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Wolfsburgs Ashkan Dejagah ist in Teheran geboren © imago

Sein Boykott des U21-Hinspiels gegen Israel löste heftige Diskussionen aus. Auch im Rückspiel fehlt der Deutsch-Iraner.

Düsseldorf -Die Absage von Ashkan Dejagah sorgt vor den wichtigen EM-Qualifikationsspielen der U21-Nationalmannschaft gegen Nordirland und Israel für Unruhe.

Der Mittelfeldspieler vom VfL Wolfsburg zog sich eine Wadenverletzung zu und muss in beiden Spielen am Freitag in Wuppertal (20.15 Uhr) und Dienstag in Duisburg (19 Uhr/beide live im DSF) passen.

Ausgerechnet Dejagah, der mit dem Verzicht auf seine Teilnahme am Hinspiel in Israel für Aufsehen und kontroverse Diskussion bis in höchste politische Kreise gesorgt hatte.

Länderspiel-Karriere hing am seidenen Faden

Der DFB stellte am Donnerstag klar, dass einzig die Verletzung der Grund für die Absage gewesen sei. "Es ist bedauerlich, weil gerade er vor dem Israel-Spiel besonders im Blickpunkt stand. Doch die medizinische Diagnose ist so eindeutig, dass die Absage unausweichlich war", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Der Deutsch-Iraner Dejagah hatte im vergangenen Oktober aus Angst um seine Familie auf die Reise nach Israel verzichtet. Erst nach einem Gespräch mit der DFB-Spitze unter Führung von Präsident Theo Zwanziger fiel damals die Entscheidung, dass Dejagah weiter für Deutschland spielen darf.

Keine politische Entscheidung

Dejagah selbst hatte noch am Mittwoch in einem Interview auf der DFB-Homepage die Begegnung am kommenden Dienstag als "Spiel wie jedes andere" bezeichnet.

Seine Entscheidung damals habe er nur wegen seiner Familie gefällt. "Es ist auf jeden Fall nicht so, dass ich Probleme mit irgendwelchen anderen Menschen habe oder meine Entscheidung politische Gründe hatte", sagte Dejagah.

Der in Teheran geborene und in Berlin aufgewachsene Offensivspieler hatte damals Zwanziger glaubhaft versichern können, dass seine von mehreren Politikern und dem Zentralrat der Juden heftig kritisierte Absage keine antisemitischen Hintergründe hatte. Die iranische Regierung erkennt Israel nicht an und untersagt den Bürgern unter Strafandrohung die Einreise.

Rehabilitation für Moldawien-Pleite notwendig

Dejagah hatte die Muskelverletzung am Mittwochabend im Training erlitten. Eine Kernspintomographie untermauerte die erste Diagnose. Trainer Dieter Eilts bezeichnete den Ausfall als "bedauerlich". Dejagah hätte sich für beide Begegnungen viel vorgenommen.

Gerade nach dem peinlichen 0:1 in Moldawien - der ersten Pleite nach elf Begegnungen ohne Niederlage - hätte Eilts seinen Leistungsträger in den letzten beiden Vorrunden-Begegnungen gut gebrauchen können.

Die Sieger der zehn Qualifikationsrunden sowie die vier besten Gruppenzweiten qualifizieren sich für die Play-off-Runde und ermitteln in sieben Begegnungen in Hin- und Rückspiel sieben EM-Starter. Bereits gesetzt ist Gastgeber Schweden, der vom 15. bis 29. Juni 2009 die Titelkämpfe austrägt. Deutschland und Israel liegen derzeit punktgleich (je 13) an der Tabellenspitze.

Fünf weitere Stammkräfte fehlen

"Die Mannschaft muss an ihr Limit gehen, um beide Spiele zu gewinnen und sich als Gruppenerster für die Playoffs zu qualifizieren", sagte Eilts, der allerdings weitere Personalsorgen hat. Nach Baris Özbek (Galatasaray Istanbul), Patrick Ebert (Hertha BSC Berlin) und Benedikt Höwedes (Schalke 04) sagte kurz vor Dejagah auch Aaron Hunt von Vizemeister Werder Bremen verletzungsbedingt ab.

Jan Rosenthal (Hannover 96) ist am Freitag gelbgesperrt.

Die voraussichtliche Aufstellung gegen Nordirland:

Fromlowitz (Hannover 96) - Beck (1899 Hoffenheim), Schwaab (SC Freiburg), Hummels (Borussia Dortmund), Aogo (Hamburger (SV) - Özil (Werder Bremen), Kruska (Borussia Dortmund), Kroos (Bayern München), Khedira (VfB Stuttgart), Grote (VfL Bochum) - Hennings (FC St. Pauli). - Schiedsrichter: Michail Koukoulakis (Griechenland).

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