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Christoph Metzelder (r.) stand bei der EM bei allen deutschen Begegnungen auf dem Platz © imago

Christoph Metzelder blickt im Sport1-Interview auf die EM zurück und äußert sich zur Kritik an den deutschen Innenverteidigern.

Vom DFB-Team berichtet Martin van de Flierdt

Oberhaching - Christoph Metzelders Fitness war eines der bestimmenden Themen im deutschen Lager während der vergangenen EM.

"Ich habe mich im Turnier körperlich und mental am Limit bewegt", sagt der Innenverteidiger von Real Madrid. "Aber ich habe mich durchgekämpft und versucht, der Mannschaft zu helfen."

Die deutsche Abwehrzentrale habe nicht so souverän agiert wie bei der WM 2006, hatte Bundestrainer Joachim Löw kürzlich bemängelt.

Im Sport1-Interview reagiert Metzelder auf die Kritik an ihm und Per Mertesacker, spricht über die Stimmung im Team und die Rolle von Michael Ballack. Dazu formuliert er gestiegene Führungsansprüche.

Sport1: Herr Metzelder, die EM liegt gut zwei Monate zurück. Wie behalten Sie sie persönlich in Erinnerung?

Christoph Metzelder: Ich habe mich im Turnier körperlich und mental am Limit bewegt. Aber ich habe mich durchgekämpft und versucht, der Mannschaft zu helfen. Es hat bis ins Endspiel gereicht, weiter leider nicht.

Sport1: Bundestrainer Joachim Löw hat von "neuen Anforderungen" gesprochen, die an moderne Innenverteidiger gestellt werden?

Metzelder: Es hat mich schon in der Nachbetrachtung der EM gewundert, wie die Rolle der Innenverteidiger gesehen wurde. Per Mertesacker und ich wurden für unser Offensivspiel kritisiert. Sicher geht es darum, einen guten ersten Pass zu spielen. Wenn es machbar ist, ins Mittelfeld oder in die Spitze. Es kann aber nicht die primäre Aufgabe der Innenverteidiger sein, für das Offensivspiel der Mannschaft zu sorgen. Wir haben acht andere Spieler, um die Offensive zu beleben. Wenn ich mir einen Carles Puyol oder einen Fabio Cannavaro anschaue, dann gewinnen die vor allem ihre Zweikämpfe und spielen den Ball dann zehn Meter weiter. Das war dann ihr ganzes Offensivspiel. Am Ende des Tages ist ein Innenverteidiger dafür zuständig, seine Defensivaufgaben zu lösen.

Sport1: Haben Sie das bei der EM zu Ihrer eigenen Zufriedenheit geschafft?

Metzelder: Ich persönlich und wir als Viererkette haben bei der EM nicht das gezeigt, was wir können. Aber diese drei Wochen zu nehmen und zu sagen: Die deutschen Innenverteidiger spielen nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten, nachdem sie die zwei Jahre vorher und bei der WM mit zu den besten Abwehrreihen Europas gehörten, finde ich schwach.

Sport1: Zuletzt gab es erneut großen Wirbel um den Streit zwischen Oliver Bierhoff und Michael Ballack nach dem EM-Finale. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Metzelder: Letztendlich ist Michael ja mit in die Kurve gegangen und hat sich bei den Fans bedankt. Mehr sollte man dort nicht hineininterpretieren. Aber dass bei der EM nie so eine Atmosphäre wie beim Sommermärchen entstanden ist, muss man schon zugeben.

Sport1: Woran lag das?

Metzelder: Es ist eine Situation entstanden, dass nicht so viele Spieler eingesetzt wurden. Bei der WM hatten wir es noch geschafft, dass jeder bis auf den dritten Torhüter zumindest ein Spiel gemacht hat. Das kann man natürlich in einem Turnier nicht planen.Aber es war ein Grund, dass nie so eine Eigendynamik entstanden ist wie 2006 .

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