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Benedikt Höwedes (M.) erzielte in der EM-Endrunde bisher ein Tor © imago

Dem deutschen Nachwuchs reicht im letzten Gruppenspiel ein Punkt zum EM-Halbfinale. Das liegt insbesondere an der starken Abwehr.

Von Mathias Frohnapfel

München/Göteborg - Die Abwehr ist das Glanzstück der deutschen Nationalelf bei der U-21-EM in Schweden.

Höchste Gefahr vorm eigenen Tor, dieser Alarmzustand, wenn der Gegner Chance um Chance herausspielt, das kam beim 2:0-Sieg über Finnland (zum Nachbericht: Machtkampf überschattet U-21-Sieg) und zuvor beim 0:0 gegen Spanien nur äußerst selten vor.

Die Verteidigung steht. Und das ziemlich sicher.

Für die schwere Aufgabe gegen England macht das Mut, zumal dem DFB-Team am Montag (ab 20.30 Uhr LIVE) ein Remis genügt, um ins Halbfinale vorzurücken. (DATENCENTER: Die U-21-EM)

Lob für Innenverteidiger

Das stabile Abwehrbollwerk ist mit ein Verdienst des zentralen Duos Benedikt Höwedes und Jerome Boateng.

"Die Mannschaft hat zu null gespielt, da hängt auch immer die Innenverteidigung mit dran", sagte Frank Engel gegenüber Sport1.de.

Engel trainiert aktuell die deutsche U-18-Auswahl, hat Boateng und Höwedes selbst bei der U-19-EM 2007 in Österreich betreut.

Er kennt die Stärken des Duos. Zum Schalker Höwedes (Spielerporträt), der gegen Finnland nach einer über lange Strecken mauen Vorstellung das Führungstor köpfte, meinte er:

"Benedikt ist ein sehr konzentrierter Spieler, der sehr aufmerksam, zuverlässig und mannschaftsdienlich spielt."

Der "Pass nach vorne" stimme genauso, lobte sein ehemaliger Coach.

EM als Boatengs Schaubühne

Auch mit der Leistung von Boateng ist Engel einverstanden.

Dabei kam der Hamburger in der vergangenen Saison unter Martin Jol nur schwer zum Zug (21 Einsätze, davon sieben Ein- und sieben Auswechslungen).

Doch die Schaubühne Europameisterschaft nutzt Boateng (Spielerporträt) geschickt zur Eigenwerbung.

Höhen und Tiefen in der Leistung, findet Engel, müsse man bei den Talenten einkalkulieren.

"Das sind alles junge Burschen, das darf man nicht vergessen. Sie können noch nicht die Stabilität bringen, die ein 23-, 24-Jähriger bringen kann."

Die besten aus 60

In den Auswahlmannschaften des DFB ist der Konkurrenzkampf naturgemäß hart.

Doch immerhin sechs Spieler, die 2007 mit der U 19 im EM-Halbfinale standen, haben den Sprung in die U 21 geschafft.

Trainer Horst Hrubesch beschreibt die Auswahlproblematik gegenüber Sport1.de so:

"In der Qualifikation haben in den vergangenen Jahren über 60 Spieler gespielt. Erst jetzt sind wir dazu gekommen, den Kader zusammenzubringen."

Sein Hauptaugenmerk vor der EM habe daher darauf gelegen, die Mannschaft zu einer echten Einheit zu machen.

Neben Höwedes und Boateng komplettieren Andreas Beck (Hoffenheim) und Marcel Schmelzer (Dortmund) die deutsche Viererkette.

Qualität ist da

Besonders das Umschalten von Defensive auf Offensive klappt in vielen Situationen erstaunlich gut.

Rumpelfüße in der DFB-Abwehr - daran denkt heute keiner mehr.

Die Zeiten sind längst vergessen, als sich deutsche Teams mit der Interpretation der Viererkette plagten.

Qualität ist genug vorhanden. Selbst den Ausfall von Außenverteidiger Sebastian Boenisch im Spiel gegen Spanien steckte Deutschland problemlos weg.

Für Trainer Hrubesch ist das gut zu wissen. Schließlich gehen gegen England sieben Spielern mit einer Gelben Karte belastet in die Partie.

Gelb-Sperren drohen fürs Halbfinale

Nach den ersten beiden Spielen sind Ashkan Dejagah, Andreas Beck, Sami Khedira, Marko Marin, Mesut Özil, Patrick Ebert und Marcel Schmelzer schon einmal verwarnt worden und wären im Falle einer weiteren Verwarnung für ein Spiel gesperrt.

Zudem werden die Karten nicht nach der Vorrunde gestrichen.

Das einstige Kopfballungeheuer Hrubesch will von einer Spielweise mit angezogener Handbremse indes nichts wissen.

"Es darf niemand zurückziehen. Und wenn einer das Pech hat, gesperrt zu sein, müssen eben andere in die Bresche springen."

Seinen Spielern macht er keinen Vorwurf. "Ich war mit den Schiedsrichtern in beiden Spielen nicht zufrieden", sagte Hrubesch: "Es wird sehr schnell eine Karte gezogen, das meiste waren Allerweltsfouls."

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