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Bastian Schweinsteiger ist von zahlreichen Verletzungen geplagt
Bastian Schweinsteiger erzielte bislang 16 Tore für Deutschland © getty

Der Münchner Spaßfußballer vollzieht den Wandel zum ernsthaften Profi. Nun soll er auch im Nationalteam Verantwortung übernehmen.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

München - Joachim Löw steht vor dem Auftakt zur WM-Qualifikation am Samstag in Liechtenstein (ab 20.15 Uhr LIVE ) vor einem Problem.

Mit dem zurückgetretenen Jens Lehmann sowie den verletzten Michael Ballack und Torsten Frings fehlen dem Bundestrainer derzeit drei Wortführer des EM-Kaders auf dem Platz.

Es droht ein Hierarchievakuum, das gegen den Alpenstaat zugegebenermaßen nicht ins Gewicht fallen dürfte, aber mittelfristig durchaus an Brisanz gewinnen könnte. Nicht zuletzt, weil Löw selbst zuletzt die Abschaffung von Erbhöfen propagiert hatte.

Dass der Streit zwischen Ballack und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nach dem EM-Finale die Position des Kapitäns nicht eben stärkte, kommt erschwerend hinzu. Also gibt sich die Führung der deutschen Auswahl alle Mühe, potenzielle künftige Anführer zu positionieren.

Durften im Vorfeld des Länderspiels gegen Belgien (2:0) Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes ihre Stammplatzansprüche formulieren, so wird nun Bastian Schweinsteiger in Stellung gebracht.

"Er hat bei der EM erst Downs und dann Ups durchgemacht. Wie er sich engagiert und aus der schwierigen Situation rausgekämpft hat, Moral und Initiative gezeigt und angegriffen hat, das zeigt, dass er bereit ist, mehr Verantwortung zu übernehmen", lobte Bierhoff den 24-Jährigen am Mittwoch.

"Seine Leistung in den letzten Spielen macht uns Freude. Auch die Art, wie er Dinge angeht - positiv, mit Elan und Begeisterung - lässt uns hoffen, dass er mal in eine Führungsposition hineinwachsen kann."

Ansprüche an Schweinsteiger

Vom Alter her sei der Münchner Mittelfeldmann zwar noch nicht so weit, aber seine bereits 57 Länderspiele machten ihn zu einem "gestandenen Nationalspieler". Deshalb, meinte Bierhoff weiter, könne man von Schweinsteiger durchaus erwarten, dass er Führungsaufgaben übernimmt.

Dessen Vereinstrainer Jürgen Klinsmann sieht den Blondschopf "in einem Reifeprozess. Er ist da nach wie vor drin, aber er hat Fahrt aufgenommen." Der am Dienstag abgetretene Oliver Kahn hält Schweinsteigers jüngste Entwicklung für äußerst positiv: "Er hat einen großen Sprung gemacht und kann ein echter Leader werden."

Der so Gelobte macht seinen Wandel an "einigen Änderungen" fest, die er vor ein paar Monaten vorgenommen hat. So wechselte er sein Management, ordnete sein Privatleben mit Sarah Brandner als fester Partnerin neu und beschloss, sich künftig "voll auf den Fußball konzentrieren".

Ein ernsthafter Profi

Aus dem ? zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung ? lustigen Hallodri ist offenbar ein ernsthafter Profi geworden. "Ich habe meinen Beruf immer ernst genommen", hält Schweinsteiger sein bisheriges Image ohnehin für falsch. "Aber ich weiß, dass ich noch besser werden kann. Das geht nicht mit Worten, sondern nur mit Taten."

Auch dabei wähnt er sich auf einem guten Weg: "Ich fühle mich fit, spiele effektiver, und komme auf mehr Tore und Assists." Das ist auch ausländischen Klubs nicht verborgen geblieben.

Neben dem Interesse von Juventus Turin und den beiden Mailänder Top-Vereinen soll am Montag noch Newcastle United einen kurzfristigen Transfer zu stemmen versucht haben. "Auf jedes Angebot einzugehen, das es nach der EM gegeben hat, wäre zuviel des Guten", bemühte sich Schweinsteiger auf Sport1-Nachfrage gar nicht erst um ein Dementi.

Kapitänsvertreter nicht im Mannschaftsrat

In der zweiten Halbzeit gegen Belgien und beim Abschiedsspiel für Oliver Kahn durfte der Münchner bereits die Kapitänsbinde der DFB-Auswahl tragen. "Gegen Liechtenstein wird Miroslav Klose sie wieder übernehmen, weil er die meisten Länderspiele hat", weiß er.

Dass sein teaminterner Einfluss trotz des vergleichsweise hohen "Dienstalters" begrenzt ist, ebenfalls. Denn dem Mannschaftsrat gehört er nicht an. Der besteht aus Klose, Christoph Metzelder, Philipp Lahm, Ballack und Frings. Aber die beiden letzten sind bei den anstehenden Spielen ja nicht dabei?

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