungen in dem Bericht entschuldigt.

"Es tut mir sehr leid, wenn durch den Artikel ein falscher Eindruck entstanden ist", erklärte Jones, der zukünftig für die USA spielen will, auf seiner Internetseite.

Und weiter: "Ich fühle mich in Deutschland sehr wohl und hätte liebend gerne weiterhin für die Nationalmannschaft gespielt. Aber Bundestrainer Joachim Löw hat sehr deutlich gemacht, dass er nicht mit mir plant." (zum Artikel: US-Team statt DFB-Elf)

Zuvor war Jones in der renommierten US-Tageszeitung mit einem Zitat wiedergegeben worden, das einen Rassismus-Vorwurf in sich birgt.

Scharfe Kritik von Bierhoff

Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff reagierte mit Unverständnis auf Jones' Aussagen. "Was mich ärgert sind Aussagen, dass dem DFB sein Kopf nicht passe. Als ob wir danach unsere Entscheidungen treffen würden", meinte Doppeltorschütze des EM-Finals von 1996.

Er könne zwar eine gewisse Enttäuschung nachvollziehen, seine Aussagen hätten jedoch jeglichen Respekt für seine Mitspieler vermissen lassen. "Uns war dies immer wichtig. Wenn er manche Aussagen wirklich so getätigt hat, spricht das nicht dafür."

"Menschen wie ich sind unbeliebt"

Die "New York Times" hatte wiedergegeben, Menschen wie Jones wären in Deutschland unbeliebt. "Man muss mich nur anschauen, ich bin nicht der perfekte Deutsche. Ich habe Tattoos, das mögen die Deutschen nicht", wurde Jones in der Tageszeitung zitiert.

"Die Menschen in den Staaten sehen eher aus wie ich. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht blond bin und keine blauen Auge habe. Bestimmte Dinge betreffend fühle ich mich in Deutschland nicht wohl." (zum Artikel: "Kein gutes Gefühl mit gewissen Dingen in Deutschland")

Der gebürtige Frankfurter widerspricht vehement dieser Darstellung.

"Ich habe das Gegenteil gesagt"

"Als wir über mögliche Gründe für meine anhaltende Nichtberücksichtigung durch den DFB gesprochen haben, kam der Journalist nach ein paar anderen Überlegungen auf das Thema Hautfarbe zu sprechen", so Jones. "Da habe ich genau das Gegenteil von dem gesagt, was im Artikel zu lesen ist."

"Nämlich: 'Mit Rassismus hat das Ganze nichts zu tun. Ich glaube nicht, dass man blonde Haare und blaue Augen haben muss, um für Deutschland zu spielen'", sagte Jones, der zudem betont, die Zitate nicht autorisiert zu haben.

Neue Voraussetzungen ermöglichen Wechsel

Der Profi von Schalke 04 hatte den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am 9. Juni darüber informiert, dass er künftig für die US-Auswahl spielen wolle.

Jones, der die deutsche und die US-Staatsbürgerschaft besitzt, profitiert dabei von den neuen juristischen Voraussetzungen. (Interview: "Unter Löw nie eine Chance")

Seit kurzem können auch Spieler über 21 Jahre das Nationalteam wechseln, solange sie noch kein Pflichtspiel für die A-Nationalmannschaft eines Landes absolviert haben.

Die drei Länderspiele von Jones für Deutschland waren allesamt keine Pflichtspiele.

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